Viel Rauch um Gäste vor Beizen

ST.GALLEN. Anfang Oktober rückte die Stadtpolizei zu einem Einsatz vor einer Bar aus. Grund war eine Beschwerde, die sich auch gegen das verstopfte Trottoir vor dem Lokal richtete. Die Polizei ortet dieses Sicherheitsproblem auch vor anderen Beizen.

David Gadze
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Im Bermuda-Dreieck an der Augustiner- und Engelgasse drängen sich oft die Nachtschwärmer. Die Polizei sieht da aber kaum Sicherheitsprobleme. (Archivbild: Urs Bucher)

Im Bermuda-Dreieck an der Augustiner- und Engelgasse drängen sich oft die Nachtschwärmer. Die Polizei sieht da aber kaum Sicherheitsprobleme. (Archivbild: Urs Bucher)

Raucher können aufatmen: Sie dürfen weiterhin vor Clubs und Bars in der Stadt rauchen. Vergangene Woche berichtete der «Blick», in St. Gallen sei das Rauchen vor den Beizen neuerdings verboten. Grund dafür soll die Tatsache gewesen sein, dass vier Stadtpolizisten vor dem Rock-Club in der Lämmlisbrunnenstrasse aufgetaucht seien und sich über Gäste beschwert hatten, die mangels Fumoir vor dem Lokal rauchten – wie vor vielen anderen Beizen. Die Angelegenheit ist jedoch komplizierter.

Rock-Club zu lange geöffnet

Die Stadtpolizei sei beim Rock-Club aufgrund einer Beschwerde aus der Bevölkerung aktiv geworden, sagt Roman Kohler, Leiter der Kommunikationsstelle. In diesem Fall gehe es in erster Linie um das Nichteinhalten von Schliessungszeiten. Gegenstand der Beschwerde sei jedoch auch gewesen, dass die Gäste des Rock-Clubs das Trottoir versperrten. Passanten hätten auf die Strasse ausweichen müssen, um durchzukommen. Auch über Abfall und Lärm sei geklagt worden.

Die Polizei habe die Besitzerin des Rock-Clubs unterdessen einvernommen und sei zum Schluss gekommen, dass die im «Blick» angekündigte Anzeige wegen nicht bewilligten gesteigerten Gemeingebrauchs in diesem Fall «nicht zweckmässig» sei, sagt Kohler. Denkbar sei aber, dem Rock-Club eine Auflage zu machen, dass das Trottoir für Passanten begehbar sein müsse. Rock-Club-Besitzerin Eva Heilig war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Unerlaubterweise gezapft

Auch die Baracca-Bar an der Teufener Strasse bekam in den vergangenen Tagen Post von der Stadtpolizei. In diesem Fall habe es sich um eine «Ermahnung wegen Verstossens gegen bestimmte Auflagen» gehandelt, sagt Kohler. Und auch in diesem Fall waren Beschwerden aus der Nachbarschaft der Auslöser. Ruedi Gamper von der Baracca-Bar bestätigt, dass er wegen der vielen Gäste vor dem Lokal eine mobile Zapfsäule in Betrieb genommen habe, obwohl das Baracca draussen nicht bewirten darf. Nebst der Verwarnung bekam die Baracca-Bar auch eine Lärmbusse in der Höhe von 60 Franken aufgebrummt. Wie aus dem Schreiben hervorgeht, sei es wegen des verstopften Trottoirs aber auch «zu gefährlichen Verkehrssituationen gekommen».

Ob auch die Baracca-Bar die Auflage erhalten soll, dass das Trottoir jederzeit passierbar sein müsse, werde in Gesprächen mit den Betreibern entschieden, sagt Roman Kohler. «Es ist etwas anderes, ob das Bermudadreieck abends verstopft ist oder ein Trottoir, das unmittelbar an einer Strasse liegt.» Es stelle sich die Frage der Sicherheit, sowohl für die Gäste als auch für Passanten und Verkehrsteilnehmer. So habe man mit den Betreibern des Palace vor zwei Jahren entschieden, vor der Strasse ein Geländer statt Ketten zu montieren.

Jeden Fall einzeln beurteilen

Es stelle sich aber die grundsätzliche Frage, wie man in solchen Situationen der Verantwortung für Sicherheit nachkomme, sagt Kohler. Bei Bars, die einen Teil des Aussenbereichs bestuhlen dürfen, seien Pflichten und Aufgaben auch über Auflagen geregelt. Bei solchen Bars jedoch, die direkt an einem Trottoir liegen, sei dies nun zu prüfen. Die Polizei wolle mit allfälligen Auflagen aber kein Präjudiz schaffen und jeden Fall einzeln beurteilen, betont Kohler.

Im Schreiben an die Baracca-Bar wird ebenfalls auf die «Folgen eines nicht bewilligten gesteigerten Gemeingebrauchs des öffentlichen Grunds» hingewiesen. Dieser beziehe sich in diesem Fall jedoch nicht auf die Gäste auf dem Trottoir, sondern auf die unrechtmässig aufgestellte Zapfsäule, sagt Heinz Indermaur, Direktionssekretär Soziales und Sicherheit. Bars, bei denen sich regelmässig Menschentrauben vor dem Eingang bilden, dürften nicht aufgrund ihrer Lage unterschiedlich behandelt werden. Die Polizei könne aber Auflagen machen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

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