«Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen»

STEINACH. Eines der für die Wirtschaft der Region am See einschneidendsten Ereignisse hat sich wenige Wochen vor dem Jahreswechsel ereignet. Der Unternehmer Edgar Oehler hat die Steinacher STI-Gruppe von der AFG gekauft.

Rudolf Hirtl
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Edgar Oehler Inhaber STI Surface Technologies International, Steinach. (Bild: pd)

Edgar Oehler Inhaber STI Surface Technologies International, Steinach. (Bild: pd)

Eines der für die Wirtschaft der Region am See einschneidendsten Ereignisse hat sich wenige Wochen vor dem Jahreswechsel ereignet. Der Unternehmer Edgar Oehler hat die Steinacher STI-Gruppe von der AFG gekauft. Oehler hatte die frühere Hartchrom AG zu einem erfolgreichen Unternehmen gemacht, ehe er es 2007 an die AGF verkaufte. Nun ist er als Hoffnungsträger zum weltweit tätigen Spezialisten für Oberflächen zurückgekehrt. Für die STI Group mit Hauptsitz in Steinach mit ihren Unternehmen in Deutschland, Frankreich, den USA und China sei der wichtigste Entscheid 2014, dass nach rund zwei Jahren die Unsicherheit wegen eines neuen Eigentümers endlich vom heutigen Verwaltungsrat der AFG Arbonia-Forster-Holding geregelt und entschieden wurde, sagt Oehler und führt nachdenklich an: «Das Unternehmen hat in diesen zwei Jahren sehr viel Potenzial und vor allem auch Vertrauen bei den Kunden verloren. Dieses Vertrauen zurückzugewinnen ist die Hauptaufgabe der nächsten Monate, um damit den Anfang zur ehemaligen Stärke des Unternehmens wieder zu erlangen.» Diese Restrukturierung habe am 2. Dezember 2014 in personellen und organisatorischen Bereichen ihren Anfang genommen.

Nicht auf die Politik verlassen

Nach einem Monat als neuer Eigentümer der STI Group müsse er die Bilanz der bisherigen Führung für 2014 wertfrei zur Kenntnis nehmen, die Stellschrauben aber umgehend in die richtige Richtung drehen. Und was muss die Politik tun, damit der Werkplatz Schweiz und damit auch der Standort der STI hier in der Region auch in Zukunft Bestand hat? «Aufgrund meiner Erfahrung als Geschäftsmann in sehr vielen Ländern darf ich mit Genugtuung feststellen, dass es insbesondere an den Unternehmen, deren Leitung und Kader liegt. Diese müssen proaktiv an die Arbeit gehen und dürfen sich nicht aufs Ruhekissen und auf das Ruhebett der Politik legen.»

Mit der Rückkehr von Oehler ist auch die Hoffnung der Menschen gestiegen, dass das Unternehmen weiterhin in der Region am See operieren wird. Zu Recht, wie der 72-Jährige betont. «Ich bin der Meinung, dass ich in den vergangenen rund 30 Jahren in der Region Ostschweiz und insbesondere in der Region am See und im Rheintal den Beweis abgelegt habe, Arbeitsplätze zu schaffen und nicht zu vernichten. Dazu gehört mein Entscheid, als grösster Aktionär der AFG, mit dem Verkauf an Michael Pieper den Weg für die Weiterentwicklung der AFG zu ermöglichen. Diesen Verkauf meines Aktienpaketes an den neuen Eigentümer habe ich unmissverständlich deutlich mit dem Erwerb der ganzen STI Group verbunden.»

Teamdenken schafft Grundlage

Die Tatsache, dass der Verwaltungsrat der AFG sein Angebot für den Erwerb der STI Group als das beste einstufte, habe ihn sehr angespornt, alle Möglichkeiten aus der Vergangenheit einzusetzen und die STI Group in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Dabei sei er sich bewusst, dass es keine leichte Aufgabe sei. «Meine über Jahrzehnte gemachten Erfahrungen in der Wirtschaft in sehr vielen Ländern werden hoffentlich den notwendigen Zug ermöglichen, die Erfolge und Ergebnisse in der Region am Bodensee und in der gesamten Schweiz zu verbessern», so Oehler zu den Aussichten 2015.

Er hofft, dass Mitarbeitende aller Stufen und in jeder Funktion mitziehen, denn letztlich würden direkt und indirekt einige 100 Arbeitsplätze davon abhängen. «Bremser sind beim Bobfahren notwendig, nicht aber in einem Unternehmen. Teamarbeit und Teamdenken müssen dabei Grundlagen schaffen.»

Für Oehler ist klar, dass alle, die die Möglichkeit haben, die heimische Volkswirtschaft positiv zu beeinflussen, eine Pflicht hierfür haben. «Nur so können wir für die Jugend Arbeitsplätze schaffen und für die grösser werdende Zahl von Pensionierten die Grundlagen für deren materielle Zukunft stärken.»