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VERNETZUNG: Remishueb wird das erste "smarte Quartier" St.Gallens

Die Remishueb ist eine Smart City im Kleinen – und die erste ihrer Art in St. Gallen. Dank einer App können die Bewohner des Quartiers diverse Informationen abrufen und austauschen. Das Projekt ist die Blaupause auf dem Weg zur grossen Smart City.
David Gadze
Im Osten der Stadt ist ein intelligentes Quartier entstanden – so intelligent, dass auch Bern nach St. Gallen schaut. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Osten der Stadt ist ein intelligentes Quartier entstanden – so intelligent, dass auch Bern nach St. Gallen schaut. (Bild: Hanspeter Schiess)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Reihenhäuschen, Vorgärten, Innenhöfe mit Spielplätzen, auf denen Kinder herumtollen. Die Überbauung in der Remishueb könnte genauso an jedem anderen Ort in der Stadt St. Gallen stehen. Doch das Quartier am östlichen Stadtrand ist anders als alle anderen. Es ist das erste der Stadt, das zu einem «smarten» Quartier ausgebaut wird. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem eingeschlagenen Weg, St. Gallen zu einer Smart City zu machen. Basis dafür ist das städtische Glasfasernetz, das den Aufbau des sogenannten Smartnets erlaubt und damit den Austausch verschiedener Informationen wie der Füllstandsanzeige von Unterflurcontainern ermöglicht.

Der Ausgangspunkt für das intelligente Quartier Remishueb war der Bau der Überbauung Sturzenegg unterhalb des Gübsensees. In den drei Mehrfamilienhäusern, die nach Minergie-A-Standard erstellt worden und mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet sind, hat die Stadt diverse Technologien verbaut, die für sich allein nicht bahnbrechend, aber in der Kombination und durch die Anwendung der Bewohnerinnen und Bewohner sehr innovativ sind. So können diese beispielsweise über eine eigens entwickelte App ihren Strom- oder Wasserverbrauch überprüfen, Benachrichtigungen zum Geschehen im Quartier erhalten oder sich untereinander austauschen (siehe Zweittext). «Unsere Herausforderung war, etwas Ähnliches in einer bestehenden Überbauung zu realisieren», sagt Marco Huwiler, Leiter Innovation bei den St. Galler Stadtwerken. Denn klar ist: Auf dem Weg zur Smart City dürfen neue Technologien nicht vor älteren Gebäuden haltmachen.

Gemeinsam mit der Quartierbevölkerung

Dass die Wahl für ein solches Pilotprojekt auf die Remishueb fiel, sei letztlich Zufall gewesen, sagt Huwiler. Weil im südlichen Teil der Überbauung (zwischen der Zilstrasse und der Remishuebstrasse) die zentrale Heizung ihr Lebensende erreicht hatte, brauchte es Ersatz. Die fünf Genossenschaften, denen die Liegenschaften gehören, suchten zusammen mit den St. Galler Stadtwerken nach einer Lösung. «So entstand die Idee für eine Smart-City-Lösung im Kleinen», sagt Huwiler. Durch die Umgebung mit der Klinik Stephanshorn und dem Oberstufenzentrum Zil herrsche dort ausserdem «eine ideale Kombination aus Wohnen, Gewerbe, Bildung, Gesundheit, Naherholungsgebiet und öffentlichem Verkehr.»

Die Strom- und Wärmeversorgung läuft inzwischen über ein Blockheizkraftwerk und über die vor einigen Jahren installierte Fotovoltaikanlage. Künftig könnte ein Quartier-Batteriespeicher für die erzeugte Energie dazukommen – eine aus Sicht der Verantwortlichen zukunftsträchtige Lösung. Ähnlich wie in der Sturzenegg können die Quartierbewohner dank der Ende Februar lancierten Remishueb-App auf verschiedene Dienste zurückgreifen. Sie waren von Anfang an in die Planung eingebunden. In vier Workshops zwischen September 2016 und Februar dieses Jahres entwickelte die Stadt zusammen mit den Anwohnerinnen und Anwohnern einen ganzen Massnahmenkatalog, der auf den Bedürfnissen des Quartiers basierte. Dazu gehören etwa: ein Transportvelo, das man über die App reservieren kann, Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder zwei smarte Briefkästen der Post, die mit Bildschirmen ausgestattet sind.

Das Ziel ist ein 2000-Watt-Areal

Von Anfang an waren auch die Dienststellen Gesellschaftsfragen, Stadtplanung, Tiefbauamt sowie Umwelt und Energie am Prozess beteiligt. «Eine Smart City funktioniert nur als Kombination aus Technologie und Gesellschaft», sagt Huwiler. Oder anders formuliert: Es braucht sowohl die Vernetzung der technologischen Möglichkeiten als auch die Nutzung durch die Anwohner. Entstanden ist auch eine Vision, wie die Remishueb in 20 Jahren aussehen könnte, gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Tatsache, dass viele ältere Leute im Quartier wohnen. Darauf wollen die Entwickler mit technischen Hilfsmitteln reagieren, zum Beispiel mit Anwendungen, die es erlauben, Dienste der nahe gelegenen Klinik in Anspruch zu nehmen.

Das Projekt in der Remishueb ist quasi die Blaupause für weitere Quartiere oder grössere Überbauungen in der Stadt, die in den kommenden Jahren ebenfalls «smart» werden sollen. So prüfen die Stadtwerke derzeit eine ähnliche Lösung für die Notkersegg. Die Remishueb soll aber noch mehr sein: «Wir arbeiten darauf hin, dort ein 2000-Watt-Areal zu realisieren», sagt Huwiler. Für die Ostschweiz wäre es ein Pionierprojekt. Entsprechend neugierig blickt auch das Bundesamt für Energie inzwischen an den östlichen Stadtrand St. Gallens.

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