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VERKLEIDUNG: In St.Gallen gehen dieses Jahre vor allem die Vampire an die Fasnacht

Kostüme sind von der Fasnacht, die am Donnerstag wieder startet, nicht wegzudenken. Besonders am Umzug und an Kostümpartys ist die Vielfalt an Verkleidungen gross. Ein Kostüm ist dieses Jahr besonders beliebt. Und das hat einen Grund.
Luca Ghiselli
Die Lust, sich zu verkleiden: Kinder des Grossacker-Schulhauses ziehen an der Fasnacht 2017 als Schneemänner und Schneefrauen durchs Quartier. (Bild: (Urs Bucher))

Die Lust, sich zu verkleiden: Kinder des Grossacker-Schulhauses ziehen an der Fasnacht 2017 als Schneemänner und Schneefrauen durchs Quartier. (Bild: (Urs Bucher))

Sie gehören zur Fasnacht wie Guggen, Schnitzelbänkler oder Konfetti. Und doch sind sie auf der Gasse, vor allem abends, nur selten anzutreffen: kreative und witzige Verkleidungen. Am Donnerstag startet die St. Galler Fasnacht. Hier scheinen die Fasnächtler aber eher zurückhaltend, wenn es um die Kostümierung geht. Vor allem an der Gassenfasnacht ist die Kostümierung in St.Gallen eher spärlich. Geht man in der närrischen Zeit abends durch die Stadt, trifft man nur auf wenige Kostümierte, in der Fasnachtsbeiz im Waaghaus zeigt sich ein ähnliches Bild.

Ausnahmen sind der grosse Umzug am Fasnachtssonntag, an den nicht nur viele Kinder, sondern auch Erwachsene kostümiert kommen. Und diverse Bälle und Kostümpartys wie der Ohrenball, der Ball im Adlersaal in St.Georgen oder der Vampirball, der dieses Jahr erstmals in der Stadt veranstaltet wird.

Vampire haben Hochsaison

Verkleiden sich die St.Galler Fasnächtler etwa nicht gern? Für Kostümverleihe ist während der Fasnacht Hochsaison. Agnes Faisst, Geschäftsführerin von Kostümverleih Jäger, sagt: «Die St.Gallerinnen und St.Galler verkleiden sich. Man muss sie aber dazu animieren.» So sei es je nach Lokal, Motto und Programm verschieden, was beim Kostümverleih besonders nachgefragt werde. «Freie Maskenbälle gibt es in der Stadt nur noch wenige.» So seien dieses Jahr Vampirkostüme besonders beliebt, weil ein Ball mit entsprechendem Motto stattfinde.

Auch für den Kostümverleih Jäger ist die Fasnacht Hochsaison. Generell könne man festhalten, dass sich junge Fasnächtler häufiger und lieber verkleiden als ältere. «Für die Jungen hat es an der St.Galler Fasnacht aber weniger Anlässe», sagt Agnes Faisst. Deshalb sei es eine Überlegung wert, in Zukunft da etwas nachzuhelfen. Kostüm Jäger spezialisiere sich auf «hochwertige Fasnachtskostüme», sagt Faisst. Und diese erfreuten sich einer nach wie vor hohen Nachfrage. «So kleiden wir zum Beispiel jedes Jahr die Gäste der Ehren-Födlebürger (Föbüs) ein.»

Schon früh zum Maskieren motivieren

Für Pius Jud, Schulleiter, Primarlehrer und Umzugs-Verantwortlicher der St.Galler Fasnachtsgesellschaft, ist das Maskieren eine Herzensangelegenheit. Seit Jahren nimmt er mit seinen Klassen selbst am Umzug teil – und bastelt die Masken und Kostüme dafür gleich gemeinsam mit den Kindern im Werkunterricht. «Eine Maske selber herzustellen, ist Ausdruck von Kreativität.» Seine Klasse gehe gerne an den Umzug – und habe auch Freude an der selbst gemachten Verkleidung.

«Dieses Jahr nehmen aber nur noch zwei Schulklassen am grossen Umzug teil», bedauert Jud. Ob Klassen kämen, hänge meist von einzelnen Schulen und Lehrern ab. Doch in der Schule sei viel los, die Herausforderungen an die Lehrkräften gross, und der Zusatzaufwand für die Fasnacht beträchtlich. «Wenn der Klassenlehrer kein Fasnächtler ist, dann macht er bestimmt auch nicht mit.» Am Sonntag zieht Pius Jud mit seinen Schülerinnen und Schülern übrignes als Aliens durch die St.Galler Innenstadt.

