Vermittler englischer Sprache

Rudolf Arthur Lutz hat englische Kultur nicht nur doziert, sondern auch ausgestrahlt. In der zweiten Adventswoche ist er in St. Gallen gestorben.
Josef Osterwalder

Als Rudolf Lutz 1957 als Hauptlehrer für Englisch und Deutsch an die Kantonsschule kam, hatte die englische Sprache bereits das Gymnasium erobert. Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler wählte nebst dem Latein nicht mehr den klassischen Lehrgang mit Griechisch, sondern Englisch.

Rudolf Lutz nutzte diese Lernbereitschaft auf seine besondere Art. Er führte seine Klassen nicht nur in die Sprache, sondern auch in englische Lebensgewohnheiten ein. Damals bereits mit Lehrbüchern, in denen kein einziges deutsches Wort stand.

Kompetenz und Humor

Dass ihn seine Schüler als «kompetent, konsequent und herzlich» erlebten, verdankt sich zwei methodischen Mitteln, die den Unterricht zum Erlebnis machten. Rudolf Lutz sang mit seinen Klassen oft englische Lieder, was den Wortschatz auf spielerische Weise erweiterte. Zudem streute er auch immer wieder einen Appenzellerwitz in die Lektionen ein, erzählt im ausgeprägten Kurzenberger Dialekt des Appenzeller Vorderlandes.

Zelg, Zürich, St. Gallen

Rudolf Arthur Lutz kam am 13. Januar 1921 als Sohn einer Seidenweberfamilie zur Welt. In Zelg, in der Gemeinde Wolfhalden, wuchs er in einfachen, meist unbeschwerten Verhältnissen auf, wie es in einem Nachruf seiner Familie heisst. Trotz der schwierigen Verhältnisse jener Zeit konnte er das Gymnasium in Trogen und später das Studium in englischer und deutscher Sprache in Zürich absolvieren; dies noch während der Weltkriegszeit.

Seine Doktorarbeit verfasste er über den englischen Romantiker Samuel Taylor Coleridge, der deutsche und englische Romantik miteinander in Beziehung gebracht hatte.

Denken in weiten Zusammenhängen, das hat Rudolf Lutz ein Leben lang begleitet. Mit seiner Gattin, Ursula Buchmann, die er in der Zürcher Studienzeit kennen gelernt hatte, vertiefte er sich in die Schriften Rudolf Steiners und die Lehren der Anthroposophie. Zu dieser Weite gehörte auch die Arbeit in Holzwerkstatt und Garten. Zudem lernte er nach der Pensionierung noch Altgriechisch, und immer wieder begeisterte sich der passionierte Leser für neue Entdeckungen in der Welt der Literatur. Lesen hat ihn auch über den Tod seiner Gattin vor acht Jahren hinweggetröstet.

Genau so wichtig war es für ihn, die Beziehung zu seiner Familie zu pflegen, zu den Söhnen, Enkeln, Urenkeln.

Bis kurz vor seinem 90. Geburtstag lebte er allein in seinem Haus in Rotmonten, bis ihm eine Krankheit eine zweimonatige Leidenszeit bereitete, der er am 8. Dezember erlag.

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