Verteidigung mit Köpfchen

In den Mädchenpower-Wochen lernen die Teilnehmerinnen, sich zu wehren. Mit Wen-Do lernen Mädchen aber auch, mal mit voller Wucht zuzuschlagen – aufs Schlagpolster.

Janina Gehrig
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Zum «Rundschlag» ausgeholt: Mädchen üben Selbstverteidigungstechniken, die den Angreifer unvorhergesehen treffen sollen. (Bild: Ralph Ribi)

Zum «Rundschlag» ausgeholt: Mädchen üben Selbstverteidigungstechniken, die den Angreifer unvorhergesehen treffen sollen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Mädchen stehen in der «Kampfhaltung» da, die Fäuste geballt, die Körper aufrecht. Dann schlagen sie zu: Mit voller Wucht hauen sie auf die Schlagpolster ein, die ihre Gspänli bereithalten. Die zehn Fünft- und Sechstklässlerinnen, die sich im Wen-Do-Raum an der Gottfried-Keller-Strasse 40 in Selbstverteidigung üben, sind Teilnehmerinnen der Mädchenpower-Wochen. Dabei lernen die Mädchen , wie sie sich in bedrohlichen Situationen wehren können.

Sich mental und verbal wehren

Geleitet werden die Kurse von Christina Eicher, Schulsozialarbeiterin und Wen-Do-Trainerin. An diesem Morgen erzählt sie als Einführung eine Geschichte über den aggressiven Tom, der seine Mitschüler provoziert und schikaniert. Darauf werden die eigenen Erfahrungen in der Gruppe ausgetauscht.

Auf den Austausch folgt das Üben: Es werden «Pausenplatztricks» trainiert. Die Mädchen befreien sich aus Griffen und wehren sich verbal gegen Hänseleien. Gelernt werden auch Techniken für Verteidigung und Gegenangriff.

Zum Wehren gehöre aber auch die mentale Auseinandersetzung mit dem Thema, sagt Christina Eicher. Rollenspiele und Wahrnehmungsübungen sollen den Mädchen helfen, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen und sich Respekt zu verschaffen.

Und was meinen die Teilnehmerinnen? «Ich mache den Kurs, weil ich mich manchmal in der Stadt unsicher fühle», sagt die zwölfjährige Nuria. Paula findet den Kurs nützlich, weil «man etwas über den Körper lernt».

Am meisten gefallen hat den Mädchen die Lektion, in der sie lernten, mit der Faust ein Holzbrettchen zu zerschlagen. «Ich würde nächstes Jahr wieder mitmachen», meint die elfjährige Sina.

Das Besondere an der aus Kanada stammenden Selbstverteidigung sei, dass sie «von Frauen für Frauen und Mädchen entwickelt wurde», sagt Eicher. Wen-Do sei nicht Kampfsport, sondern vielmehr Prävention gegen sexuelle Übergriffe.

Mädchen und Buben getrennt

Die Mädchenpower-Wochen werden vom Jugendsekretariat organisiert und finden in den Herbstferien statt. In der ersten Woche trainieren die Fünft- und Sechstklässlerinnen, in der letzten Woche die Oberstufenschülerinnen. Sie besuchen die Kurse täglich während drei bis fünf Stunden. «Letztes Jahr hatten wir mehr Anmeldungen», sagt Stephanie Schenker vom Jugendsekretariat. Aber auch mit einer kleineren Gruppe sei das Training «lässig».

«Ziel ist es, den Mädchen Mut zu geben und ihr Selbstvertrauen zu stärken», erzählt sie. Buben kamen separat auf ihre Rechnung: Für sie gab es die «Jungentage» vom 27. bis 29. September.

Mit Schulgesundheitsdienst

Die letzten beiden Kurstage verbringen die Zehn- bis Zwölfjährigen im Jugendtreff «Lolly Pop». Dort bearbeiten Stephanie Schenker und Andrea Jaquet vom Schulgesundheitsdienst mit ihnen Themen wie Körperhygiene und «Powerfrauen-Vorbilder».

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