Verwüstung im Schrebergarten

In den Familiengärten der Stadt St. Gallen mehren sich Einbrüche und Sachbeschädigungen – ein für Betreiber und Pächter frustrierendes und bisher ungelöstes Problem.

Michael Juon
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Alfred Schlegel in einem der Häuschen, in dem eingebrochen wurde. (Bild: Urs Jaudas)

Alfred Schlegel in einem der Häuschen, in dem eingebrochen wurde. (Bild: Urs Jaudas)

Alfred Schlegels Miene verfinstert sich, wenn er über die Vorkommnisse im Familiengarten Bildweier spricht. Seit letztem Herbst häufen sich dort Einbrüche und Sachbeschädigungen. Schlegel ist Präsident des Familiengarten-Vereins Bildweier. In St. Gallen gibt es 18 solche Familiengärten. Diesen ergehe es ähnlich, weiss er: Im Familiengarten Riederenholz, am anderen Ende der Stadt, ereigneten sich im April 32 Diebstähle in einer einzigen Nacht, wie die Kantonspolizei St. Gallen bestätigt. Die rund 20 Diebstähle im Familiengarten Bildweier ereigneten sich primär am Wochenende.

«Gestohlen wurden vor allem Alkohol und Esswaren, bisweilen auch eine Bohrmaschine oder eine Solarlampe», sagt Schlegel. Letztere würden die Diebe benützen, um die Häuschen nach Beute zu durchforsten.

Jugendliche hinter Einbrüchen

«Die dabei entstehenden Schäden fallen um einiges grösser aus als das entwendete Deliktsgut. Was die Einbrecher hinterlassen, ist Chaos und Verwüstung», sagt Schlegel.

Dass diese sich ihren Weg zu den Häuschen wortwörtlich querbeet bahnen, aber auch Pflanzenkulturen und Mobiliar mutwillig zerstören, sei weitaus schlimmer und frustriere die Betroffenen: «Man steckt viel Arbeit und Energie in Pflanzen und Häuschen. Einen solchen Schaden kann man nicht beziffern», fügt Schlegel hinzu.

«Die Diebstähle hängen mit den Jugendlichen, die sich am Wochenende am nahe gelegenen Bildweier aufhalten, zusammen: Geht ihnen der Alkohol aus, holen sie in unseren Häuschen Nachschub», vermutet Schlegel.

Der Durst, gepaart mit jugendlichem Vandalismus, generiere die vielen Sachschäden und Chaos. In den anderen Familiengärten der Stadt würden auch Alkoholiker und Drogenabhängige hinter den Diebstählen vermutet. Die einen seien hinter Alkohol her, die anderen hinter Esswaren und Geräten, die sie verkaufen können, glaubt Schlegel.

Erstmals Täter geschnappt

Kürzlich ertappte nun ein zufällig anwesender Pächter spätabends drei Jugendliche auf frischer Tat. Der Bewegungsmelder beim Vereinshaus des Familiengartens Bildweier verriet sie, als sie sich dort zu schaffen machten. Die Polizei konnte die drei bei der Unterführung zum Bildweier fassen. Sie haben nun ein Anzeige von Alfred Schlegel am Hals.

«Als Massnahme käme ein Stacheldraht in Frage, der auf den bestehenden Drahtzaun montiert wird.» Über diesen gelangten die Diebe in den Familiengarten, wie man an eingedrückten Stellen im Zaun sieht. «Aber das wäre kostspielig», räumt Schlegel ein, «ebenso zusätzliche Bewegungsmelder.» Er habe bisher einzig den Quartierpolizisten gebeten, in seinem Familiengarten vermehrt Runden zu drehen.

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