Verkehr ist nicht gleich Verkehr

Zum geplanten Autobahnanschluss auf dem Güterbahnhof-Areal diskutierten Gegner und Befürworter am Donnerstag auf Einladung der CVP. Welcher Verkehr genau das Problem sei, blieb eine offene Frage.

Roger Berhalter
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Ja oder Nein zur Güterbahnhof-Initiative? Am GBS im Riethüsli diskutierten Bettina Surber (Kantonsrätin SP), Basil Oberholzer (Stadtparlamentarier Junge Grüne), Moderator Michael Hugentobler, Thomas Meyer (Stadtparlamentarier CVP) und Walter Locher (Kantonsrat FDP). (Bild: Michel Canonica)

Ja oder Nein zur Güterbahnhof-Initiative? Am GBS im Riethüsli diskutierten Bettina Surber (Kantonsrätin SP), Basil Oberholzer (Stadtparlamentarier Junge Grüne), Moderator Michael Hugentobler, Thomas Meyer (Stadtparlamentarier CVP) und Walter Locher (Kantonsrat FDP). (Bild: Michel Canonica)

Es war die dritte Podiumsdiskussion zur Güterbahnhof-Initiative in derselben Woche. Erwartungsgemäss waren am Podium der CVP der Stadt St. Gallen im GBS Riethüsli nicht (mehr) viele neuen Argumente zu hören. Doch die Diskussion zeigte einmal mehr, wie grundverschieden die Ansichten zum Autobahnanschluss auf dem Güterbahnhof-Areal sind. Und allein um diesen Anschluss geht es in der Abstimmung vom 28. Februar, das stellte Moderator Michael Hugentobler, Präsident der städtischen CVP, in seiner Einführung noch einmal klar: «Sagt man Ja zur Güterbahnhof-Initiative, dann stimmt man dafür, dass sich der Stadtrat gegen einen Autobahnanschluss auf dem Güterbahnhof einsetzt.»

Berufs- versus Freizeitverkehr

Auf der Befürworter-Seite diskutierten SP-Kantonsrätin Bettina Surber und Basil Oberholzer, Stadtparlamentarier der Jungen Grünen. Als Vertreter der Gegner waren CVP-Stadtparlamentarier Thomas Meyer sowie Walter Locher vor Ort, FDP-Kantonsrat und Präsident des Komitees «Nein zur Staustadt St. Gallen».

Einig war man sich in der Feststellung, dass St. Gallen ein Verkehrsproblem habe. Uneinig war man sich aber in der Frage, welcher Verkehr das Problem sei. «Es geht um den Berufsverkehr und um den Güterverkehr. Man kann nicht alles mit der Bahn transportieren», sagte Walter Locher. «Den grössten Anteil am Verkehrskuchen hat der Freizeitverkehr», sagte hingegen Bettina Surber. Sie gab auch eine gesellschaftliche Entwicklung zu bedenken: «In den Städten und Agglomerationen haben viele Junge gar keinen Führerausweis mehr.» Dies sei bei den Verkehrsprognosen zu wenig berücksichtigt, deshalb zweifle sie an diesen Berechnungen.

Basil Oberholzer brachte die Raumplanung ins Spiel: «Sie hat den grössten Einfluss. Je verstreuter man siedelt, desto mehr Verkehr entsteht.» Vor diesem Hintergrund müsse man auch das Güterbahnhof-Areal als mögliches zentrales Wohn- und Arbeitsquartier sehen.

Vom Zentrum abgeschnitten

Als sich die Diskussion um die Entwicklung des Güterbahnhofs drehte, sagte Walter Locher: «Es geht in der Abstimmung um eine verkehrspolitische Frage, nicht um Stadtplanung.» Die dritte Autobahnröhre durch den Rosenberg verbunden mit einem Tunnel – der so genannten Teilspange – bis hinauf zur Liebegg biete aber eine gute Ausgangslage für die Entwicklung: «Der Verkehr unter dem Boden, die Nutzung über dem Boden, das ist eine gute Lösung. So bleibt praktisch das ganze Areal überbaubar.» Bettina Surber äusserte aber Bedenken zum Autobahnanschluss bei der Geltenwilenstrasse: «Dieser Anschluss würde das Areal von der Innenstadt abschneiden.» Die Sicht der Quartiere wurde in der Diskussion nur gestreift. Erst danach machte ein langjähriger Quartierbewohner seinem Ärger in einem Votum Luft: «Für den Güterbahnhof setzen Sie sich ein, fürs Riethüsli aber nicht. Wir sind durch die Teufener Strasse seit zig Jahren entzweigeschnitten!»

Aus Sicht von Thomas Meyer nützt die Teilspange den Quartieren aber auf jeden Fall, das zeige nur schon die Tatsache, dass alle betroffenen Quartiervereine gegen die Initiative – also für den Autobahnanschluss – seien. Meyer blickte zurück und voraus: «Wir konnten von der Stadtautobahn jetzt 30 Jahre lang profitieren. Jetzt müssen wir auf Kurs bleiben und für künftige Generationen planen.»

Auch die Busse stehen im Stau

Wenn der Individualverkehr fliesst, dann kommen auch Busse und Postautos voran – dieser Zusammenhang wurde in der Diskussion oft betont. «Es geht nicht darum, den öffentlichen gegen den Individualverkehr auszuspielen», sagte Locher. Oberholzer verwies auf das städtische Mobilitätskonzept. Darin seien viele Massnahmen enthalten, um die Leute zum Umsteigen auf den öV zu bewegen. Ein neuer Autobahnanschluss komme nicht in Frage: «Vor dem Hintergrund der jüngsten Klimakonferenz liegt eine solche Kapazitätserhöhung nicht mehr drin.»

Bild: ROGER BERHALTER

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