VERSCHMUTZUNG: Dorfbach färbt sich giftgrün

Zum dritten Mal seit Jahresbeginn ist Schmutz in den Andwiler Dorfbach gelangt. Nach Gülle und Milch handelte es sich dieses Mal um Farbstoff, der das Wasser kolorierte.

Noemi Heule
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Auch wenn es nicht so aussieht: Die Farbe, die den Andwiler Dorfbach am Dienstag in grün tünchte, ist für Mensch und Tier unbedenklich. (Bild: Kapo SG)

Auch wenn es nicht so aussieht: Die Farbe, die den Andwiler Dorfbach am Dienstag in grün tünchte, ist für Mensch und Tier unbedenklich. (Bild: Kapo SG)

Und plötzlich leuchtete der Andwiler Dorfbach grün, giftgrün um genau zu sein. Nein, das sollte nicht sein, waren sich Passanten am Dienstag einig und informierten den Brunnenmeister, der sofort die Grundwasserpumpen ausser Kraft setzte. Auch die Kantonspolizei und das Amt für Umwelt wurden zugeschaltet. Sie gaben Entwarnung: Die fluoreszierende Farbe ist zwar grün, aber keineswegs giftig.

Dennoch gehört sie nicht in den Dorfbach. Doch woher kam sie? Der Übeltäter war schnell ermittelt: Die Farbe mit dem klingenden Namen Fluorescein-Natrium wird eingesetzt, um Lecks zu orten, zum Beispiel an Gebäuden. So geschehen bei der Sanierung eines Flachdaches an der Dorfstrasse. Aus Unvorsichtigkeit gelangte das gefärbte Wasser anschliessend über die Entwässerung in den Dorfbach, wo es weiterhin das tat, wofür es ursprünglich vorgesehen war: Es setzte seine Alarmwirkung fort.

Weil Passanten und Brunnenmeister prompt reagierten, gelangte die Farbe nicht in die Grundwasserversorgung. «Und wenn», sagt Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli, «die Farbe ist absolut unbedenklich.» Dennoch: «Die Leute hätten ein mulmiges Gefühl, wenn plötzlich grünes Wasser aus dem Hahn käme», sagt Martin Zeller, Verwaltungsratspräsident der Wasserversorgung Andwil-Arnegg. Bis die Farbe vom Bach ins Grundwasser auf rund 20 Meter Tiefe gelangt, dauert es allerdings zwei bis vier Stunden. Zeller nimmt an, dass die Pumpen heute, nach zwei Tagen, wieder starten können. In der Zwischenzeit wurde Wasser über die regionale Versorgung zugekauft.

Der Zwischenfall kostet den Betrieb zwischen 1000 und 2000 Franken, welche laut Zeller dem Verursacher in Rechnung gestellt werden. Dieser kommt glimpflich davon: Weil kein Sachschaden entstand, wird laut Polizei von einer Anzeige abgesehen.


Braun, Blau oder doch Grün?

Es ist nicht das erste Mal, dass der Andwiler Dorfbach in diesem Jahr die Farbe änderte. Vor rund einem Monat wies er einen Blaustich auf und schäumte überdies. Damals war Milch von einem nahen Bauernhof in den Bach gelangt. Ein Tanker verlor beim Abholen Milch, diese rann über die Strasse in den Bach. Aus dem gleichen Betrieb floss im Februar Gülle aus einem Reservoir in den Dorfbach. Mehrere 100 Kubikmeter gelangten auf diese Weise ins Gewässer. Die Feuerwehr musste eine Sperre errichten.

Martin Zeller spricht von einer «zufälligen Häufung von Fällen». Dennoch befänden sich drei Grundwasserpumpen rund um den Andwiler Dorfbach auf «kritischem Gebiet». «Wir sind deshalb darauf angewiesen, dass die Bevölkerung im Falle einer Verschmutzung sofort Alarm schlägt», sagt er. Momentan ist der Dorfbach wieder klar, einem Gewitter dienstagnachts sei Dank. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», sagt Martin Zeller – oder mit einem grünen.

Grüner Helfer in Seenot

Lecks aufspüren, Schiffsbrüchige orten oder als Farbkulisse in Science-Fiction-Filmen: Der Farbstoff Fluorescein-Natrium oder auch Uranin ist im wahrsten Wortsinne eine wandelbare Substanz. Wenige Gramm davon reichen, um den unterirdischen Verlauf Gewässern nachzuweisen. Schiffsbrüchige nutzen den Stoff, um Suchtrupps im offenen Meer auf sich aufmerksam zu machen. 500 Gramm reichen aus, um eine Wasserfläche von 4000 Quadratmetern einzufärben. Auch zu Dekorationszwecken in Diskotheken wird die fluoriszierende Farbe eingesetzt, genauso als Zusatzstoff in Shampoos oder Schaumbäder. Mehr noch: Auch ganze Gewässer werden zur Dekoration eingefärbt. Bis vor Kurzem wurde der Stoff verwendet, um alljährlich an St. Patricks-Day, zu Ehren des irischen Schutzpatrons, den Chicago River in grüne Farbe zu tünchen. (nh)

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