Verloren – aber gegen das zweitbeste Team

Vor 25 Jahren kam Rudolf Farkas in die Schweiz. Er zog bei seinem Bruder in Zug ein, der eine dreimonatige Stelle bei Landis & Gyr angetreten hatte. Rudolf wollte erst nur während dieser drei Monate in Zug bleiben. Doch dann fand er einen Job als Aushilfe im Altersheim Rotmonten in St.

Urs Voegeli
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Vor 25 Jahren kam Rudolf Farkas in die Schweiz. Er zog bei seinem Bruder in Zug ein, der eine dreimonatige Stelle bei Landis & Gyr angetreten hatte. Rudolf wollte erst nur während dieser drei Monate in Zug bleiben. Doch dann fand er einen Job als Aushilfe im Altersheim Rotmonten in St. Gallen und wurde später dort Hauswart. Seit 2002 arbeitet er als Anlageleiter in der Sporthalle Volksbad.

Rudolf Farkas wuchs in Südungarn, einen halben Kilometer vom Fluss Theiss entfernt, in der Nähe der Stadt Szeged auf. Seine Frau, ebenfalls Ungarin, lernte er an einem ungarischen Fest in Winterthur kennen. Seit zwölf Jahren wohnen sie mit zwei Kindern in Wittenbach.

Rudolf Farkas arbeitet als Kontaktperson in der Ungarischen Gemeinschaft St. Gallen und war vor zwei Jahren deren Präsident. Als einzige ungarische Vereinigung in St. Gallen und Umgebung organisiert die Gemeinschaft jährlich Anlässe wie die Fasnacht, Weihnachtsfeste und Grillparties. Einmal in der Woche spielen die Mitglieder zusammen Fussball.

Die Fussball-Europameisterschaft verfolgte die Familie Farkas gespannt: «Die Vorrunde war toll für Ungarn. Schliesslich haben wir es jahrzehntelang nicht mehr in die K.-o.-Phase einer EM oder WM geschafft. Es ist schade, dass unser Team im Achtelfinal unterlag. Allerdings hatten wir mit Belgien auch das zweitbeste Team der Fifa-Weltrangliste als Gegner!» Auch die Spiele des Schweizer Teams haben sie verfolgt und die Niederlage gegen Polen bedauert: «Sie spielten sehr gut und hätten den Viertelfinal verdient.»

Die Familie Farkas fühlt sich wohl in der Schweiz. Sie seien gut aufgenommen worden. Als Rudolf mit seiner Frau zusammengekommen war, hatte er manchmal etwas Heimweh. «Wir überlegten, ob wir nach Ungarn zurückzukehren sollten. Heute ist das aber kein Thema mehr.» Die Kinder gehen in Wittenbach zur Schule. Der Arbeitsweg des Vaters ist weniger als fünf Kilometer weit. Trotzdem vergisst Rudolf Farkas seine Herkunft nicht: «Die Wurzeln bleiben bestehen. Und zu Hause wird ungarisch gesprochen, allein schon weil die Grosseltern kein Deutsch können.»

Rudolf Farkas, 46 Anlageleiter Sporthalle Volksbad (Bild: Urs Voegeli)

Rudolf Farkas, 46 Anlageleiter Sporthalle Volksbad (Bild: Urs Voegeli)

Bild: Urs Voegeli

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