«Verlust der Post ist unverzeihlich»

«Ein Dorf verabschiedet seine Post», Ausgabe vom 16. März

Guido Schildknecht Beggetswil, 9402 Mörschwil
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Der erste Brief, den ich bei der neuen Postagentur aufgab, ging ins Tirol, und es dauerte 15 Minuten, bis ich ihn abgeben konnte. Der zweite nach ­Madagaskar, 10 Minuten. Wie ich die Verkäuferin bei der Postagentur im Volg-Laden um schöne Marken bat, musste sie mich enttäuschen – sie hätten nur zwei, eine 85-Rappen- und eine 1-Franken-Marke. So musste ich mich mit einem billigen weissen Poststempel zufriedengeben. Nun erklärte ich der jedoch freundlichen Laden­tochter, wie der Brief aus ­Madagaskar, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, mit drei wunderschönen Briefmarken versehen war. Ich schäme mich für den kulturellen Verlust unseres Landes. Dann die zweite kalte Dusche, die Wartezeit vor der Ladenkasse, 15 Menschen davor. Lebens­mittelgeschäft und Postagentur, das reimt sich schlecht. Auch die Rechnung der Ladenplaner geht nicht auf, die Kunden durch den Laden zu schleusen, bis man zur Agentur kommt, Absicht? Der von der Post geforderte Ladenumbau ist eine ­unnötige Verkleinerung und wird grossmehrheitlich bedauert. Viele Mörschwiler fahren leider auswärts zu einer Post. Klimawandel? Ein unverzeihlicher Verlust in unserer wohlhabenden Gemeinde, ohne jeglichen Widerstand der Behörden. Dringend rufe ich unsere Bevölkerung auf, keine einzige Poststelle mehr in unserem Land zu schliessen. Endlich hat sich das Parlament eingeschaltet, um dem Poststellenabbau einen Riegel zu schieben, und das im Nationalrat mit 172 gegen 13 Stimmen. Schön weit haben sie es gebracht mit der Liberalisierung der Post. Mehr und mehr frage ich mich, ob in den oberen Kadern immer auch die richtigen Leute am Wirken sind. Können wir noch Hoffnung haben, dass die Post zu ihren Werten von einst zurückfindet, mit der angesehenen Posthalterfamilie im Dorf, und dass nicht mehr täglich drei Lieferwagen in unseren Weiler fahren, sondern nur noch die richtige Post. Weg von der krankmachenden Digitalisierung der Menschheit.

Guido Schildknecht Beggetswil, 9402 Mörschwil