Viel Ehrgeiz und Talent

Mit 14 Jahren wurde die Fussballerin Sandra Aloi entdeckt. Heute spielt sie für den FC Zürich und das U19-Nationalteam. Nun ist sie als Ostschweizer Spielerin des Jahres nominiert.

Stephanie Sonderegger
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Als Spielerin beim FC Zürich schätzt Sandra Aloi besonders die Professionalität des Clubs. (Bild: Doris Studer)

Als Spielerin beim FC Zürich schätzt Sandra Aloi besonders die Professionalität des Clubs. (Bild: Doris Studer)

FUSSBALL. Sie ist noch nicht lange Teil des FC Zürichs, fühlt sich aber sichtlich wohl in ihrem neuen Team: Sandra Aloi. Die 18-Jährige mit italienischen Wurzeln spielte bereits als Kind Fussball. Beim FC Rebstein angefangen, spielte die Rheintalerin anschliessend beim FC Widnau. Wortwörtlich im Sturm eroberte sie die Fussballplätze, schoss Tor um Tor als Angreiferin. Dass es jemals für eine professionelle Karriere reichen würde, davon wagte die Spielerin damals jedoch nicht zu träumen. «Mir wurde das erst bewusst, als ich bei der Football Academy aufgenommen wurde», sagt die ehemalige Spielerin des NLA-Frauenteams vom FC Staad.

Ausbildung zur Fussballerin

Junge 14 Jahre war Aloi, als das Angebot kam. Sie spielte für den FC Widnau und im U16-Nationalteam zu diesem Zeitpunkt. Bei einer Auswahl wurde sie schliesslich entdeckt. Um die Ausbildung der Football Academy – damals noch in Huttwil angesiedelt – antreten zu können, wurde eine Schweizer Staatsbürgerschaft gefordert. Die Italienerin liess sich einbürgern. Ausserdem musste sie Abschied nehmen von Familie und Schulkameraden: Eine Gastfamilie in Huttwil wurde ihr neues Zuhause. Die Sekundarschule besuchte die Rheintalerin dort ebenso. «Es fiel mir erstaunlich leicht. Ich hatte kaum Heimweh», sagt die heute 18-Jährige.

Sie ist selbstbewusst, kennt ihre Stärken und Schwächen. Das Ausbildungsprogramm absolvierte sie problemlos: «In der Schule wurden wir oft entlastet. Verpasstes musste allerdings nachgeholt werden.» Vor allem aber profitierte die inzwischen in der Abwehr eingesetzte Spielerin von Trainingsstunden unter der damaligen Nationaltrainerin Béatrice von Siebenthal. Heute spielt Aloi im U19-Nationalteam.

Junges Durchschnittsalter

Die Kosten für die Ausbildung an der inzwischen in Biel ansässigen Football Academy belaufen sich pro Jahr auf 25 000 Franken. Viel Geld, das weiss Aloi auch heute noch zu schätzen: «Es ist ein Privileg, diese Ausbildung absolvieren zu dürfen.» Fünf Absolventinnen spielen zusammen mit ihr beim FC Zürich. Das Durchschnittsalter der Spielerinnen liegt bei 20 Jahren. Wer eingesetzt werde, hänge aber einzig von der Leistung und dem Einsatz ab und nicht vom Alter, so die Innenverteidigerin. Am FC Zürich schätzt sie besonders die Professionalität: «Wir haben hier eine optimale Infrastruktur. Ausserdem wird auf die Spielerinnen und deren Regeneration geachtet.»

Zwischen Lehre und Training

In Zürich macht Aloi eine kaufmännische Lehre bei ihrem eigenen Verein. Zudem absolviert sie die «United School of Sports» in St. Gallen. Den Arbeitsalltag mit den regelmässigen Trainingseinheiten des FC Zürich unter einen Hut zu bekommen, fällt der Rheintalerin nicht schwer. «Wir machen alle nebenbei eine Ausbildung oder gehen arbeiten. Vom Fussballspielen können wir nicht leben», so Aloi. Dass der Stellenwert des Frauenfussballs nicht dem der Männer entspricht, findet sie schade: «Das Interesse hat aber enorm zugenommen in den letzten fünf Jahren.» Den Traum, vom Fussball leben zu können, hat sie dennoch. International in einem starken Club zu spielen, das wünscht sich die 18-Jährige: «Beim VfL Wolfsburg – das wäre ein grosser Traum für mich.»

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