Verkehrsregeln gelten für alle, aber…

Nachgefragt: «Die Verkehrsregeln gelten für alle» Ausgabe vom 16. Juni 2016

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Klar, auch Velofahrerinnen und Velofahrer müssen sich an die Verkehrsregeln halten. Wenn bei einer Schwerpunktkontrolle in einer Stunde aber 24 Bussen gegen Velofahrer ausgesprochen werden, dann müssen sich die städtischen Verkehrsplaner – und auch die Polizei – ernsthaft fragen, wo der Hebel wirklich angesetzt werden müsste.

Gemäss einer Studie werden in St. Gallen nur drei Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, in Kopenhagen sind es aber 36 Prozent. In der dänischen Hauptstadt sind das mehr als mit dem motorisierten Individualverkehr. Wer einmal in Kopenhagen war, weiss warum: Im Gegensatz zu den dortigen Verhältnissen sind unsere Stadtsanktgaller Velorouten schlichtweg katastrophal, unsicher und voller Schikanen. Selbst neue Verkehrsführungen sind oft völlig ungenügend auf einen sicheren und flüssigen Veloverkehr ausgerichtet. Der Auftrag für Verbesserungen liegt aber vor: Die Bevölkerung hat vor ein paar Jahren die Städte-Initiative – und damit das Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung – klar angenommen. Demnach darf der motorisierte Verkehr in der Stadt nicht mehr zunehmen.

Statt aus St. Gallen endlich eine wirklich velofreundliche Stadt zu machen, wird von der Stadtverwaltung und Teilen der Politik weiterhin lieber an neuen Parkhäusern und Strassenverbindungen geplant. Die Bedürfnisse des sogenannten Langsamverkehrs, der Fussgänger und Velofahrer, bleiben dabei im Alltag – etwa bei der Schaltung der Lichtsignale an Hauptachsen – auf der Strecke.

Franz Blöchlinger

Lehnstrasse 96, 9014 St. Gallen