Viel Rauch um Gassenküche

An der Hauptversammlung des Quartiervereins Südost beschwerten sich Anwohner darüber, dass Besucher der Gassenküche im Freien Lärm machen und sich Zigarettenqualm im Quartier ausbreiten würde.

Fredi Kurth
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Rauchverbot gilt auch in der Gassenküche, weshalb die Besucher oft draussen anzutreffen sind. (Bild: Urs Bucher)

Rauchverbot gilt auch in der Gassenküche, weshalb die Besucher oft draussen anzutreffen sind. (Bild: Urs Bucher)

Es seien kaum heisse Themen zu erwarten, sagte Susanne Gresser, Präsidentin des Quartiervereins Südost, als sie den Medienvertreter am Freitagabend zur Hauptversammlung begrüsst, «am ehesten könnte es Diskussionen um Tempo-30-Abschnitte geben.» Aber dann kam an der Steingrüeblistrasse 1 eher unerwartet das Thema «Gassenküche» aufs Tapet. Unerwartet, weil erst im vergangenen Jahr der Vorstand des Quartiervereins zu einem Gespräch mit Jürg Niggli, dem Leiter der Stiftung Suchthilfe, aufgerufen hatte. Zwei bis drei Personen seien erschienen und hätten die Situation «als nicht so schlimm» betrachtet.

Handschellen und Betrunkene

Doch nun, da auch die Gassenküche an der Linsebühlstrasse 83a den Frühling spürt, seien die Belästigungen wieder eine Zumutung. Ein Anwohner berichtete von 15 bis 25 Personen, die ein «Riesengeschrei» machten. Schulkinder hätten zusehen müssen, wie die Polizei eine Person mit Handschellen abführte, und ein andermal, wie ein Betrunkener regungslos auf dem Boden gelegen habe. Solche Zustände seien zwar schon vor zehn Jahren der Fall gewesen, würden nun aber noch verstärkt durch das Rauchverbot, das die Besucher der Gassenküche nach draussen treibe. Der Qualm sei von benachbarten Wohnungen aus zu riechen.

«Unzumutbar»

Der Redaktor des Quartierblattes doppelte nach: Nicht die Gassenküche als solche sei zu beklagen, sondern dass Suchtverhalten der Besucher. «Unzumutbar ist, dass man nichts unternimmt und es nicht fertigbringt, einen Raucherraum zu schaffen.»

Für Susanne Gresser ist schnell gesagt, man müsse ein Fumoir errichten. Denn die Gassenküche befindet sich bloss im unteren Geschoss, oben sind die Büros der Gassenküche und eines weiteren sozialen Projekts eingerichtet. Der Raum für ein Fumoir wäre wohl zu klein (siehe Kasten). Die Präsidentin versprach, das Thema an der nächsten Vorstandssitzung zu behandeln. Und der Redaktor des Quartierblatts wird einen Artikel schreiben.

Abgesehen von diesem etwas längeren Intermezzo war der Anlass in der Turnhalle der heilpädagogischen Schule nicht ohne Charme. Sie war gut besetzt, mit 27 Mitgliedern und einer stattlichen Schar von Sängerinnen und Sängern des Jodlerclubs St. Gallen. Sie gaben als Gäste ein paar Kostproben, denn sie üben jeweils gleich nebenan im Kirchgemeindehaus Linsebühl.

Tempo 30? Nur zu!

Quartierverein Südost? Das bedarf genauerer Umschreibung. Anders als Rotmonten oder Lachen oder St. Fiden-Neudorf. Das Quartier Südost erstreckt sich vom Linsebühl und von Lämmlisbrunnen bergwärts zur Speicher- und Wildeggstrasse und im Tal über den Stadtpark bis an die Rosenbergtunnel-Ausfahrt der Stadtautobahn.

Die Versammlung verdeutlichte die relative Bedeutung eines Quartiervereins einerseits und die zwingende Notwendigkeit andererseits. Bei der Abnahme des Protokolls gesteht Susanne Gresser, dass ihr erst gerade aufgefallen sei, dass sie sich hätte um Vandalenakte an der Florastrasse kümmern müssen. Nun habe sich das Thema offensichtlich von alleine erledigt. Im Richtplan-Entwurf ist das Quartier eher selten erwähnt. Am meisten würde es von der Südspange betroffen. Die Stadt prüft drei Standorte von Veloparkplätzen. Und zwei Rücktritte aus dem Vorstand hinterlassen vorerst Vakanzen.

Tempo 30 war doch noch ein Thema. Die Wildeggstrasse steht seit Jahren zur Debatte. Als sich die Präsidentin beim Tiefbauamt erkundigte, wurde ihr beschieden: «Ein Gesuch würden wir schon prüfen, wir benötigen aber die Anfrage des Quartiervereins.» Was bald der Fall sein dürfte.