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Unschöne Mode

Auch die schönste Mode kann unschöne Seiten haben: Wenn die Herstellung so billig ist, dass es Raubbau an Mensch und Natur gleichkommt. Das Textilmuseum widmet diesem Phänomen eine Ausstellung.
Elisabeth Reisp
Die Kleider an der Stange legen ihre chemischen Behandlungen offen. (Bild: Samuel Schalch)

Die Kleider an der Stange legen ihre chemischen Behandlungen offen. (Bild: Samuel Schalch)

Das Licht ist gedimmt. Die Exponate sind fast ausnahmslos in Schwarz oder Weiss gehalten. Bunt sind nur die Bilder aus den Nähfabriken in Bangladesh. Sie zeigen den Alltag der Arbeiterinnen, Schreckensbilder einer eingestürzten Fabrik und verletzter Menschen. Das wenige Bunte der Ausstellung zeigt die Schattenseiten der Mode. Das Phänomen heisst Fast Fashion, so heisst auch die neue Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen.

Wer ist hier das Opfer?

Die Ausstellung Fast Fashion beleuchtet die Hintergründe der globalisierten Produktion von Mode. Konzipiert wurde die Schau vom Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Das Textilmuseum hat ihr den kompletten zweiten Stock eingeräumt. Bis im Juni 2017 wird sie dort zu sehen sein.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Aspekte Konsum, Ökonomie und Ökologie. Der Rundgang beginnt im Westflügel, schwarze Kleider von H & M bis Dior sind ausgestellt. Was wollen sie den Besuchern sagen? Dass Mode so billig geworden ist, dass sich fast alle Kleider im Überfluss leisten können. Sie ist kein zweifelhaftes Privileg der Reichen mehr. Es gibt heute so viele, die sich kokett als Fashion-Victim (Mode-Opfer) bezeichnen. Doch die Bilder vis-a-vis der ausgestellten Kleider halten dem Betrachter unangenehm den Spiegel vor. Sie zeigen, wer die wahren Fashion-Victims sind: die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken, die unter teilweise desaströsen Arbeitsbedingungen die Kleider herstellen.

Mit dem Konsum eng verbunden ist auch das Konzept des Überflusses. Gemäss einer Infografik in der Ausstellung kauft der Durchschnittsschweizer 27 Kilogramm Kleider pro Jahr. Nur sechs Kilogramm werden der Altkleidersammlung zugeführt. Ein Teil wird vielleicht verschenkt oder in einen Secondhandshop gebracht. Vieles wird aber zu Hause gehortet, im überfüllten Kleiderschrank.

Der Preis ist für alle zu tief

Eine dicke Litfasssäule in einer Ecke der Ausstellung zeigt den Besuchern, dass ihre Kleider vom Design über die Herstellung bis zum Verkauf einmal um die halbe Welt gereist sind, mit Halt an verschiedensten (Produktions-)Stationen. Doch schon die nächste Station der Ausstellung, die Ökonomie, macht darauf aufmerksam, dass das alles seinen Preis hat. Und zwar einen, der viel zu tief ist.

Damit die Kunden viel konsumieren, wird schier unglaublich billig produziert – die Kleider sollen im Geschäft nicht mehr viel kosten. Bei diesen Tiefstpreisen bleibt aber für die Näherinnen fast nichts übrig.

Tödliche Chemikalien

Dass Mode mitunter auch tödlich sein kann, ist an den an der Kleiderstange hängenden Stücken abzulesen. Sie alle haben einen Steckbrief, der aufzeigt, mit welchen Chemikalien sie behandelt wurden. Die Verfahren sind für die Arbeiter oft eine gesundheitliche Belastung.

Die Ausstellung ist aber nicht nur ein grafischer Fingerzeig. Verschiedene Aspekte werden darin auch künstlerisch interpretiert. Den Schlusspunkt setzt etwa der bekannte «Tagi»-Cartoonist Ruedi Widmer, der mit eigens für die Ausstellung konzipierten Cartoons auf die Tücken im verantwortungsvollen Kleiderkauf hinweist.

Ergänzt wird die Ausstellung mit einem Begleitprogramm. So werden bis Juni 2017 verschiedenen Vorträge und Workshops einzelne Aspekte der Ausstellung vertiefen.

www.textilmuseum.ch

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