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Die Schweiz ist das Land der Pässe und Saumpfade. Nicht wenige von ihnen haben als Namensgeber einen Heiligen. Der Grosse St. Bernhard, der St. Gotthard, der San Bernardino oder in der Region die St. Luzisteig gehören zu den bekannteren. Weniger geläufig sind vielleicht San Jorio im Tessin oder der Theodul im Wallis. Untrennbar mit «Pass» verbunden ist die Vorstellung von Gebirge, von kühner Linienführung, Ingenieurskunst und klaffenden Abgründen.

Davon hat die Region am See wenig zu bieten. Aber einen Pass hat sie doch. Der Künzlerpass verbindet hintenherum Rorschach mit Goldach und war einst auch gedacht als Erschlies­sung des Industriegebiets Blumenfeld. Daraus ist – zum Ärger vieler Rorschacher – nichts geworden. Statt zur wichtigen Achse hat es der Künzlerpass nur zur beliebten Ausweichroute für Schleichverkehr gebracht. Zum Ärger vieler Goldacher.

Seinen Namen hat der Pass nicht etwa von Kräuterpfarrer Künzle, sondern vom früheren Goldacher Bauchef Edgar Künzler. Ihm wird wesentlich zugeschrieben, dass es so gekommen ist, wie es heute ist. Weil aber alles ein Ende hat, könnte es auch mit dem Künzlerpass bald einmal vorbei sein. Im Zuge des neuen Autobahnanschlusses soll nämlich der Künzlerpass für den motorisierten Verkehr geschlossen und durch eine Bahnunterführung für Velofahrer und Fussgänger ersetzt werden.

Die Anwohner wird’s freuen, und für den Namensgeber könnte die Zweckänderung zum Ritterschlag werden: Nicht mehr Künzlerpass, sondern Unterführung St. Edgar. (S.L.)

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