Verein kämpft gegen Villazerfall

ST.GALLEN. Für die Villa Wiesental setzt sich seit kurzem ein Verein ein. «Pro Villa Wiesental» möchte verhindern, dass der einstige Prunkbau abgebrochen wird. Mit einer Petition soll auf die Stadt und Besitzerin Swisscanto Druck ausgeübt werden.

Tobias Hänni
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Ein Verein möchte sie retten: Die Villa Wiesental neben dem Geschäftshaus St. Leonhard. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Verein möchte sie retten: Die Villa Wiesental neben dem Geschäftshaus St. Leonhard. (Bild: Ralph Ribi)

Die Villa Wiesental an der Rosenbergstrasse ist in einem schlechten Zustand. Kritiker werfen der Besitzerin Swisscanto vor, sie lasse das Haus absichtlich zerfallen bis es nur noch abgebrochen werden könne. Um dann auf dem Grundstück einen Neubau zu errichten. Nachdem sich bereits die kantonale Denkmalpflege für den Erhalt der Villa stark gemacht hat (Kasten), formiert sich weiterer Widerstand gegen den Zerfall des Hauses: SP-Stadtparlamentarier Gallus Hufenus hat zusammen mit sechs Mitstreitern den Verein «Pro Villa Wiesental» gegründet (Tagblatt von gestern).

Bevölkerung mobilisieren

«Wir wollen den Zerfall der Villa stoppen und ihren Abbruch verhindern», erklärt Hufenus das Ziel von «Pro Villa Wiesental». Der 32-Jährige hat sich bereits mit einer Einfachen Anfrage an den Stadtrat für die Villa eingesetzt. Um den Druck auf die Stadt und die Kantonalbanken-Tochter Swisscanto weiter zu erhöhen, lanciert «Pro Villa Wiesental» nächstes Jahr eine Petition. «Wir wollen die St. Galler gegen den Abbruch mobilisieren», sagt Hufenus. Mit Veranstaltungen solle die Bevölkerung für den kulturellen Wert der Villa sensibilisiert werden. «Wir wollen den Leuten die Geschichte des Hauses näherbringen, seine architektonische und städtebauliche Bedeutung aufzeigen.»

Baubewilligung verhindern

Mit der Petition hofft Hufenus, die Bewilligung für den Neubau zu verhindern. Diese kann gemäss Urteil des Verwaltungsgerichts erteilt werden, wenn das Projekt im öffentlichen Interesse als wichtiger eingestuft wird als der Schutz der Villa. «Die Unterstützung der Petition durch die breite Bevölkerung wäre ein klares Zeichen, dass der Neubau nicht im öffentlichen Interesse liegt», sagt Hufenus.

Von der Stadt fordert «Pro Villa Wiesental» weiter, dass sie den Zerfall der Villa mit einfachen Massnahmen stoppt. «Beispielsweise mit einem Notdach», sagt Hufenus. Nach seiner Rechtsauffassung würden gesetzliche Grundlagen für einen solchen Eingriff bestehen. Eine umfassende Renovation sei aber nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Besitzers. «Erhält Swisscanto keine Baubewilligung, muss sie diese hoffentlich durchführen.» Werde das Gebäude nach der Instandstellung von Swisscanto etwa für Büros genutzt, sei der Verein zufrieden. «Realistischerweise stösst Swisscanto dann das Grundstück aber ab», sagt Hufenus. Für diesen Fall mache sich «Pro Villa Wiesental» auch Gedanken über eine künftige Nutzung des Gebäudes.

Breit abgestützter Verein

Laut Hufenus kommen die Gründungsmitglieder des Vereins aus verschiedenen politischen Lagern, Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. «Diese breite Abstützung ist nötig, um möglichst viele Leute mit unserem Anliegen zu erreichen», sagt Hufenus. Mitglieder sind neben Hufenus die Gastronomin und Textilkünstlerin Melanie Diem, die Stadtparlamentarierin Cécile Federer (Grüne), Cornel Dora, Präsident des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen, Andreas Alther von der Ortsbürgergemeinde sowie Regina Hanimann, ehemalige Geschäftsführerin des Heimatschutzes St. Gallen-Appenzell Innerrhoden.