Viel Bauplatz beim Platztor

ST.GALLEN. Der Stadtrat will freie Hand haben für eine Neuüberbauung beim Platztor. Er hat darum das Offene-Kirche-Gebäude aus dem Inventar für schützenswerte Bauten entlassen.

Daniel Klingenberg
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Nicht mehr schützenswert: Neoklassizistisches Kultgebäude der Christlichen Wissenschaften, heute als Offene Kirche betrieben. (Bild: Michel Canonica)

Nicht mehr schützenswert: Neoklassizistisches Kultgebäude der Christlichen Wissenschaften, heute als Offene Kirche betrieben. (Bild: Michel Canonica)

Innerstädtische Baureserven sind rar. Zu ihnen gehört die Fläche beim Platztor, wie die Kreuzung Unterer Graben/Torstrasse genannt wird (siehe Kasten). Die auf der Infografik rot eingefärbte Fläche samt Gebäuden gehört der Stadt, die damit über eine attraktive Baureserve verfügt. Für eine neue Überbauung müssten allerdings verschiedene Gebäude abgebrochen werden. Eines davon, das 1925 eingeweihte Kultgebäude der Christlichen Wissenschaften, stand bis vor kurzem im Inventar der schützenswerten Bauten. Derzeit ist die Offene Kirche dort eingemietet. Der Stadtrat hat nun aber das neoklassizistische Tempelchen nicht mehr ins seit Anfang Jahr geltende überarbeitete Inventar aufgenommen. Dies bestätigt Denkmalpfleger Niklaus Ledergerber: «Aus städtebaulichen Gründe wurde das Gebäude daraus entlassen.»

Kein Wegelin-Projekt mehr

«Städtebauliche Gründe» bedeutet: Der Stadtrat sieht beim Platztor ein interessantes Gelände für eine Überbauung und will darin freie Hand haben und das Tempelchen nicht integrieren. Dies sei eine Interessenabwägung, die gemacht werde, sagte Ledergerber weiter. Immerhin aber erscheint das Bauwerk im früher gültigen Verzeichnis schützenswerter Bauten in der Kategorie zwei. Das sind «Bauten mit künstlerischem oder geschichtlichem Wert». Denkmalpflegerisch ist der an die griechische Tempelarchitektur angelehnte Bau aber laut Ledergerber «nicht so interessant».

Ideen für eine Überbauung gab es verschiedene. So war das Gelände beim Platztor auch Thema bei dem einst so ambitionierten «Kubi»-Projekt – Kunsthaus und Bibliothek – des Kantons. Weiter gab es dem Vernehmen nach die Idee, an diesem Ort eine grössere Überbauung durch die Bank Wegelin zu realisieren. Dies, um deren Platzprobleme zu lösen. Das ist allerdings nach dem Rechtsstreit mit den USA nun kein Thema mehr. Und für die ausgelagerte neue Bank Notenstein ebenfalls nicht. Zudem habe man derzeit keinen Raumbedarf, sagte Notenstein-Sprecherin Dominique Meier.

Uni bleibt auf dem Berg

Auch für die Universität St. Gallen könnte das Platztor eine Variante sein, ihre Raumprobleme zu bewältigen. Nach Auskunft von Kantonsbaumeister Werner Binotto wurde der künftige HSG-Platzbedarf in einer Studie abgeklärt. Für eine mögliche Erweiterung des Campus wurde auch das Platztor in Betracht gezogen. Zwar liegt er nicht in unmittelbarer HSG-Nähe, sondern etwa 15 Minuten entfernt. Die Uni hat allerdings auch Institute an der nahegelegenen Tigerbergstrasse, zudem wird sie die beiden neu entstehenden Stockwerke im UG 24 am Unteren Graben mieten. Mittlerweile hat aber die Regierung entschieden, dass in erster Priorität die Variante Girtannersberg, die Fläche unmittelbar nördlich des Haupt- und Bibliotheksgebäudes der Uni, für eine Campuserweiterung zu verfolgen ist.

Noch keine konkreten Pläne

Nach Auskunft der Stadt gibt es derzeit kein konkretes Projekt für das Platztor. Gut denkbar sei aber eine Mischnutzung von Wohnen, Büros und Dienstleistungsbetrieben, sagte Fredi Kömme von der Direktion Bau und Planung auf Anfrage.