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VERSCHWÖRUNGSTHEORIE: Impfgegner müssen nach Uzwil ins Kino

Der Film "Vaxxed" über die Folgen der Mumps/Masern/Röteln-Impfung ist gelinde gesagt umstritten. In der Schweiz wird er nur in zwei Kinos gezeigt. Eines davon ist das "City" in Uzwil. Der Betreiber verteidigt den Streifen.
Johannes Wey
Wer sein Kind nicht impft, gefährdet unschuldige Menschenleben, sagt Immunologe Beda Stadler. (Bild: dpa)

Wer sein Kind nicht impft, gefährdet unschuldige Menschenleben, sagt Immunologe Beda Stadler. (Bild: dpa)

Andrew Wakefield hat als Wissenschaftler keinen guten Ruf. Der Brite hatte 1998 in einem Artikel in der renommierten Medizin-Zeitschrift "The Lancet" einen Zusammenhang zwischen der Mumps/Masern/Röteln-Impfung (MMR-Impfung) und dem Auftreten von Autismus bei Kindern hergestellt. Jahre später stellten sich seine Forschungsergebnisse als Betrug heraus und der Arzt wurde mit einem Berufsverbot belegt.

Seit 2016 macht Wakefield mit einem Dokumentarfilm von sich Reden. In "Vaxxed: Die schockierende Wahrheit" vertritt er als Regisseur die Verschwörungstheorie, die US-Gesundheitsbehörde CDC vertusche den Zusammenhang von MMR-Impfungen und Autismus. Der Titel ist eine Kurzform von "vaccinated", was auf Englisch "geimpft" heisst. Der Film machte schon vor seiner Premiere von sich reden: Er wurde von Hollywood-Legende Robert De Niro an dessen Tribeca Film Festival ins Programm genommen, dann aber wieder gestrichen. Auch in Europa nahmen nur wenige Kinos den Film ins Programm auf. Viele davon machten danach - teils auf massiven öffentlichen Druck - wieder einen Rückzieher. In der Schweiz läuft "Vaxxed" seit dem 1. Juni im Uzwiler Kino City. Seit vergangenem Donnerstag ist er auch in einem Zürcher Kino zu sehen - und sonst nirgendwo in der Schweiz.

Fall im persönlichen Umfeld

Pascal Nussbaum ist Geschäftsführer im Kino City. "Ich bin absolut kein Impfgegner", hält er am Telefon gleich zu Beginn fest. Und er sei sich völlig bewusst gewesen, dass er da einen umstrittenen Film ins Programm aufnimmt. "Ich hätte den Film nicht gezeigt, wenn er sich grundsätzlich gegen das Impfen richten würde", sagt Nussbaum. Die Kritik in "Vaxxed" richte sich aber nur gegen die Mehrfachimpfung MMR und die Gesundheitsbehörde. Er will mit dem Film eine Diskussionsgrundlage bieten. Ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht, müssten Experten entscheiden: "Ich bin kein Arzt oder Wissenschaftler, sondern Kinobetreiber."

In Fachkreisen gilt die Autismus-These bei MMR-Impfungen allerdings längst als widerlegt. Nussbaum sieht das anders und verweist dabei auf Diskussionsforen im Internet. "Zudem kenne ich aus meinem persönlichen Umfeld einen Fall, wo ein Kind nach einer MMR-Impfung schwere Defizite davongetragen hat."

Der Film laufe in seinem Kino gut, auch wenn es nicht gerade ein Blockbuster sei. "Viele Gäste sind froh, dass sie überhaupt die Gelegenheit bekommen, den Film zu sehen", sagt Nussbaum. Am Mittwoch findet im Anschluss an die Vorführung zudem eine Diskussionsrunde des "Netzwerks Impfentscheid" statt. Der Verein vertritt auf seiner Webseite unter anderem die Vermutung, Ärzte, Pharmaunternehmen und Behörden wollten "die unbeliebte Konkurrenz der Homöopathie und Erfahrungsmedizin" vom "Gesundheitsmarkt" verdrängen.

Beda Stadler: "Abstruser Glaube gefährdet Menschenleben"

Immunologe Beda Stadler hat keine Freude daran, dass "Vaxxed" nun auch in der Schweiz gezeigt wird. "Ich habe gehofft, dass der Film den Weg nach Europa nicht findet." Dass er nun in Schweizer Kinos kommt sei aber auch keine Katastrophe, sofern er kritisch thematisiert werde. Der Film sei eine Verherrlichung Andrew Wakefields, "eines zurecht verurteilten Mediziners, der X-Mal betrogen hat". Er selber kenne den Film zwar nur in Ausschnitten, aber er habe sich mit Wakefield und dessen Arbeit auseinandergesetzt. "Ich wüsste nicht, wieso ich mir solchen Chabis antun sollte."

Wakefields Erfolg in gewissen Kreisen sieht Stadler als Vorläufer einer Entwicklung, die heute bereits die Politik auf höchster Ebene präge. "Solche Verschwörungstheorien machten den Weg frei, für einen US-Präsidenten der freimütig von 'alternativen Fakten' spricht." Es sei bezeichnend, dass Donald Trump Wakefield persönlich getroffen habe und die Impfgegner auch schon in Tweets unterstützte. Diese Alltäglichkeit plumper Lügen in aller Öffentlichkeit sei neu.

Abhilfe sieht Stadler nur bei einem Verbot von öffentlichen Falschaussagen, wie es heute in Bezug auf den Holocaust gelte. "Wer die Masern-Impfung diskreditiert, verbreitet einen abstrusen Glauben, der unschuldige Menschenleben gefährdet."

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