Unsterbliche Lieder, geboren aus Krise und Liebe

Zahlreiche Besucher und die hervorragende Akustik inspirieren Mezzosopranistin Barbara Hensinger und Hans Galli am Klavier beim Liederabend im Schloss Wartegg.

Theodor Looser
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Die Mezzosopranistin Barbara Hensinger, begleitet von Hans Galli. (Bild: Theodor Looser)

Die Mezzosopranistin Barbara Hensinger, begleitet von Hans Galli. (Bild: Theodor Looser)

RORSCHACHERBERG. Im Zentrum des Programms stand der Komponist Robert Schumann mit seinem «Liederkreis» op. 39 nach Gedichten von Josef von Eichendorff. Dieses hochromantische Werk war allerdings erst am Ende des Konzertabends zu hören. Begonnen wurde mit Liedern aus «Das stille Leuchten» op. 60 von Othmar Schoeck, gefolgt vom «Buch der hängenden Gärten» op.15 von Arnold Schönberg.

Hans Galli am Klavier lockerte die Gesangsvorträge im Konzertsaal auf Wartegg mit einigen kurzen Soloeinlagen auf.

Dramatische Hintergründe

Barbara Hensinger und Hans Galli, die seit eineinhalb Jahren gemeinsam arbeiten und auftreten, hatten bewusst drei Werke ausgewählt, die einen dramatischen Hintergrund haben. Die Lieder von Othmar Schoeck – nach Gedichten von Conrad Ferdinand Meyer – entstanden nach einer schweren Krankheit des Komponisten.

Sie sind ein Alterswerk, das er nach seiner Genesung komponierte, fast ein bisschen ein Abschied vom Leben. Entsprechend lyrisch, fast träumerisch wurden sie gesungen.

Die Vertonung der Gedichte von Stefan George durch Arnold Schönberg ist ebenfalls Ergebnis einer schwierigen Lebensphase des Komponisten. Er wagte damals den Schritt vom tonalen zum atonalen Komponieren – sich bewusst, mit diesem Liederzyklus alle Schranken einer vergangenen Ästhetik durchbrochen zu haben.

Beeindrucktes Publikum

Das Hauptwerk des Abends, der «Liederkreis» von Robert Schumann, war 1840 komponiert worden. Bewegender persönlicher Hintergrund war das nach langen Schwierigkeiten erreichte glückliche Ergebnis seiner Liebe zu Clara Wieck, die er in jenem Jahr heiraten konnte.

Die Mezzosopranistin Barbara Hensinger und Hans Galli am Klavier interpretierten diese drei sehr persönlichen und anspruchsvollen Liederzyklen nacheinander ohne längere Pause.

Starker Applaus nach jedem Vortrag und Ovationen am Schluss liessen erkennen, wie beeindruckt das Publikum war von der Aussagekraft der vertonten Gedichte, vor allem aber von der eindrücklichen Leistung der Sängerin und ihres Begleiters.