Unterrichten ja - aber nicht um jeden Preis

Eine Umfrage des St. Galler Bildungsdepartements zeigt: Viele Volksschullehrer im Kanton würden ihren Beruf wieder wählen. Trotzdem hagelt es Kritik: Belastung und administrativer Aufwand seien zu hoch, die Löhne zu tief, wird bemängelt.

Adrian Vögele
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ST. Gallen. Der Rücklauf ist beachtlich: Über 2800 St. Galler Volksschullehrerinnen und -lehrer haben an der Online-Umfrage des Bildungsdepartements teilgenommen. Das ist fast die Hälfte des gesamten Berufsstands im Kanton. Bildungsdirektor Stefan Kölliker wertet die Aktion denn auch als «Grosserfolg» - sie weise auf eine aktive Lehrerschaft hin, freut sich der Regierungsrat bei der Präsentation der Ergebnisse.

Neben der Beantwortung der Multiple-Choice-Fragen nutzten über 1200 Teilnehmer die Möglichkeit, am Schluss persönliche Bemerkungen anzufügen. «Manchen reichte der Platz auf dem Formular nicht - sie haben mir ihre Anliegen gar brieflich mitgeteilt», sagt Kölliker. Die eingegangenen Antworten wurden in den vergangenen Wochen von der Pädagogischen Hochschule St. Gallen ausgewertet.

Mitreden bei Reformen

Nahezu alle teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer empfinden die Belastung in ihrem Beruf als hoch, über 800 sogar als sehr hoch. Am meisten Mühe bereitet den Pädagogen der administrative Aufwand (siehe Grafik): Über 90 Prozent sehen diesbezüglich grossen oder sogar sehr grossen Handlungsbedarf. Was die Mitsprache der Lehrkräfte bei Reformen in der Volksschule angeht, sehen ebenfalls über 90 Prozent mindestens grossen Handlungsbedarf.

«Attraktiv» - für die Hälfte

83 Prozent sprechen sich dezidiert für eine Erhöhung der Löhne aus (Grafik). Lediglich 414 Teilnehmende sehen hier nur kleinen bis sehr kleinen Handlungsbedarf; 50 Teilnehmende verzichteten auf eine Antwort. Ebenfalls sehr klar fordern die Lehrerinnen und Lehrer Hilfe beim Umgang mit Heterogenität in den Schulklassen. Zwei Drittel wollen zudem, dass die Lektionenzahl reduziert wird. Die meisten Teilnehmer sind zudem der Ansicht, in ihrem Beruf mit immer neuen Erziehungsaufgaben belastet zu werden.

Zur «Gretchenfrage», ob der Lehrerberuf attraktiv sei oder nicht, halten sich negative und positive Einschätzungen die Waage. Jedoch würde die grosse Mehrheit der Befragten den Lehrberuf nochmals wählen (Grafik). Ausserdem herrscht Einigkeit darüber, dass der Job abwechslungsreich sei.

Die Resultate sollen in absehbarer Zeit zu konkreten Massnahmen führen, die die Berufssituation der Lehrerinnen und Lehrer verbessern: «Im kommenden Frühling werden wir ein Massnahmenpaket vorstellen, in das die verschiedenen Handlungsfelder integriert sind», sagt Kölliker. «Die Resultate zeigen, dass in jenen Punkten Handlungsbedarf besteht, die wir bereits in Angriff genommen haben.» Die Erkenntnisse aus der Umfrage sollen unter anderem in die Revision des Berufsauftrags und in die Neukonzeption der Lehrerweiterbildung einfliessen.

Druck auf Löhne gestiegen

Ausserdem werden die Lehrerlöhne einer Prüfung unterzogen: «Was die Besoldung angeht, ist der Druck aus unserem geographischen Umfeld klar gestiegen», sagt der Bildungsdirektor. So hat etwa Zürich die Löhne der Volksschullehrer angehoben. Eine Abwanderung von Lehrkräften in Nachbarkantone wolle man verhindern, betont Kölliker.

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