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Unlösbarer Glockenstreit?

Wann dürfen Glocken klingen? Wann nicht? Am Donnerstag lud die CVP Stadtpartei zur Podiumsdiskussion. Die Frage bleibt kontrovers. Der Jurist schlägt eine politische Lösung vor.
Josef Osterwalder
Gestenreiche Glockendiskussion: Guido Corazza, Martin Würmli, Peter Hettich, Samuel Büechi (von links). (Bild: Reto Martin)

Gestenreiche Glockendiskussion: Guido Corazza, Martin Würmli, Peter Hettich, Samuel Büechi (von links). (Bild: Reto Martin)

Dass die Kirchenglocken zum Gottesdienst rufen dürfen, das ist unbestritten. Dagegen hat auch die IG Stiller nichts einzuwenden. Nicht einverstanden ist sie jedoch, dass die ganze Nacht hindurch zu jeder Viertelstunde eine Glocke angeschlagen wird. Dies war denn auch der hauptsächliche Diskussionspunkt am Donnerstagabend. Den Standpunkt der IG-Stiller vertrat Vorstandsmitglied Samuel Büechi.

Die Sicht der katholischen Kirchgemeinde vertrat deren Präsident Guido Corazza. Für ihn ist der nächtliche Stundenschlag nicht einfach «Lärm», sondern ein bedeutsames Zeichen, das von einer grossen Mehrheit der Bevölkerung geschätzt und gewünscht werde.

Krankmachend oder tröstend?

Büechi sieht in der nächtlichen Beschallung eine Störung, die krank machen könne.

Corazza sieht darin umgekehrt einen Gruss vom Kirchturm, der viele Kranke in schlaflosen Nächten zu trösten vermöge.

Meinung steht gegen Meinung. Wie lässt sich ein solcher Konflikt lösen? Martin Würmli, der als Präsident der CVP-Stadtpartei und Stadtparlamentarier die Diskussion leitete, hat zusätzlich einen Juristen aufs Podium geladen: Professor Peter Hettich von der HSG, versiert im Bau-, Planungs- und Umweltrecht. Mit ihm zusammen wurde die Streitfrage auch vom rechtlichen Standpunkt aus beleuchtet.

Zwei Unterscheidungen

Juristisch ist der Hinweis wichtig, dass sich bei der Beurteilung von Glockenklang vor einem Vierteljahrhundert die rechtliche Grundlage gewandelt hat. Zuvor wurde Schall allein nach dem Nachbarschaftsrecht und auf Klagen hin beurteilt. Seit 1985 unterstehen Schallimmissionen jedoch dem Umweltschutzgesetz. Bei übermässigem Lärm muss der Staat von sich aus einschreiten, auch wenn nur eine Minderheit betroffen ist. Und auch eine zweite Unterscheidung spielt eine Rolle: Es gibt kultisches und weltliches Läuten.

Kultisch läuten die Glocken, wenn sie zum Gebet rufen, weltlich, wenn mit dem Stundenschlag die Zeit angekündigt wird.

Diese Unterscheidung macht nicht nur die IG Stiller, sondern auch das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, als es 2006 den nächtlichen Glockenschlag in Gossau ZH beurteilen musste und für zulässig erklärte. Ein Entscheid, den das Bundesgericht im Januar dieses Jahres stützte.

So kontrovers wie komplex

Beim kultischen Geläute spielt der Gesichtspunkt der Religionsfreiheit eine Rolle; beim weltlichen Läuten kommt es auf die Akzeptanz durch die Bevölkerung an. Wobei Guido Corazza deutlich macht, dass auch der Stundenschlag mit Kirche in Verbindung gebracht wird. Gerade vor dem Hintergrund der Islamdiskussion sei man schlecht beraten, solche als christlich empfundene Zeichen vorschnell aufzugeben.

Die Glockenfrage ist nicht nur kontrovers, sondern auch komplex. Dies zeigen die Fragen in der Diskussionsrunde: Warum richtet sich die IG Stiller nur gegen den Glockenklang und nicht gegen den Partylärm? Will sie der Kirche eins auswischen? Und warum nimmt jemand eine Wohnung neben einem Glockenturm? Samuel Büechi bezeichnet sich jedoch als aktiven Kirchenchristen, allerdings als einen, der auch Ruhe wünsche.

Dass man sich auf den «Lärm» vom Kirchturm konzentriere, geschehe deshalb, weil das niemand anders tue.

Für politische Lösung

Ein endloser Streit? Von den Gerichten sei schwerlich eine allgemein akzeptierte Lösung zu erwarten, meint Peter Hettich; denn diese müssen jeden Fall einzeln beurteilen. Seiner Meinung nach müsste man zusammensitzen und eine politische Lösung suchen.

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