Vadian würde vom Sockel steigen

US-Debakel kostet 5,5 Millionen Ausgabe vom 7. April 2016

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Es war einmal eine Bank mit Namen «Ersparnisanstalt der Stadt St. Gallen». Sie gehörte der Ortsbürgergemeinde St. Gallen. Dann taufte man sie um in Vadian-Bank. Dieser Name verpflichtet: Vadian, der humanistische Stadtvater, unter dem keine Hexe mehr hingerichtet wurde. Vadian, der Stadtarzt, der ein Spital gegründet hat. Vadian, der Reformator und Aufklärer, der den Sündenablass gegen Geld an den Pranger stellte.

Im Jahresbericht 2015 der Ortsbürgergemeinde St. Gallen wird erstmals ein Verlust ausgewiesen. Und dies trotz Spitzenresultat von über vier Millionen Franken Gewinn mit der Geriatrischen Klinik und der Übernahme von Grundstücken der Ortsgemeinde Straubenzell mit einem Schätzwert von rund 22 Millionen Franken. So müssen wir uns keine Sorgen machen. Das schöne Altersheim Singenberg der Ortsbürgergemeinde wird vergrössert und die «Ländereien im Süden» mit meinem Lieblings-Aussichtsgasthaus Scheitlinsbüchel bleiben uns erhalten.

In der Begründung des Verlustes fürs Jahr 2015 steht unter anderem der «verschlüsselte» Satz: «Grund sind auch die über Erwartung liegenden Kosten für den Abschluss des US-Programms der ehemaligen Vadian-Bank.» Nur wer in den Medien die Berichte über den Verkauf der Vadian-Bank gelesen hat, kann diesen Satz entschlüsseln. Da war nämlich im Klartext zu lesen: Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen musste Rückstellungen in Höhe von mehreren Millionen machen für die ausstehenden, auf sie zukommenden Bussen der USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei US-Bürgern. Wie kann unsere sehr reiche Vorbild-Institution den Namen von Vadian so missbrauchen?!

Margrit Moritzi

Obere Wildeggstrasse 19

9000 St. Gallen