VERNISSAGE: Skizzieren nach Noten

Der St.Galler Künstler Karl Fürer stellt im Schloss Dottenwil aus. Er zeigt Skizzen aus dem Theater, von der Tanzfläche und aus der Kunstschule. Aber eigentlich malt Fürer Töne und Klänge.

Adrian Lemmenmeier
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Karl Fürer vor seinen Skizzen im Schloss Dottenwil. (Bilder: Jil Lohse)

Karl Fürer vor seinen Skizzen im Schloss Dottenwil. (Bilder: Jil Lohse)

Adrian Lemmenmeier

adiran.lemmenmeier@tagblatt.ch

Wenn Karl Fürer seine Bilder beschreibt, könnte man meinen, er spräche von seiner Plattensammlung: «Das hier ist ziemlich jazzig. Dieses eher klassisch.» Der St. Galler Künstler, dessen Werke ab kommenden Sonntag im Schloss Dottenwil zu sehen sind, bringt Klänge auf die Leinwand. Oder auf Wände: In einem Gewerbezentrum in Winkeln etwa pinselte er bunte Kleckse auf fünf parallel liegende Querbalken, die an Notenlinien erinnern. Es sieht ein bisschen aus, als hätte er dazu Technomusik in einem viel zu schnellen Auto gehört.

Aber dieser Eindruck täuscht. Denn erstens malt Fürer vor allem Jazz und klassische Musik. Und zweitens ist er ein ruhiger, feinfühliger Beobachter, der kreativ, aber nicht schrill daherkommt. Auf seinen häufigen Reisen führt der in Wil aufgewachsene Wahlsanktgaller stets ein Skizzenheft mit, erforscht die Formen, tritt mit den Motiven in Kontakt, wie er sagt. «Das Zeichnen bringt mich den Dingen näher.»

Ein Einblick in sein Fitnessstudio

Beobachtungen und Skizzen. Es ist diese Seite von Fürers Werk, die im Schloss Dottenwil bis am 8. Oktober zu sehen ist. Skizzen aus dem Theater, dem Tanz, der Aktmalerei. Tänzerinnen in der Drehung. Posierende Männer. Nackte Frauen. «Der weibliche Körper hat einfach mehr Poesie», sagt Fürer auf die Frage, ob weibliche Kunstschaffende genauso oft nackte Frauen malten wie männliche. «Als ich noch Aktzeichnen an der St. Galler Schule für Gestaltung unterrichtete, haben sich die Schülerinnen sogar oft beklagt, wenn wir nackte Männer malten», sagt der 71-Jährige. Der männliche Körper sei dazu zu sachlich, zu klar definiert.

Beim Zeichnen aber gehe es gerade nicht um das genaue Abbild, sondern darum, den Blick zu schärfen, zu hinterfragen. «Die Bilder, die ich hier ausstelle, sind mein Übungsfeld. Mein Fitnessstudio, in dem ich für meine hauptsächliche Arbeit trainiere.» Diese Arbeit dürften viele schon gesehen haben. Etwa im St. Galler Kantonsspital, wo Fürers Tonleitern auf Acrylglas im Treppenhaus hängen. In der Mensa der städtischen Gewerbeschule, in der Kapelle St. Josefen oder an den Schallwänden beim Autobahnkreuz neben der Shopping-Arena. Das sind nur Beispiele von Bauten in der Region, die Karl Fürer künstlerisch mitgestaltet hat.

Vom Schaufenster inspiriert

Zur Kunst kam Fürer über die Werbung. Als 16-Jähriger machte er in St. Gallen eine Lehre als Koch. Doch die Schaufenster im Warenhaus Globus faszinierten ihn mehr als Gemüserüsten und Gartechniken. Schliesslich konnte er eine Lehre als Dekorationsgestalter absolvieren, besuchte die Kunstschule und kam mit verschiedenen Künstlern in Kontakt. In Wil eröffnete er sein Atelier. «Das Leben ist ein Abenteuer», sagt er. «Und die Kunst war meine Tür dazu.» Ob diese Tür gelb oder rot knarrt, kann man Karl Fürer selber fragen. An Wochenenden ist er an der Ausstellung anwesend.

Vernissage

13. August, 11 Uhr,

Schloss Dottenwil, Wittenbach