Versteckte Fresken an der «Alten Post»

Die «Alte Post» im Weisstannental soll zu einem Museum werden. Durch eine Spendenaktion sind 1,275 Millionen Franken der nötigen 1,5 Millionen geäufnet. Während der Renovation kommt es immer wieder zu Überraschungen.

Michael Hug
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Othmar Tschirky, Stiftungsrat, deutet auf die freigelegte, zweifach übermalte ursprüngliche Freskomalerei an der «Alten Post». (Bild: Michael Hug)

Othmar Tschirky, Stiftungsrat, deutet auf die freigelegte, zweifach übermalte ursprüngliche Freskomalerei an der «Alten Post». (Bild: Michael Hug)

WEISSTANNEN. «Überraschungen sind wir schon gewohnt», sagt Agnes Schneider Wermelinger. Als sich die Präsidentin der Stiftung «Erlebnis Weisstannental» mit Mitgliedern des Stiftungsrates Anfang April daranmachte, die leerstehende «Alte Post» zu räumen, stiess sie auf so manchen historischen Fund: «Das alte Wirtshausschild zum Beispiel, darauf steht <Wirthschaft zum Alpenthal> noch mit zwei «th» geschrieben.» Auch fand man Originale von Telegrammaufträgen mit Heiratsanträgen und originalverpackte Kernseifen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Auch der Posttresor war noch da: «Dummerweise war er leer», sagt Schneider und lacht.

Vielfältige Verwendung

Die Zeitzeugen weisen auf die vielfältige Verwendung des Hauses hin. Erstellt wurde es 1772, ab 1811 war es teilweise überschneidend ein Gasthaus, eine Bäckerei, ein Lebensmittelladen und schliesslich eine Poststelle. Vor zwanzig Jahren wurde die Poststelle in der «Alten Post» geschlossen. Die Nachkommen der einstigen Posthalterin sahen keine Nutzung für das mit hohen Kosten zu sanierende Haus. Nun kaufte die 1998 gegründete Stiftung «Erlebnis Weisstannental» das 240 Jahre alte Haus. Diese Stiftung hatte schon die ehemalige Dorfsäge restauriert. Wie dieses historische Gebäude soll auch die «Alte Post» der Nachwelt erhalten bleiben.

Drei Farbfassungen

Was nun aussen am Haus gefunden wurde, freut den Stiftungsrat, macht ihm aber auch etwas Kopfzerbrechen. Schneider: «Fachleute haben die Fassade untersucht. Dabei haben sie übermalte Freskomalereien entdeckt.» In seinem Bericht schreibt der Rapperswiler Spezialist für historische Malerei, Claudio Fontana: «Es konnten drei Farbfassungen an der Fassade festgestellt werden. Die erste ist in Freskokalktechnik ausgeführt.» Diese ursprüngliche Malerei sollte soweit möglich freigelegt, restauriert und retuschiert werden, empfiehlt Fontana. Auf rund 80 000 Franken werden die Kosten dafür geschätzt. Um diese Summe erhöhe sich nun das Projektbudget, sagt Schneider: «Wir werden uns noch mehr anstrengen müssen bei der immer noch laufenden Spendenaktion!» Von den nun auf 1,580 Millionen Franken gestiegenen Projektkosten seien bereits 1,275 Millionen eingegangen, so die Stiftungspräsidentin.

Nachdem die «Alte Post» nun während des Sommers sanft renoviert wird, erfolgt im Winter die Einrichtung eines interaktiven Museums. Schneider: «Die Vision ist, dass man in der <Alten Post> Vergangenes nachempfinden und Authentisches erleben kann.» Die Eröffnung ist im Mai 2013 vorgesehen. Auch die Backstube im Parterre werde wiederhergestellt. Agnes Schneider Wermelinger: «Die Besucher können dann ein Stück Teig in den Ofen schieben, das Museum anschauen gehen und am Schluss ihr persönliches Brot mit nach Hause nehmen!»

www.museumaltepost.ch

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