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VANDALENAKT: Die Kapflinde muss leiden

Unbekannte haben am Wochenende die Linde auf dem Kapf beschädigt. Ein über 30 Zentimeter tiefer Schnitt klafft im Baumstamm. Naturschützer und Revierförster sorgen sich um den auffälligen Baum.
Luca Ghiselli
Die beschädigte Linde auf dem Kapf ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und prägend für ihre Umgebung. (Bild: Klaus Stadler)

Die beschädigte Linde auf dem Kapf ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und prägend für ihre Umgebung. (Bild: Klaus Stadler)

Klaus Stadler ist wütend und traurig. Der Physiotherapeut und Fotograf hält sich oft auf dem Kapf oberhalb Dreilinden auf. Die Linde, die dort steht, ist eines von Stadlers Lieblingssujets. Am Wochenende machte ein Bekannter den Fotografen auf einen tiefen, länglichen Schnitt im Baumstamm der Linde aufmerksam. Stadler ging daraufhin auf den Kapf, um den Schaden zu begutachten und versuchte, mit einem Massstab die Tiefe des Schnitts zu messen. «Er ist mindestens 36 Zentimeter tief», sagt Stadler. Das sei bei einem Stammdurchmesser von circa 54 Zentimetern gravierend. «Aus meiner Sicht ist dieser Baum tot.»

Stadler vermutet, dass jemand mit einer Motorsäge den Baum mutwillig beschädigt hat. «Offensichtlich stört sich jemand an der Linde», sagt er. Ihm fehle jedes Verständnis für diesen Vandalenakt. «Der Baum ist für viele Menschen, auch für mich, ein wichtiger und emotionaler Ort.» Stadler hofft nun, dass die Polizei die Vandalen finden und zur Rechenschaft ziehen könne. Bei der Stadtpolizei hat man von dem Vorfall Kenntnis. Mediensprecher Dionys Widmer erklärt auf Anfrage, dass momentan diverse Abklärungen laufen.

Der Baum wurde vermutlich mit einer Motorsäge beschädigt. (Bild: Klaus Stadler)

Der Baum wurde vermutlich mit einer Motorsäge beschädigt. (Bild: Klaus Stadler)

Die Linde heilt Wunden schnell
Wie schlecht es dem beschädigten Baum wirklich geht, wird nun ermittelt. Zu diesem Zweck wird die Linde von einem Baumpfleger begutachtet, der dann gegebenenfalls Sofortmassnahmen einleitet. Für Revierförster Patrik Hollenstein ist der Fall klar: «Das ist kein Lausbubenstreich, hier hat jemand versucht, dem Baum erheblichen Schaden zuzufügen.»

Dass Bäume beschädigt werden, kommt in Stadtsanktgaller Wäldern zwar nicht oft, aber doch immer wieder vor. Nicht alle Schäden würden mutwillig entstehen, berichtet Hollenstein. «Manche lassen Nägel von Baumhütten in den Stämmen.» Das sei schlecht für die Bäume. Aber auch Lausbubenstreiche würden ab und zu verübt. «Das kann von kleineren Ritzereien bis zu einer weitgehenden Schälung der Baumrinde gehen», sagt Hollenstein. Auch sei es bereits vorgekommen, dass Unbekannte Bäume in Brand setzen wollten.

Wie die Überlebenschancen der Linde auf dem Kapf stehen, kann Hollenstein nicht beurteilen. «Positiv stimmt mich aber, dass Linden generell über eine gute Wundheilung verfügen.» Allerdings müsse auch immer das Risiko abgewogen werden. «Um einen beschädigten Baum stehen zu lassen, muss man sich sicher sein, dass er nicht umstürzt.» Auf dem Kapf sei die Linde Wind und Wetter ausgesetzt. Ausserdem befinde sich darunter eine Sitzbank für Spaziergänger. «Solche Aspekte fliessen in die Entscheidung mit ein.»

«Die Busse kommt kaum teurer als das Fällgesuch»
Beim Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung (NVS)ist der Umgang mit Vandalenakten an Bäumen schon länger ein Thema. «Das kommt immer wieder einmal vor», sagt Robert Schmid, Präsident des NVS. Die Motive dafür seien vielfältig. «Zum Beispiel können Streitigkeiten unter Nachbarn am Anfang eines solchen Vandalenaktes stehen.» Von Kupfernägeln in Bäumen über abgeschnittene Äste am Waldrand seien ihm schon eine Vielzahl an Fällen von mutwillig beschädigten Bäumen bekannt. Nicht immer handelt es sich dabei aber um sinnlose Zerstörung. Es könne auch sein, dass jemand den Baum einfach aus dem Weg schaffen wolle.

«Überspitzt gesagt kommt die Busse dafür kaum teurer, als wenn man ein Baumfällgesuch einreicht», sagt Schmid. Leider sei der Baumschutz nur schlecht geregelt, und auch das Verbandsbeschwerderecht wurde vor einigen Jahren abgeschafft. Viel Handlungsspielraum bleibe dem NVS deshalb nicht. «Wir können diese Taten lediglich der Stadt melden.» Bei diesen lockeren Regeln dürfe es nicht erstaunen, wenn eine solche Mentalität gegenüber Bäumen in den Köpfen Einzug halte. Deshalb sei es wichtig, die mutwillige Zerstörung von Bäumen wie im Kapf nicht hinzunehmen, sagt Schmid. «Das ist ein Verbrechen und nicht tolerierbar. Das muss konsequent verfolgt werden.»

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