Verwurzelung, «frischer Wind» oder zurück auf Feld Nummer 1?

Leserbriefe

Ewgeni Obreschkow
Merken
Drucken
Teilen

Die «überparteiliche Findungskommission» für den neuen Stadtpräsidenten legt einen externen Kandidaten vor, der von allen Parteien querbeet unterstützt werde – heisst es. Zunächst: Ich habe absolut nichts gegen Wolfgang Giella, weil ich ihn nicht kenne, wie die meisten Gossauerinnen und Gossauer. Sodann: Ich habe absolut nichts gegen Daniel Lehmann, aber weil ich ihn sehr wohl kenne und ich deshalb weiss, dass er das Zeug zum Stadtpräsidenten hat. Ich kenne ihn seit seinem 12. Lebensjahr, als er ins Gymnasium Friedberg kam und sich sofort profilierte als ein junger Mensch mit Witz und Anstand, mit Klugheit und Flexibilität, mit Kreativität und Willensstärke. Und das ist ihm bis heute geblieben. Ich verfolgte dann mit grosser Hochachtung seine erfolgreiche Laufbahn durch ein sehr anspruchsvolles ETH-Studium und freute mich über jede spätere Begegnung mit meinem ehemaligen Schüler. Heute steht Daniel Lehmann als Kandidat für das Gossauer Stadtpräsidium zur Wahl, aus der Überzeugung heraus, dass er für sein Gossau, das für ihn kein Neuland ist, etwas ­bewegen kann. Der Wert dieser Verwurzelung in den meisten Bereichen darf als Chance für uns nicht unterschätzt (und schon gar nicht als Nachteil dargestellt) werden.

Für mich ist Daniel ­Lehmann der Kandidat zum Stadtpräsidium, weil ich ihn kenne und weil ich sein Rüstzeug kenne. Und ich warne (er­fahrungsbedingt) vor der Idee, dass auswärtige Kandidaten den viel beschworenen «frischen Wind» bringen werden – ­Findungskommission hin oder her. Dass die FDP nun auch noch die Giella-Parole herausgibt («Tagblatt» von gestern), ist für mich (als Parteimitglied) unbegreiflich. Noch einmal: nichts gegen Giella, weil ich ihn nicht kenne, und nichts gegen Lehmann, weil ich ihn kenne und weil er bei mir jede ­«Prüfung» bestanden hat (nicht nur in der Schule)! Und Schiller sagte «drum prüfe, wer sich ewig bindet» – und zwei Zeilen später noch «der Wahn ist kurz, die Reu ist lang»…

Ewgeni Obreschkow

Alt-Rektor Gymnasium Friedberg

Nelkenstrasse 30, 9200 Gossau

Gossau hat die Chance, mit ­Daniel Lehmann einen versierten Gewerbevertreter aus den ­eigenen Reihen zu wählen. ­Daniel Lehmann hat den ­Gewerbeverein Gossau lange Jahre hervorragend geführt und die Interessen gegenüber allen Anspruchsgruppen immer aus­gezeichnet vertreten. Daneben hat er mit seinen Engagements für gesellschaftliche Anliegen in der Stadt Gossau wie für das Gymnasium Friedberg sowie das ESAF 2025 aber auch für wirtschaftliche Belange wie die vergangenen Gewerbe­ausstellungen schon sehr viel für die Gossauerinnen und Gossauer geleistet.

Wenn ich nun lese, dass die FDP-Wählerversammlung (wenn auch nur sehr knapp) entschieden hat, den Gegenkandidaten zu unterstützen, der bis vor Monatsfrist der SP angehörte und somit klar SP-Gedankengut trägt, wird mein politisches Verständnis ordentlich auf die Probe gestellt. Versteht sich die FDP nicht mehr als die liberale, bürgerliche und reformorientierte Kraft? Offenbar nicht – und es überwiegen bei der Wahl des Stadtpräsidenten parteipolitische Machtspiele.

