Viel Interesse an Kinderfest-Schau

Am Sonntag ging die Kinderfest-Ausstellung «s'isch – s'isch nöd» zu Ende. Das Textilmuseum ist mit seiner Schau über den städtischen Festakt mehr als zufrieden. Und auf eine einzelne Kritik von aussen wurde bereits reagiert.

Kathrin Reimann
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Kuratorin Ursula Karbacher sortiert die Kleider, welche als Leihgaben aus der Bevölkerung kamen. (Bild: Michel Canonica)

Kuratorin Ursula Karbacher sortiert die Kleider, welche als Leihgaben aus der Bevölkerung kamen. (Bild: Michel Canonica)

Ein Besuch der Ausstellung «s'isch – s'isch nöd» kam einer Reise durch die Zeit gleich. So startete sie im Jahr 1824, als das Kinderfest zum ersten Mal stattgefunden hatte, und endete in der Gegenwart, mit Kleidern des diesjährigen Umzuges. Anhand Bildern, Videos, Tonaufnahmen, Fahnen, Gegenständen und vor allem Kleidern, Schuhen und Hüten konnte der Museumsbesucher modische und gesellschaftliche Veränderungen nachverfolgen. Diese reichten vom patriotischen Ursprung, über die Stickereiblüte, bis hin zu lockeren Zeiten, in denen Männer lange Haare und Frauen kurze Hosen trugen.

Aus eigener Kindheit erzählt

Eine Ausstellung, die gut ankam. Dies zeigte sich auch am letzten Sonntag, der letzten Gelegenheit, sie zu besuchen. «Über 160 Besucher kamen und über 50 nahmen an der letzten Führung teil», sagt Kuratorin Ursula Karbacher. Und auch jetzt noch würden täglich Leute anrufen und nach der Ausstellung fragen. «Wir sind mehr als zufrieden mit den Besucherzahlen. Insbesondere Schulklassen hatten wir extrem viele.» Diese hätten die Ausstellung als Vorbereitung für das richtige Fest genutzt, und hier vermittelt bekommen, um was es beim Kinderfest überhaupt geht. «Viele Grossmütter besuchten die Ausstellung mit ihren Enkeln, um ihnen aus ihrer Kindheit zu erzählen», sagt Karbacher.

Überregional stiess die Ausstellung ebenfalls auf Interesse. «Dabei waren wir kritisch, ob ein so lokales Thema Leute von ausserhalb interessiert.» Während ihrer Führungen war der Kuratorin aufgefallen, dass die Museumsbesucher sich oder andere in den Bild- und Videoaufnahmen erkannten und selbst ins Erzählen kamen. «Manchmal musste ich nicht mehr viel zu den Stücken sagen, die Besucher taten das von allein.» Was die Führungen lebendig und spannend gemacht habe.

Berühmte Führer waren beliebt

Durch ebensolche Rückmeldungen und Gespräche habe man auch die eine oder andere Erkenntnis gehabt. Etwa, dass ein Film acht Jahre später aufgenommen worden war, als datiert. Die prominenten St. Galler, die durch die Kinderfest-Ausstellung führten, kamen beim Publikum ebenfalls an. Insbesondere Paola Felix-Del Medico zog grosses Interesse auf sich.

Nebst guten Besucherzahlen und positiven Rückmeldungen erschien im Kulturmagazin «Saiten» ein kritischer Artikel. Dieser warf den Ausstellungsmachern vor, die Realität der globalisierten Bekleidungsindustrie zu ignorieren. Ganz anders mache dies die Ausstellung «Fast Fashion», welche derzeit in Hamburg den Schattenseiten der Modeindustrie nachgeht. «Dieser Aspekt war für unsere Kinderfest-Ausstellung nicht von Bedeutung», sagt Karbacher, die am Montag in Hamburg ebendiese Ausstellung besucht hat und verrät: «In einem Jahr wird diese Ausstellung hier im Textilmuseum gezeigt, allerdings aktualisiert und regionalisiert.»

Dokumente für das Stadtarchiv

Zuerst muss aber die Kinderfest-Ausstellung noch abgebaut werden. Die vielen Ausstellungsstücke sind einerseits Leihgaben von Museen, ein Grossteil stammt aus der Bevölkerung. «Einige Stücke haben wir geschenkt bekommen, den Rest sind wir nun am Zurückgeben.» So würden die Besitzer, sobald ihr Stück zum Abholen bereit sei, informiert.

Kleider, die dem Textilmuseum vermacht wurden, wandern nun ins Archiv und werden dort sachgemäss gelagert, dass sie noch viele Jahre überdauern. «Alle anderen geschenkten Dokumente wandern ins Stadtarchiv», erklärt Karbacher, die es schade findet, dass mündlich sehr viel historisches Wissen zusammengekommen sei, an Dokumenten aber nur wenig. «So gut wie der Einbezug der Bevölkerung funktioniert hat, werden wir das aber öfters machen.»

Eröffnung der nächsten Ausstellung «Furor floralis» am 25. August