Unverständliches Urteil

«Kantonsgericht mildert Strafe für einen Sexualtäter», 17.3.2011

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«Kantonsgericht mildert Strafe für einen Sexualtäter», 17.3.2011

Ich musste zweimal lesen, was da schwarz auf weiss geschrieben stand. Ein Mann hat ein 14jähriges, geistig behindertes Mädchen im Schulbus, in seiner Wohnung und im Nachtclub missbraucht. Urteil des Kreisgerichts St. Gallen: eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, davon ein halbes Jahr unbedingt.

Der Mann zog den Fall ans Kantonsgericht weiter. Der Verteidiger beantragte eine bedingte Strafe von höchstens 18 Monaten. Die sexuellen Kontakte hätten im gegenseitigen Einverständnis stattgefunden. Sein Mandat sei physisch angeschlagen, seine geistigen Fähigkeiten eingeschränkt. Er sei daher vermindert schuldfähig.

Urteil des Kantonsgerichts: Es sprach den Mann der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, der Pornographie, der fahrlässigen Körperverletzung und versuchter Gewalt und Drohungen gegen Beamte schuldig. Zusätzlich zur bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren muss er 300 Franken Busse bezahlen und sich einer Behandlung unterziehen. Die Probezeit beträgt drei Jahre, der Verurteilte erhält eine Bewährungshilfe.

Dieses Urteil kann ich nicht verstehen. Der Mann muss eine unbedingte Freiheitsstrafe erhalten. Der Mann muss Schmerzensgeld bezahlen. Und: Wie konnte ein physisch Angeschlagener mit geistig eingeschränkten Fähigkeiten einen Schulbus fahren? Und: Wie können wir unsere Kinder schützen, wenn solche Urteile gefällt werden?

Es stimmt mich traurig, denn immer wieder kommen dank verminderter Schuldfähigkeit milde Urteile zustande. Ob nun Alkohol, Drogen oder andere Einflüsse im Spiel sind, es wird doch gegen das Gesetz und die Menschenwürde verstossen. Die Opfer leiden über Jahre, gar Jahrzehnte an schweren psychischen Störungen und können oft kein normales Leben mehr führen. Unser Rechtssystem sollte dringend überarbeitet werden!

André Ledergerber

Hochwachtstr. 9a, 9000 St. Gallen

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