Weil ich überzeugt bin, dass Daniel Lehmann die Stärken und Schwächen unserer Stadt kennt und Gossau vorwärts­bringen wird, werde ich ihn wählen.

Roland Baur

Neuchlenweg 1, 9200 Gossau

Stadtpräsidium – zurück auf Feld 1 mit Kandidat Nummer 5:

Warum: Aus verschiedenen Gründen können mich die vier Kandidaten fürs Stadtpräsidium nicht überzeugen. Die Kolumne von Herr Gozauer in der GoZ vom 26. Oktober trifft für mich voll ins Schwarze. Für das anspruchsvolle Amt des Stadtpräsidenten von Gossau, ­immerhin der viertgrösste Gemeinde im Kanton St. Gallen, sind nur Toppersönlichkeiten mit Topleistungsausweis aus Wirtschaft oder Verwaltung geeignet. Immerhin zahlen die Steuerzahler das «schöne» Jahresgehalt von rund 200 000 Franken.

Wie: Ganz einfach, jeder Wähler schreibt den Namen, Vornamen und Adresse eines Gossauer Stimmbürgers, dies kann eine Person aus der Nachbarschaft oder Bekanntenkreis sein, auf die leere Zeile auf dem Stimmzettel und markiert «seinen Kandidaten» mit dem wichtigen X. So kann erreicht werden, dass keiner der offiziellen Kandidaten im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreicht und die Parteien gefordert werden, für den angestrebten zweiten Wahlgang besser geeignete Kandidaten zu präsentieren.

Martin Zeller

Alpsteinweg 11, 9212 Arnegg

Ich habe die Möglichkeit gehabt und genutzt, Wolfgang Giella an drei verschiedenen Veranstaltungen näher kennen zu lernen; nämlich an der Präsentation durch das überparteiliche Komitee, an der Kandidatenvorstellung durch das «St. Galler Tagblatt» sowie bei der Vor­stellung bei den Mitgliedern der FDP. Auf eine Publikumsfrage an der ersten Präsentation über die politische «Heimat» von Giella antwortete er, dass er seit rund zehn Jahren Mitglied der SP Graubünden ist, für die Zeit der Stadtpräsidentenwahl von Gossau die Parteimitgliedschaft aber sistiert (unterbrochen) habe. An der zweiten Veranstaltung antwortete Giella auf eine gleiche Frage aus dem Publikum, dass er bei der SP Graubünden ausgetreten sei. Auf die Nachfrage, wann dies geschah, antwortete er: Oktober 2017. Also rund einen Monat vor der Stadtpräsidentenwahl! Im Zeitungsartikel im St. Galler Tagblatt vom 2. Oktober ist folgende Aussage von Giella gemacht worden: Er möchte sich offen lassen, welcher Gossauer Partei er dereinst beitreten werde. Er möchte erst die Personen kennen lernen. Einen Beitritt zur SVP könne er jetzt schon ausschliessen. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wenn ein Kandidat für das Stadtpräsidium von Gossau nicht weiss, wo er politisch steht, beziehungsweise einen Entscheid von einzelnen Personen abhängig macht. Die politische Haltung der in Gossau im Parlament und in der Stadt­regierung vertretenen Parteien ist doch recht unterschiedlich. Ich denke dabei insbesondere an die Finanz-, Steuer-, Verkehrs- und Sozialpolitik. Für eine Wahl als Stadtpräsident von Gossau erwarte ich klare Verhältnisse; insbesondere auch bei der politischen Gesinnung. Für mich bleibt Wolfgang Giella der Kandidat mit SP-Gedankengut. Ich wünsche mir für die Stadt Gossau einen bürgerlichen Stadtpräsidenten. Ich wähle daher aus Überzeugung Daniel Lehmann.

Alfred Torgler

Alt-Kantonsrat FDP

Nelkenstrasse 36a, 9200 Gossau