Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VELOÄRGER: Kein Vortritt mehr fürs Velo

Die Vadianstrasse ist zentraler Teil der Veloroute zwischen dem Westen und dem Zentrum der Stadt. Dass das Verkehrsregime hier geändert wurde, kommt schlecht an. Der Schritt hat aber rein juristische Gründe.
Reto Voneschen
Die Kreuzungen der Vadian- mit der Pestalozzi- und der Kesslerstrasse wurden vor einigen Jahren nach schweren Unfällen für Velofahrer speziell markiert (obere Reihe). Jetzt gilt hier Tempo 30, ohne Rechtsvortritt und spezielle Markierungen. (Bild: vre)

Die Kreuzungen der Vadian- mit der Pestalozzi- und der Kesslerstrasse wurden vor einigen Jahren nach schweren Unfällen für Velofahrer speziell markiert (obere Reihe). Jetzt gilt hier Tempo 30, ohne Rechtsvortritt und spezielle Markierungen. (Bild: vre)

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

Die Vadianstrasse ist seit langem ein wichtiges Teilstück des Velowegnetzes zwischen dem Westen und dem Zentrum der Gallusstadt. Anders als die parallelen Hauptstrassen, die St. Leonhard- und die Davidstrasse, weist die Vadianstrasse kaum Durchgangsverkehr auf. Wer hier als Autofahrer unterwegs ist, will in der Regel irgendwohin im Quartier, etwa auf den Parkplatz einer Geschäftsliegenschaft oder in die Neumarkt-Parkgarage.

Velovortritt und rote Velospuren sind weg

Genau wie es einer Route zukommt, auf der Velos möglichst ungehindert rollen sollen, hatten die Zweiräder auf der Vadian­strasse bisher stadtein- und stadtauswärts Vortritt. Dies im Gegensatz zu all jenen, die von links oder rechts auf sie einbogen. Trotzdem häuften sich auf den Kreuzungen neben dem St. Leonhard-Schulhaus um 2010 die Unfälle. Autolenker, die von der Pestalozzi- und der Kessler- auf die Vadianstrasse einbogen, übersahen immer wieder die «Haifischzähne» und die Verkehrssignale, die ihnen sagen sollten, dass sie hier keinen Vortritt hätten. Nach einzelnen schweren Unfällen und Vorstössen von Veloverbänden sowie im Stadtparlament wurden die Velospuren auf den beiden Kreuzungen rot unterlegt. Das habe die Zahl der schweren Unfälle drastisch reduziert, heisst es zum Erfolg dieser Sicherheitsmassnahme etwa bei der Polizei.

Verbände nicht glücklich, zeigen aber Verständnis

Jetzt aber hat die Stadt das Verkehrsregime auf der Vadianstrasse geändert. Es gilt der normale Rechtsvortritt. Die roten Velospuren auf den Kreuzungen wurden weggefräst. Viele Velofahrerinnen und Velofahrer wurden von dieser Massnahme überrascht. Etliche reagieren verärgert darauf. «Typisch St. Gallen! Kaum bewährt sich eine Massnahme fürs Velo, wird sie rückgängig gemacht», ist einer der gängigen hässigen Kommentare.

Die Verkehrsverbände, die politisch fürs Velo einstehen, halten die Lösung ebenfalls für «nicht ideal». Man habe gegenüber den Verantwortlichen der Stadt bei einer Begehung von Anfang Oktober signalisiert, dass man möglichst schnell eine Rückkehr zum früheren Zustand erwarte, sagt etwa Doris Königer von der VCS-Sektion St. Gallen-Appenzell. Das neue Verkehrsregime auf der Vadianstrasse könne keine bleibende Lösung für eine gut benutzte Veloroute sein.

Gleich sieht es in der Sache Michael Städler von Pro Velo St. Gallen. Er hat allerdings auch Verständnis fürs städtische Tiefbauamt, das sich hier juristisch in einer ziemlichen Zwickmühle befinde. Eine Rückkehr zum alten Verkehrsregime sei auf der Va­dianstrasse frühestens möglich, wenn der Bund Rechtsgrundlagen für sogenannte «Velostrassen» in Kraft gesetzt habe. Derzeit läuft in der Schweiz ein Pilotversuch mit dem im europäischen Ausland bereits mit Erfolg eingeführten Strassentyp. Am Versuch beteiligt sich auch St. Gallen mit einem Teilstück der Lindenstrasse. Städler rechnet damit, dass es nochmals 12 bis 18 Monate gehen könnte, bis die Velostrasse auch im Schweizer Recht verankert ist. Daran sei nicht die Stadt St. Gallen schuld, hält der Pro-Velo-Vertreter ausdrücklich fest. Das hänge mit dem «Tieftempo» zusammen, mit dem auf Bundesebene manche Neuerungen eingeführt würden.

In allen Tempo-30-Zonen gilt Rechtsvortritt

Auslöser für die Aufhebung des Vortritts für die Velofahrer auf der Vadianstrasse ist, dass diese seit 22. September von der Geltenwilen- bis zur Speerstrasse zur Tempo-30-Zone Innenstadt gehört. Das tiefere Tempo erhöhe die Attraktivität der Strasse für den Fussverkehr deutlich. Zudem werde die Strasse für Velofahrer grundsätzlich sicherer, sagt Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr im städtischen Tiefbauamt. Nachteil ist, dass in Tieftempozonen gemäss heutigen Vorschriften grundsätzlich Rechtsvortritt gilt. Und daran müsse sich die Stadt halten, sagt Hasler. Für ihn wäre die Einrichtung einer Velostrasse die beste Lösung, um die aktuellen «Zielkonflikte zwischen einer raschen Veloachse und dem Anliegen einer Verkehrsberuhigung mittels Tieftempo-Zone» zu beheben. Solche Velostrassen könnten aus rechtlichen Gründen allerdings erst umgesetzt werden, wenn dies auch die Schweizer Gesetzgebung vorsehe, bestätigt Christian Hasler die Aussage von Pro Velo.

Bild: vre

Bild: vre

Die Kreuzungen der Vadian- mit der Pestalozzi- und der Kesslerstrasse wurden vor einigen Jahren nach schweren Unfällen für Velofahrer speziell markiert (obere Reihe). Jetzt gilt hier Tempo 30, ohne Rechtsvortritt und spezielle Markierungen. (Bilder: Reto Voneschen (10. Juli 2011/29. Oktober 2017))

Die Kreuzungen der Vadian- mit der Pestalozzi- und der Kesslerstrasse wurden vor einigen Jahren nach schweren Unfällen für Velofahrer speziell markiert (obere Reihe). Jetzt gilt hier Tempo 30, ohne Rechtsvortritt und spezielle Markierungen. (Bilder: Reto Voneschen (10. Juli 2011/29. Oktober 2017))

Bild: vre

Bild: vre

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.