UNTEREGGEN: «Kunz» stellt den Ofen ab

Noch bis morgen Mittwoch werden in der Bäckerei Kunz Brote produziert. Während 30 Jahren führte Peter Kunz mit seiner Frau Isabella die einzige Bäckerei im Dorf.

Jolanda.riedener@tagblatt.ch
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Ein letztes Mal im Bäckerhemd: Peter und Isabella Kunz in ihrer Backstube in Untereggen. (Bild: Jolanda Riedener)

Ein letztes Mal im Bäckerhemd: Peter und Isabella Kunz in ihrer Backstube in Untereggen. (Bild: Jolanda Riedener)

Ein Duft von frisch gebackenem Brot strömt aus der Backstube der Unteregger Bäckerei Kunz. Am liebsten möchte man in ein knuspriges Stück beissen. Was während dreissig Jahren sechs Tage die Woche war, nimmt kommenden Mittwoch sein Ende.

Torten, Gipfeli und Brotlaibe, aber auch Käse und Kartoffeln gingen früher in der Traditionsbäckerei über die Theke. Ende März 2015 entschloss sich das Paar, den Lebensmittelladen zu schliessen. «Das Geschäft rentiert schlicht nicht mehr», sagte Isabella Kunz damals. Peter Kunz stand trotzdem während der vergangenen zwei Jahre jeden Morgen ab 2.30 Uhr in der Backstube. Ihre Waren verkauften sie noch auf Bestellung ab Backstube. Auch weiterhin belieferten sie mehrere Restaurants sowie die Landi in Goldach mit ihren Backwaren.

Aufbackbrote statt frische Backwaren

Bereits früher hat die Familie Kunz Backwaren in verschiedene Dorfläden geliefert. «Zu den besten Zeiten haben wir neun Spar-Filialen beliefert», sagt Peter Kunz. Viele dieser Läden sind inzwischen zu. Damals waren sie zu dritt in der Backstube und die Tage waren lang: Nach der Schicht in der Backstube belieferte er täglich Kunden in Rorschacherberg. Während der 30 Jahre habe sich die Branche stark verändert. Heute würden die Spar-Filialen Fertigwaren verkaufen und vor Ort aufbacken. «Wir haben über die Jahre immer weniger Brot verkauft», sagt der 67-Jährige.

Ein Unfall von Peter Kunz mit dem Töff war schliesslich der Auslöser dafür, die Bäckerei endgültig zu schliessen. Arbeiten kann er deshalb momentan nicht, dafür hat er eine Aushilfe in der Backstube eingespannt. Bereits der Vater von Peter Kunz war ab 1974 in der Bäckerei im Vorderhof tätig. Vor genau dreissig Jahren hatte er den Betrieb von ihm übernommen.

Die Tochter von Peter und Isabella Kunz hielt den Familienberuf aufrecht und lernte ebenfalls Bäckerin-Konditorin. Um das Geschäft ihrer Eltern zu übernehmen, fehlt der Mutter jedoch ebenfalls die Zeit. Peter und Isabella Kunz wollten die Bäckerei verkaufen, konnten aber keinen Nachfolger finden. Nun überlegen sie, die Liegenschaft allenfalls umzubauen.

Erst einmal werden sie aber weiterhin in ihrem Zuhause wohnen und die freie Zeit geniessen. «Ich freue mich darauf, mehr Zeit mit meinen Enkelkindern zu verbringen. Wenn am Mittwoch der Ofen aber für immer aus ist, wird es sicher komisch sein», sagt Isabella Kunz. Während vieler Jahre war sie an der Ladenfront tätig und kannte die Unteregger bestens.

Besonders berühmt ist die Bäckerei Kunz für die Schwarzwäldertorten. Für diese seien die Kunden von weither gekommen. Diese Tage seien auch noch einige bestellt worden.

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

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