Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VERDICHTUNG: Ärger, wo Häuser grösser werden

Dichter bauen ist das Gebot der Stunde. Wenn Mehrfamilienhäuser neben Einfamilienhäusern geplant sind, regt sich aber Widerstand. Am Hang der Seeregion mit schöner Aussicht gilt das besonders.
Fritz Bichsel
Verdichtetes Quartier: neues Mehrfamilienhaus zwischen Einfamilienhäusern am Sulzberg in Rorschacherberg. (Bild: Fritz Bichsel)

Verdichtetes Quartier: neues Mehrfamilienhaus zwischen Einfamilienhäusern am Sulzberg in Rorschacherberg. (Bild: Fritz Bichsel)

Fritz Bichsel

redaktionot@tagblatt.ch

16 statt 4 Geschosse: Die Rorschacher stimmten der Umzonung der Alcan-Fabrik für Wohnbauten mit vier Vollgeschossen zu. Gebaut wurden dann Hochhäuser. Solche Abweichung von Vorschriften ermöglichen Sondernutzungspläne. In diesem Fall zeigte das bereits der Name des Zonenplans: «Hochhäuser im Stadtwald». Auch in Horn war klar deklariert, dass am See zuerst Hochhäuser und dann höhere Häuser geplant waren. Hier lehnten die Bürger beides ab. Pläne für grosse Neubauten in weniger spektakulärer Form kommen hingegen für Anwohner und Bürger oft überraschend. Künftig werden noch öfter Bauten errichtet, die bestehende überragen. Was aufgrund neuer Gesetze von Bund und Kanton für dichteres Bauen möglich wird, beleuchtete der Anlass der FDP Rorschacherberg zur neuen Raumplanung.

Dass schon jetzt dichter gebaut werden kann, zeigt das Beispiel Wiggen im Osten von Rorschacherberg. Eine Überbauung beim Schlösschen soll über die bestehende Quartierstrasse erschlossen werden. Für haushälterischen Umgang mit Boden wäre das richtig. Anwohner wollen den zusätzlichen Verkehr aber nicht vor ihren Einfamilienhäusern und auf dem Schulweg. Sie fordern eine eigene Strasse zu den neuen Häusern. Zudem wundern sie sich: In der Zone für zweigeschossige Wohnbauten sind Häuser mit drei Vollgeschossen projektiert – und der Gemeindepräsident freut sich auch noch darüber. Hier soll ein Plan mit besonderen Vorschriften dichteres Bauen ermöglichen. Der Streit um die Strasse wird nun auf dem Rechtsweg ausgefochten.

Und auch in Tübach wird gestritten. Dort wehren sich Anwohner und die Gemeinde gegen eine Bauherrin, die auf dem Ruheberg in einem Quartier mit Einfamilienhäusern ein Mehrfamilienhaus errichten will. Durch Änderungen an der Ortsplanung will die Gemeinde dort Neubauten auf Zweifamilienhäuser begrenzen. Bis das gültig wird, soll eine Planungszone grössere Bauten verhindern. Das lehnte der Kanton aber ab. Die Gemeinde musste sich sagen lassen, dass sie Mehrfamilienhäuser selber ermöglichte mit dem sieben Jahre zuvor erlassenen Zonenplan. Ein solcher soll für Rechtssicherheit mindestens etwa zehn Jahre gelten. Nun zieht der Gemeinderat vor Gericht, um das grosse Haus zu verhindern.

Wenn die Gemeinde über ihre Vorschriften erschrickt

Der Fall in Tübach zeigt: Geänderte Bauvorschriften können Unerwünschtes bewirken, wenn die Gemeindebehörde die Möglichkeiten nicht bis ins Detail klärt. Das wird jetzt noch wichtiger, weil die Gemeinden den Zonenplan und das Baureglement dem neuen Planungs- und Baugesetz des Kantons anpassen müssen. Am Hang über dem See ergeben sich besondere Herausforderungen: Hier kann bereits vier- statt zweigeschossig gebaut werden – wenn das Erdgeschoss sichtbar und das Dachgeschoss ausgebaut wird. Und da kann noch mehr hinzukommen.

Sich selber überrascht hat auch die Gemeinde Rorschacherberg: Sie lockerte Vorschriften, dass dichter gebaut werden kann. Darauf traf ein Gesuch für ein Fünffamilienhaus im abgelegenen Einfamilienhausquartier Käseren bei Wartensee ein. Der Gemeinderat will dort aber weiterhin höchstens Zweifamilienhäuser. Das muss inzwischen in einem Überbauungsplan festgelegt werden. Bis dieser rechtskräftig wird, erliess die Gemeinde 2014 mit einer Planungszone einen Baustopp für grössere Häuser. Weil der Plan immer noch umstritten ist, nutzte die Gemeinde die Möglichkeit zur maximalen Verlängerung der Zone bis 2019.

Innere Verdichtung

Das Baudepartement des Kantons St.Gallen schreibt zum neuen Planungs- und Baugesetz: «Das Gesetz schafft wirksame Instrumente zur Begrenzung der Zersiedelung des Landes sowie zur Förderung der inneren Verdichtung. Viele der heute geltenden Regelbauvorschriften verkomplizieren und verteuern Bauvorhaben. Künftig steht den Gemeinden ein abschliessender Katalog mit neun Regelbauvorschriften zur Verfügung. Dabei sind einzig die Gesamthöhe, der Gebäudeabstand und der Grenzabstand für das gesamte Baugebiet festzulegen.» (fbi)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.