Die Stadt ist kein einfaches Pflaster

Doch St.Gallen ist gemäss Pius Jud verglichen mit anderen, ländlicheren Gemeinden in der Umgebung oder grossen katholisch geprägten Städten wie Luzern oder Basel kein einfaches Pflaster für die Fasnacht. Gehe man zum Beispiel nach Lenggenwil, sehe man hauptsächlich Junge an Ball und Umzug. «Und alle sind verkleidet.» Das liege einerseits daran, dass dort die Fasnacht aus der Landjugend oder aus Jungwacht-Blauring gewachsen sei.

Die Stadt St.Gallen anderseits sei «historisch gesehen keine Fasnachtsstadt», sagt Pius Jud. Deshalb bleibe das Ziel, die fünf Fasnachtstage beizubehalten und möglichst viele junge Narren in die Beiz, zu den Schnitzelbänken und an den Umzug zu locken. Erreichen will die Fasnachtsgesellschaft dies nicht zuletzt mit Hilfe von Änderungen wie dem neuen, blinkenden Fasnachts-Pin oder dem Gratis-Kinderschminken bei der Parfümerie Baettig in der Multergasse.

Ab Donnerstag sind die Narren los

Die Stadt St.Gallen ist keine traditionelle Hochburg der Fasnacht. Dafür ist das Programm vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch inzwischen aber doch ziemlich reichhaltig. Am Donnerstagmorgen wurde beim Vadian-Denkmal angeguggt.

Das Programm der Stadtsanktgaller Fasnacht ruht auf mehreren, inzwischen bewährten Säulen. Entstanden sind die einzelnen Anlässe, die das Gesamtprogramm ausmachen, nach und nach zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren. Wobei man wissen muss, dass das närrische Treiben die St.Gallerinnen und St.Gallen in zwei etwa gleich grosse Lager spaltet: Da sind jene, die überall mittun müssen, wo Konfetti fliegen und die Guggen tschätteren. Und dort sind die anderen, die ob des fasnächtlichen Treibens am liebsten aus der Stadt flüchten würden.

Frühmorgendlicher Auftakt mit den Guggen
Auftakt zur städtischen Fasnacht ist am Schmutzigen Donnerstag das Anguggen beim Vadian-Denkmal. Am Abend dann sind Guggen, Schnitzelbänkler sowie Schlachtenbummler mit und mehrheitlich ohne Maske im Stadtzentrum unterwegs. Am Freitag, ab 18 Uhr, wartet das Fasnachtsfest «Dampf im Kessel» in der Lokremise auf sein Publikum. Dort tritt in einer Art Galavorstellung alles auf, was an der St.Galler Fasnacht Rang und Namen hat.
Tagsüber gehört der Fasnachtssamstag den Kindern in den Quartieren. Am Abend dann erreicht das Narrentreiben einen Höhepunkt: Beim Föbü-Verschuss um 20 Uhr beim Vadian-Denkmal kommt jemand, der im vergangenen Jahr speziell Zivilcourage gezeigt oder sich für die Allgemeinheit engagiert hat zu Fasnachtsehren. Er wird zum Ehren-Födlebürger (Föbü) oder – wenn es eine Sie ist wie in diesem Jahr – zur Ehren-Födlebür­gerin (Föbine), indem man ihm oder ihr den letzten Rest Spiessertum mit einer gepfefferten Ladung Konfetti austreibt.

Für die meisten ist am Sonntagabend Schluss
Am Sonntag, ab 14 Uhr, zieht als Schlusspunkt für die meisten Städterinnen und Städter der grosse Fasnachtsumzug durchs St.Galler Stadtzentrum. In diesem Jahr nehmen daran wieder über 1200 Personen aktiv teil. 17 Wagen, 19 Guggen, 372 Kinder und fast 900 Erwachsenen werden auf der traditionellen Route vom Güterbahnhof über die Vadian­strasse via Multergasse, Bärenplatz und Marktgasse zum Bohl unterwegs sein. (vre)

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