URTEIL: Serieneinbrecher muss die Schweiz verlassen

Ein 47 Jahre alter Italiener hat sich vor dem Kreisgericht St. Gallen wegen 19 Straftaten verantworten müssen. Der Drogensüchtige brach Autos auf und stieg in Garagen, einen Keller und in ein Restaurant ein.

Claudia Schmid
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Claudia Schmid

stadtredaktion@tagblatt.ch

Der in der Schweiz geborene IV-Rentner beging die Straftaten zwischen Mai und Dezember 2016. Er wuchtete Autos auf, die auf Strassen oder in Garagen parkiert waren. Teilweise schlug er die Scheiben mit Pflastersteinen ein, teilweise verwendete er Werkzeuge. In den Garagen, in die er einbrach, waren die Fahrzeuge oft unverschlossen. Auf seiner Einbruchstour suchte er auch ein Kellerabteil und ein Restaurant heim. Zudem fand man bei ihm bei einer Hausdurchsuchung eine verbotene Druckluftpistole. Seit einigen Monaten befindet sich der Beschuldigte im Vollzug einer Ersatzfreiheitsstrafe. Im Juli kehrte er nach einem Hafturlaub nicht in die Strafanstalt zurück, konsumierte Drogen und beging mindestens drei Einbruchversuche. Nach einigen Tagen wurde er wieder gefasst.

An der Gerichtsverhandlung am Kreisgericht St. Gallen erzählte der Mann aus seinem Leben. Er habe teilweise in Heimen gelebt. Mit elf Jahren sei er mit der Mutter und den zwei jüngeren Geschwistern nach Süditalien zurückgegangen. Dort habe er nicht mehr weiter die Schule besucht, sondern in einer Autowerkstätte gearbeitet. Als mit 18 Jahren der Militärdienst gedroht habe, seien sie in die Schweiz gekommen. Eine Lehre habe er nie absolviert.

Mit elf Jahren in einer Autowerkstatt gearbeitet

Früh geriet der Beschuldigte in eine Sucht. Er konsumiere Heroin. In den letzten Jahrzehnten wurde er mehrfach straffällig. 2013 verwarnte ihn das Migrationsamt. Ändere er sein Verhalten nicht, werde er die Niederlassung C verlieren. Der Staatsanwalt sagte, der Deliktsbetrag belaufe sich auf 9000, der Sachschaden auf 12000 Franken. Er beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten, eine Busse und eine Landesverweisung von fünf Jahren. Er beherrsche die italienische Sprache und habe mehrere Jahre in seiner Heimat gelebt. Es sei möglich, dass er sich in Italien eingliedere.

Der Verteidiger stellte den Antrag, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Sein Mandant brauche wegen seiner Sucht und seines psychischen Zustandes eine stationäre Therapie, wie sie auch seine Bewährungshelferin empfehle. Eine frühere Therapie habe durchaus Wirkung gezeigt. Der Beschuldigte müsse wieder Boden unter den Füssen gewinnen und eine Perspektive finden. Eine Landesverweisung komme seiner Meinung nach nicht in Frage, zumal er eine enge Beziehung zu seiner Mutter in der Schweiz habe, erklärte der Verteidiger.

Das Kreisgericht St. Gallen ging auf den Antrag zur Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens und der Anordnung einer stationären Therapie nicht ein. Es sei überzeugt, dass angesichts des fortgeschrittenen Alters des Beschuldigten und seiner Einstellung eine Therapie nicht die angestrebte Wirkung zeige. Seit er erwachsen sei, habe der Mann immer wieder delinquiert und nichts von sich aus unternommen, um das Leben in den Griff zu bekommen.

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten wegen gewerbsmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs sowie Übertretung des Betäubungsmittel- und Waffengesetzes zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und einer Busse von 300 Franken. Es sprach zudem eine Landesverweisung von fünf Jahren aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.