Velo zwischen Schau und Show

ST.GALLEN. Es gibt Velos, die bestechen durch Eleganz, andere empfehlen sich durch ihre praktische Ausstattung. Am Wochenende luden sechs Velohändler zur «Velo-Expo». Ein Werkstättenbesuch mit Susanne Schmid, überzeugter Velofahrerin.

Josef Osterwalder
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Velo-Expo vom Wochenende: Gelegenheit zum Schauen, Ausprobieren, Rat-holen und sich auf den Velofrühling zu freuen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Velo-Expo vom Wochenende: Gelegenheit zum Schauen, Ausprobieren, Rat-holen und sich auf den Velofrühling zu freuen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Zur Velo-Expo erscheint Susanne Schmid standesgemäss, mit ihrem robusten Stadtvelo. Doch bei der Velo-Expo sucht sie nicht zuerst die stabilen Stahlrösser auf. Noch mehr als diese interessieren sie die E-Bikes, die sowohl bei Bruno Pfiffner wie auch bei Harry Ramsauer den ersten Blickfang bilden. Die beiden alteingesessenen Geschäfte haben zusammen mit Velo Legi, Thömus Veloshop, Velo Studerus und Velo Alther zur Velo-Expo eingeladen, direkt in ihre Ausstellungs- und Werkräume.

Susanne Schmid ist Stadtparlamentarierin der SP; als solche fühlt sie sich den Wünschen und Bedürfnissen der Fussgänger und Velofahrer besonders verpflichtet. Nicht nur weil das Velo auch einer einfachen Bevölkerung erschwinglich ist; ebenso zählt, dass das Velo im Stadtverkehr fast unschlagbar ist. «In der Innenstadt ist man mit keinem Verkehrsmittel schneller am Ziel.»

Der Bund lockt aufs E-Bike

Was beim Velo zählt, ist Muskelkraft. Doch an der Velo-Expo präsentiert sich noch eine weitere Kraftquelle: die Elektrobatterie, die beim Strampeln unterstützt. Und warum schaut sich Susanne Schmid diese Räder so genau an? «Aus reinem Interesse», sagt sie. «Bevor ich sechzig bin, denke ich für mich an kein E–Bike.» Ihr käme ein solches Rad wohl wie ein Fitnessgerät mit Batterieantrieb vor.

Interessant sind diese Velos aber besonders für eine ältere Bevölkerung. Es bewahrt sie davor, vom Rad zu steigen und ins Auto zu sitzen.

Damit leisten sie einen wertvollen Dienst an der Umwelt. «Für 100 km bedarf ein E-Bike umgerechnet den Gegenwert von 1 dl Benzin», heisst es in einer Broschüre von «New Ride», dem Förderprogramm des Bundes für Elektrozweiräder, das mit einem Informationsstand anwesend ist.

Vielfalt als Programm

In der Ausstellung von Bruno Pfiffner zeigen sich neue Entwicklungen an, so der fast nahtlose Übergang vom E-Bike zum Elektromofa. Auffallend, dass es auch ein Tandem mit elektrischer Trethilfe gibt. Daneben findet sich aber auch ein breites klassisches Sortiment von Mountain- und Citybikes, in verschiedensten Anspruchs- und Preisklassen.

Karin Ramsauer zeigt in ihrem Geschäft, wie gross die Bandbreite bei den Velos geworden ist, von der Ausstattung wie vom Preis her. Hier das E-Bike, dort das Rennvelo mit Karbonrahmen, ein Wunderwerk an Eleganz und Leichtigkeit. Zur Vielfalt gehört, dass man ein Geschäft für die ganze Familie sein will: vom Tretrad für die Kleinsten bis zum High-Tech-Flitzer für sportliche Erwachsene.

Kontakt mit Werkstätten

Die Velo-Expo fand am Wochenende zum viertenmal statt. In früheren Jahren gab es eine spezielle Zweirad-Messe oder einen Auftritt an der Offa. Die jetzige Form der Präsentation aber scheint sich gerade so gut zu bewähren, kommt das Publikum doch in direkten Kontakt mit den Werkstätten. Ergänzend dazu fand letzten September ein Demonstrations-Anlass vor dem GBS-Schulhaus Nest statt, wo sich Waldwege und Fahrstrassen für Probefahrten empfehlen. Die Präsentation soll dieses Jahr an gleichem Ort wiederholt werden.

Wünsche

Interessierter Besucher an der Velo-Expo ist auch Thomas Brunner, Stadtparlamentarier der Grünliberalen. Wie beurteilen Susanne Schmid und er die Velopolitik in der Gallusstadt?

Froh sind beide, dass es in der Stadtverwaltung einen Beauftragten für den Langsamverkehr gibt. Beide versichern auch, dass einiges für die Velofahrer vorgekehrt worden sei. Dennoch bemerken sie, dass bei der Planung immer wieder einmal das Velo vergessen geht. «Oft muss dann im Nachhinein noch eine Lösung für die Velos eingerichtet werden.» Dringendes Bedürfnis wären mehr Abstellplätze beim Bahnhof. Hier soll es im Rahmen der neuen Nordzufahrt für das Velo deutliche Verbesserungen geben. «Und dann warten noch einige grosse Brocken, die allerdings teuer sein werden», sagt Susanne Schmid. Ein Beispiel ist die Velospur am Unteren Graben, die in östlicher Richtung genau dort aufhört, wo es für die Velofahrer am gefährlichsten wird.

Bekenntnis zur Velostadt

Auch dies ist ein Vorzug einer solchen Velo-Expo: Sie gibt Gelegenheit über die Velostadt nachzudenken. «Denn das ist St. Gallen ganz bestimmt», sagt Susanne Schmid; «auch wenn es Leute gibt, die es nicht wahrhaben wollen.» Der Bike-Frühling beweist, dass viele ihre Meinung teilen.

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