Verkehrsinfarkt droht

Neulich skizzierte Bundesrätin Leuthard mit dem «Raumkonzept Schweiz» der Öffentlichkeit ihre Ideen über die künftige räumliche Entwicklung der Schweiz bis hin zur Verkehrs- und Siedlungsentwicklung. Unverbaute Landschaften sollen der Bevölkerung als Naherholungsgebiete dienen.

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Neulich skizzierte Bundesrätin Leuthard mit dem «Raumkonzept Schweiz» der Öffentlichkeit ihre Ideen über die künftige räumliche Entwicklung der Schweiz bis hin zur Verkehrs- und Siedlungsentwicklung. Unverbaute Landschaften sollen der Bevölkerung als Naherholungsgebiete dienen. Die Erneuerung bestehender Siedlungen soll verhindern, dass knappes unverbautes Land verbaut wird. Nur vom öffentlichen Verkehr gut erschlossene Orte sollen noch neu besiedelt werden dürfen. Mit diesen visionären Vorschlägen können die grossen Probleme schweizerischer Raumplanung nachhaltig angegangen werden.

Die mit dem neuen Richtplan der Stadt St. Gallen vorgesehene Einzonung des Waltramsbergs kann wohl nicht diametraler zum bundesrätlichen Raumkonzept stehen. Hätte man dieses genau studiert, wäre das Gebiet unterhalb von Peter und Paul mit Sicherheit nicht in den Richtplan aufgenommen worden.

Denn nicht einmal die Anbindung des Waltramsbergs ans öffentliche Verkehrssystem ist gewährleistet. Das gesamte Gebiet der oberen Kirchlistrasse ist durch den öffentlichen Verkehr nicht erschlossen und wird dies auch künftig nicht sein können. Dies hätte bei einer Überbauung des Waltramsbergs zur Folge, dass der motorisierte Individualverkehr auf der Kirchlistrasse mehr als verdoppelt würde. Diese Zunahme sprengt die Kapazitäten der Kirchlistrasse bei weitem. Der Verkehrsinfarkt ist durch die Einzonung des Waltramsbergs somit mehr als programmiert.

Der Waltramsberg muss der Stadtbevölkerung und erst recht unseren Nachkommen erhalten bleiben. Auch unseren Kindern soll die prächtige Aussicht auf Stadt und Alpstein vom Waltramsberg aus noch möglich sein. Deswegen muss die Interessenabwägung zugunsten des vielbeschworenen Grünen Rings von St. Gallen ausfallen. Will die Stadt tatsächlich wachsen, soll dies primär durch Erneuerungen der zahlreichen baufälligen Häuser und Quartiere geschehen. Andere Städte konnten auf diese Weise städtebaulich schöne Siedlungen der Bevölkerung anbieten.

Das Stadtparlament hat in den 1970er-Jahren den Waltramsberg nicht zur Überbauung eingezont. Ich hoffe, die Stadtpolitiker sind sich bewusst, dass uns die Freude am Waltramsberg durch ihre Vorgänger belassen wurde. Es war ein wegweisender und intelligenter Entscheid. Mögen die heutigen Parlamentarier die Weitsicht und Klugheit der Vorgänger teilen.

Patrick Stach Kirchlistrasse 60B, 9010 St. Gallen

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