Verbotene Sätze: Was ein St.Galler nicht sagt

ST.GALLEN. Es soll Sätze geben, die einer richtigen St.Gallerin, einem richtigen St.Galler nie, aber auch gar nie über die Lippen kommen. Das zumindest glauben die Macher der Facebook-Seite «Dinge, die ein St.Galler nicht sagt».

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St.Gallen. Es soll Sätze geben, die einer richtigen St.Gallerin, einem richtigen St.Galler nie, aber auch gar nie über die Lippen kommen. Das zumindest glauben die Macher der Facebook-Seite «Dinge, die ein St.Galler nicht sagt». Seit knapp einer Woche ist die Seite online, Tausenden gefällt sie und Dutzende haben bereits Sätze gepostet, die sie niemals sagen würden.

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Ein Grossteil der Beiträge handelt – leider – von diesem seltsamen, kulinarischen Diktat, das wohl einzigartig ist in der Schweiz. «Die Bratwurst mit Senf bitte» ist – man weiss es schon lange – ganz offensichtlich etwas, das ein waschechter St.Galler nicht sagen darf. Ausser er ist im Ausland, also in Zürich oder gar noch weiter weg, und hat gar keine andere Möglichkeit, als die minderwertige Wurstware dort mit Senf einigermassen geniessbar zu machen.

Nicht viel origineller sind die altbekannten Sticheleien unter umgekehrten Vorzeichen Richtung Westen. «Thurgauer sind gute Autofahrer» oder «Mami, wenn ich gross bin, ziehe ich nach Zürich» sind nach der Facebook-Seite anscheinend ebenfalls Dinge, die nie aus einem St.Galler Mund zu hören sind. Obwohl letzteres der eine oder andere St.Galler, der es Niklaus Meienberg gleich getan hat und inzwischen an der Limmat lebt, vielleicht tatsächlich einmal zu seiner Mutter gesagt hat.

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Neben Sätzen, die sich auf abgedroschene Klischees beziehen oder den Kantönligeist bemühen, finden sich auch solche, die ein wenig tiefer in die St.Galler Seele blicken lassen. Beiträge wie «Die Stiftsbibliothek kann man auch ohne Finken besuchen» oder «Ist Peter und Paul ein schwules Liebespärchen?» zeigen: Die St.Galler definieren ihr gemeinsames Selbstbild nicht bloss über den Hass auf Senf und die Abneigung gegen Zürcher. Sondern auch über Orte, an denen jeder als Schulkind mindestens einmal war. Oder über bekannte Menschen. «Wer ist Bruno und was will er?» oder «Wer ist Albert Nufer und wieso ist er barfuss?» sind Fragen, die zumindest ein Stadtsanktgaller nie stellen wird.

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Aus aktuellem Anlass hier noch zwei Vorschläge der Redaktion für Dinge, die ein St.Galler nicht sagt: «Mir machen die kantonalen Sparmassnahmen so richtig Freude» und «Dieser Sommer ist einfach wahnsinnig toll». Aber letzteres ist wohl etwas, was auch alle Basler, Zürcher, Thurgauer und Bündner zurzeit nicht sagen würden.

Tobias Hänni