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VERKEHR: Seebus Rorschach: Jede Abfahrt zählt

Ein Schlüssel legt fest, wie viel eine Gemeinde dem Kanton für den ÖV bezahlen muss. Zentral ist die Anzahl Abfahrten von Haltestellen. Das ist ein Grund, weshalb Goldach keinen Seebus nach Tübach will.
Martin Rechsteiner
Jeder Thurbo, der aus dem Bahnhof Rorschach rollt, kostet die Stadt etwa 2.40 Franken. (Bild: Rebecca Frei)

Jeder Thurbo, der aus dem Bahnhof Rorschach rollt, kostet die Stadt etwa 2.40 Franken. (Bild: Rebecca Frei)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@tagblatt.ch

Die blau-weissen Seebusse verkehren seit bald zehn Jahren in Rorschach, Rorschacherberg und Goldach. Bis 2020 wird der Kanton ein neues Konzept für die drei Linien 251, 252 und 253 erarbeiten. Fahrpläne, Strecken und Haltestellen werden sich verändern. Der Grund: Wirtschaftlichkeit. Die Linie 251 ist derzeit besonders unrentabel, wie aus einem Dokument des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr hervorgeht. Unter dem Strich erachtet der Kanton die Einnahmen und Fahrgastzahlen beim Seebus gesamtheitlich als unzureichend.

Die Gemeindepräsidenten der betroffenen Orte Goldach, Rorschach und Rorschacherberg begrüssen es, dass der Kanton handeln will (Ausgabe vom 27. April). Allerdings hat sich noch eine weitere Gemeinde ins Spiel gebracht: Da Tübach 2013 seinen Postauto-Anschluss nach Goldach und Rorschach verloren hat, hofft Gemeindepräsident Michael Götte auf eine Seebus-Verbindung im neuen Konzept. Damit stösst er aber bei seinen Kollegen im Osten auf Skepsis. Eine Erweiterung der Linie auf Tübach komme für Goldach nur in Frage, wenn ihre Nachbarn die entstehenden Mehrkosten selbst bezahlen würden, sagte Gemeindepräsident Dominik Gemperli. Auch Stadtpräsident Thomas Müller befürchtete Mehrkosten und reagierte eher zurückhaltend auf die Idee, eine Seebus-Linie bis nach Tübach zu führen.

Postauto kostet 80 Rappen

Es stellt sich die Frage, wie der Seebus von den Gemeinden überhaupt finanziert wird. Um es vorwegzunehmen: Es ist kompliziert. Genaue Zahlen, wer wie viel zahlt, gibt es keine. Die Gemeinden im Kanton St. Gallen entrichten alle einen bestimmten Betrag in einen ÖV-Pool, wie Patrick Ruggli, Leiter des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr, erklärt. Je besser erschlossen eine Gemeinde oder Stadt ist und je grösser sie ist, desto mehr zahlt sie. Die einzelnen Anteile richten sich nach der Einwohnerzahl der politischen Gemeinde sowie durch ihre Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. Die Erschliessung bemisst der Kanton nach der Zahl der fahrplanmässigen Abfahrten auf dem Gemeindegebiet. Gemeinden bezahlen also für jedes öffentliche Verkehrsmittel, das eine Haltestelle auf ihrem Gemeindegebiet bedient, einen Betrag. So kostet jedes Postauto, das in Rorschacherberg von einer Haltestelle losfährt, die Gemeinde etwa 80 Rappen. Ein Kursschiff, das vom Hafen in Rorschach ablegt, schlägt mit etwa 1.20 Franken zu Buche. So viel kostet auch eine Seebus-Abfahrt. Eine S-Bahn, die den Bahnhof Goldach verlässt, kostet die Gemeinde etwa 2.40 Franken, ein Regio-Express, der aus Rorschach abfährt, die Stadt rund 3.20 Franken. Profitiert eine Gemeinde von einer Haltestelle auf dem Boden einer Nachbarin, bezahlt sie zudem einen Anteil daran. So wird zum Beispiel ein Teil der Abfahrten aus dem Bahnhof Rorschach Stadt der Gemeinde Rorschacherberg belastet.

Die Stadt Rorschach entrichtete dem Kanton vergangenes Jahr 1,247 Millionen Franken für den ÖV. Aus Goldach kamen 792705 Franken und aus Rorschacherberg 996000 Franken.

Alle zahlen für alle

Tübach bezahlte 102000 Franken. Diese Einnahmen aus dem Gemeinden-Pool decken fast ein Drittel der kantonalen ÖV-Kosten. Ein weiteres Drittel steuert der Kanton bei, der Rest kommt vom Bund. Das alles bedeutet: Die Gemeinden bezahlen stets für das ganze ÖV-System im Kanton – Linien auf ihrem Gemeindegebiet kosten sie nur indirekt und über die Abfahrten an ihren Haltestellen etwas.

Fährt der Seebus ab 2020 also eine Schlaufe von Goldach über Tübach, müssten die Goldacher die Abfahrten an jenen Haltestellen der Schlaufe bezahlen, die auf ihrem Gemeindegebiet liegen. Fährt der Bus während 18 Stunden am Tag halbstündlich, kostet eine Haltestelle jährlich etwa 15000 Franken. Hinzu kommen allfällige Kosten für den Bau und Unterhalt von Bus-Infrastruktur wie Haltestellen oder Tafeln und Signale. Das wären relativ hohe Kosten für eine Linie, die für die Goldacher, wie Dominik Gemperli sagt, nicht sehr zentral ist. Über die Forderung Gemperlis, Tübach müsse deshalb für sämtliche Mehrkosten einer Extra-Schlaufe aufkommen, sagt Amtsleiter Patrick Ruggli: «Es ist möglich, dass Gemeinden Anteile Anderer übernehmen. Dazu braucht es eine Vereinbarung zwischen ihnen. Der Kanton übernimmt dann diese Abmachung in seine Berechnungen.»

Dass ein solches Übereinkommen zwischen Goldach und Tübach entsteht, wäre denkbar. Michael Götte hat vor zwei Wochen jedenfalls erklärt, Tübach sei dazu bereit, «einen überproportionalen Betrag für einen Seebus-Anschluss» zu leisten.

Stimmbürger und Sparpakete

Kosten «Der öffentliche Verkehr wird für uns jedes Jahr teurer», sagt der Goldacher Gemeindeschreiber Richard Falk. So seien für den kantonalen Pool dieses Jahr 852000 Franken veranschlagt – zwei Prozent des Gemeindebudgets. «Nicht, dass das Goldach in eine schwierige Lage bringt. Aber die Kosten sind in den vergangenen Jahren merklich gestiegen.» Zum Vergleich: 2011 habe die Gemeinde noch 346880 Franken für ÖV an den Kanton bezahlt. «Dass die Kosten gestiegen sind, hat mit der Einführung der S-Bahn mit höherem Takt sowie mit weiteren Angebotsverdichtungen bei den Bussen im Kanton zu tun. Das war ein Entscheid des St. Galler Stimmvolks», sagt Patrick Ruggli, Leiter des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr. Dazu kam eine Gesetzesänderung, welche die Gemeinden zu einer höheren Beteiligung an den kantonalen ÖV-Kosten verpflichtet. Sie ist Teil eines der Sparpakete des Kantonsrats. (mre)

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