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VERKEHRSKONTROLLEN: Kaum Bussen für Velofahrer in der Stadt St.Gallen

Der Nationalrat hat soeben diskutiert, ob aufgrund der steigenden Unfallzahlen die Bussen für Velofahrer erhöht werden müssten. In der Stadt St.Gallen werden Velofahrer selten gebüsst. Aber nicht etwa, weil sie so korrekt unterwegs sind.
Elisabeth Reisp
Die meisten Unfälle von Velofahrern sind selbst verschuldet. (Bild: Yoshiko Kusano /KEY)

Die meisten Unfälle von Velofahrern sind selbst verschuldet. (Bild: Yoshiko Kusano /KEY)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

Wer mit dem Auto über ein Rotlicht fährt, kassiert eine Busse von 250 Franken. Wer dies mit dem Velo tut, wird mit 60 Franken zu Kasse gebeten. Wer den Bussenkatalog für Fehlverhalten von Velofahrern studiert, stellt fest: Praktisch alle Übertretungen werden mit Beträgen im tiefen bis mittleren zweistelligen Bereich sanktioniert. Das sei zu tief, findet der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann und hat dazu eine Motion eingereicht. Darin fordert er eine deutliche Erhöhung der Bussen für Velofahrer. Mit den jetzigen Tarifen könne keine Wirkung erzielt werden, die Bussen täten im Portemonnaie nicht weh. In der Grossen Kammer fand diese Motion keine Mehrheit, zwei Drittel der Nationalräte sprachen sich dagegen aus.

Für die Velofahrer bleibt in der Schweiz alles beim Alten. Wer auf dem Trottoir fährt, zahlt weiterhin nur 40 Franken. Sofern er oder sie dabei erwischt wird. Und dies geschieht mindestens in St. Gallen sehr selten, obwohl täglich Velofahrer zu beobachten sind, die auf dem Trottoir fahren, ein Rotlicht missachten oder durchgezogene Linien überqueren. Gemäss Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei, stellt die Stadtpolizei zwischen 90 und 130 Bussen pro Jahr an Velofahrer, Mofafahrer und E-Bike-Lenker aus.

Velofahrer zu büssen ist schwieriger

Für die Stadtpolizei sei das Büssen von Velofahrern sehr schwierig, erklärt Widmer. «Zum einen, weil sie im Gegensatz zu motorisierten Fahrzeugen aller Art kein Nummernschild haben.» Man könne die fehlbaren Lenker also nur an Ort und Stelle büssen. Zum andern seien Velofahrer auch sehr viel wendiger und können schnell in Seitengässchen oder Einbahnstrassen verschwinden. Zudem seien Kontrollen bei Velofahrern meist aufwendiger und personalintensiver, als beispielsweise bei Autofahrern, sagt Widmer. Dennoch führe die Stadtpolizei immer wieder gezielte Kontrollen an gefährlichen Stellen durch.

Ein Grund, weshalb die Motionäre die Bussen für die Velofahrer schweizweit erhöhen wollten, sind Unfallzahlen. Die Zahl der Velounfälle nimmt stetig zu. Zudem sind gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung 80 bis 90 Prozent aller Unfälle, in denen Velofahrer involviert seien, von Velofahrern selbst verschuldet. In St. Gallen nimmt die Zahl der Verkehrsunfälle zwar generell ab. Die Zahl der Verletzten hat im Vergleich zum Vorjahr aber deutlich zugenommen (Ausgabe vom 14. März). Ein Grund dafür sei die Zunahme von E-Bikes, erklärte Philipp Sennhauser, zuständige für Verkehrssicherheit der Stadtpolizei, in einer früheren Berichterstattung. Velofahrer sind aber nicht nur eine Gefahr für sich selber, mit Missachten von Rotsignalen und Fahren auf dem Trottoir gefährden sie die noch schwächeren Verkehrsteilnehmer: die Fussgänger.

Fahren auf dem Trottoir ist verboten

Müsste man die Bussen erhöhen, um mehr Sicherheit im Verkehr zu gewinnen? «Nein», sagt Daniel Rüttimann vom Verein Fussverkehr St. Gallen. Er beobachte zwar selber immer wieder Übertretungen von Velofahrern. Die Ursache dafür sei aber oft eine mangelnde oder mangelhafte Infrastruktur. So würden Velofahrer meist dann auf dem Trottoir fahren, wenn es keine Velospur gebe, oder diese, aus welchen Gründen auch immer, nicht befahrbar sei. Doch Rüttimann stellt klar: «Fahren auf dem Trottoir ist trotzdem verboten und kann für die Fussgänger sehr unangenehm sein.»

Das Thema Bussenerhöhung für Velofahrer ist zumindest für den Moment vom Tisch. Für Rüttimann wäre diese Massnahme aber sowieso nicht der richtige Weg gewesen. «Zielführender ist es, für Velofahrer eine gute Infrastruktur zu schaffen.»

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