URTEIL: Verlobte verprügelt und Polizist gebissen

Ein Eritreer hat seine Verlobte im Streit verprügelt und erheblich verletzt. Zudem biss er einen Polizisten. Er hat eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten kassiert.

Claudia Schmid
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Claudia Schmid

stadtredaktion@tagblatt.ch

Der 33-jährige Mann habe seine Verlobte bewusst verletzen wollen, erklärte die Staatsanwältin an der Verhandlung am Kreis­gericht St. Gallen. Er habe noch auf sie eingeprügelt, als sie wehrlos am Boden gelegen sei.

Offenbar war das Paar an einem Sonntagmorgen im April 2016 vor einem Restaurant in der St. Galler Innenstadt in Streit geraten. Sie sollen sich über die Art der Rückkehr nach Hause uneinig gewesen sein. Schliesslich fuhren sie zusammen mit drei Kollegen nach Gossau in ihre Wohnung.

Als Nachbarn Schreie aus der Wohnung hörten, riefen sie die Polizei. Die Beamten trafen eine blutüberströmte Frau an. Die Verletzungen im Gesicht waren unter anderem ein Nasenbeinbruch, Schwellungen und Einblutungen. Nur mit Glück seien keine bleibenden Schäden entstanden, sagte die Staatsanwältin.

Er sei selber erschrocken, wie schwer er seine Verlobte verletzt habe, erklärte der Beschuldigte dem Richter. Er habe eingesehen, dass er keinen Alkohol vertrage und verzichte nun aufs Trinken. In der Zwischenzeit erwartet das Paar ein Kind.

Anträge gehen weit auseinander

Wenige Wochen später fiel das Paar erneut negativ auf. Mit dem Bruder des Beschuldigten waren sie als Mitfahrer in einem Auto unterwegs. Um 1.40 Uhr gerieten sie auf der Rosenbergstrasse in St. Gallen in eine Kontrolle. Die Beamtin und der Beamte stellten fest, dass die Verlobte keine Sicherheitsgurten trug. Als die Beamtin die Frau zum Patrouillenwagen mitnehmen wollte, wurde ihr Verlobter aufbrausend. Er schlug mehrmals die Hand gegen den Oberkörper des Beamten. Nachdem es zu einem Gerangel gekommen war und der Beamte den Beschuldigten am Boden fixierte, griff die Frau ein. Sie forderte den Polizisten auf, ihren Verlobten loszulassen, er sei besoffen. Im weiteren Verlauf biss der Beschuldigte den Beamten mehrfach in die Ober- und Unterschenkel. Erst mit Hilfe seines Bruders konnte die Patrouille den Mann bis zum Eintreffen der Verstärkung fixieren. Diese empfing er mit Spucke.

Die Staatsanwältin klagte den Mann wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, einfache Körperverletzung und Sachbeschädigung an. Sie beantragte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wobei ein halbes Jahr zu vollziehen sei, und eine Busse von 1000 Franken. Während der Probezeit von drei Jahren sei Bewährungshilfe anzuordnen.

Der Verteidiger beantragte hingegen, sein Mandant sei lediglich wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und einfacher Körperverletzung zu verurteilen. Er beantragte eine bedingte Geldstrafe von 110 Tagessätzen à 120 Franken und eine Busse von 500 Franken. Bei beiden Vorfällen sei der Mann massiv alkoholisiert gewesen, sagte der Verteidiger. Deshalb habe er nicht gewusst, was er tue.

Es sei nicht belegt, dass der Beschuldigte tatsächlich so lange auf seine Verlobte eingeschlagen habe, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwerfe. Zudem sei die Frau nicht lebensgefährlich verletzt worden, und sie habe keinen Strafantrag gestellt. Im Falle der Geschehnisse bei der Verkehrskontrolle habe sich sein Mandant mehrmals entschuldigt. Durch seine starke Alkoholisierung habe er ein Blackout gehabt. Zudem treffe ihn in diesem Fall nur ein leichtes Verschulden.

Der Anklage gefolgt

Das Kreisgericht folgte grossmehrheitlich den Anträgen der Anklage. Es senkte lediglich die Busse auf 200 Franken und wies den Beschuldigten zusätzlich an, sich einer Sucht- und Gewalttherapie zu unterziehen. Die Kosten des Verfahrens im Umfang von 24600 Franken muss der Eritreer bezahlen.

Das Verhalten des Beschuldigten könne nicht geduldet werden, betonte der vorsitzende Richter. In aller Deutlichkeit betonte das Gericht, dass Gewalt gegen Polizeibeamte keine Bagatelle sei und streng bestraft werden müsse.