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UNIVERSITÄT: HSG macht wichtigen Schritt in die Stadt

Im Rahmen des Dies Academicus hat die Universität St. Gallen ihr neues Lehr- und Forschungsgebäude über der ehemaligen 24-Stunden-Tankstelle am Unteren Graben eingeweiht – Signal für die Bewegung Richtung Stadtzentrum.
Nina Rudnicki
Prächtige Aussichten für die HSG in der Stadt St.Gallen: Dachterrasse des neuen Lehr- und Forschungsgebäudes am Unteren Graben. (Bild: Michel Canonica)

Prächtige Aussichten für die HSG in der Stadt St.Gallen: Dachterrasse des neuen Lehr- und Forschungsgebäudes am Unteren Graben. (Bild: Michel Canonica)

Die HSG rückt näher an die Stadt: Am Samstag wurde ihr neues Lehr- und Forschungsgebäude Müller-Friedberg zwischen dem Unteren Graben und der Müller-Friedberg-Strasse für die Bevölkerung geöffnet. Die Universität St.Gallen (HSG) will dank den neuen Räumen über der ehemaligen 24-Stunden-Tankstelle ein besser wahrnehmbarer Teil der Stadt St.Gallen werden, als sie es bisher auf dem abgelegenen Rosenberg ist. Auch HSG-Rektor Thomas Bieger bezeichnete am Rande des Dies Academicus den Einzug ins neue Gebäude als «wichtiges Zeichen». Die Uni lebe von Ideen und aktuellen Fragen aus Wirtschaft und Gesellschaft. «Es ist daher wichtig, aus dem Elfenbeinturm zu kommen», so Bieger.

Wichtig sei dieser Schritt auch hinsichtlich der geplanten Campus-Erweiterung der Universität beim St.Galler Platztor. Das Areal befindet sich rund 200 Meter unterhalb des neuen Forschungsgebäudes. Am Platztor sollen in einigen Jahren Räume für 3000 Studierende entstehen.

Forschung und Lehre näher zusammenbringen

Das nun eingeweihte Forschungsgebäude mit 350 Arbeitsplätzen ist laut Rektor Bieger daher auch ein Experimentierraum dafür, wie sich Forschung und Lehre näher zusammenbringen lassen. Im Gebäude finden sich auf drei Etagen Arbeitsplätze, Seminarräume, eine Dachterrasse und Begegnungsräume. Letztere sind grosszügig und modern gestaltet: Es gibt Sofaboxen, Stehtische, Bibliothek-Ecken, kleine Küchen mit Kaffeemaschinen und Telefonkabinen in knalligen Farben, in denen es Platz für einen Tisch und zwei Stühle gibt. «Ich habe schon mehrmals von Mitarbeitenden die Rückmeldung bekommen, es brauche gar keine Sitzungszimmer mehr», sagte Hans Jörg Baumann, HSG-Leiter Immobilien. Baumann ist überzeugt: Diese Art der Zusammenarbeit und des Austausches ist die Zukunft der Universität. Verschiedene Institute und Schools sowie ein Weiterbildungsprogramm teilen sich die 6700 Quadratmeter grosse Fläche.

Brexit, Kunst, China und die schöne Dachterrasse

Am Einweihungstag hielten Professoren und Dozenten der HSG Referate zu Themen aus ihren Fachbereichen und Forschungsgebieten. Auf dem Programm standen Themen wie «Krise & Neubeginn: 100 Jahre Estland», «Kunst an der Universität St.Gallen», «Digitalisierung in Unternehmen», «Supermacht China» und «Brexit & Co». Vor den Seminarräumen standen die Besucherinnen und Besucher teilweise Schlange, um einen Platz für das Referat ihrer Wahl zu ergattern. Für das Referat über Estland habe sie sich spontan entschieden, weil sie darüber nicht viel wisse, sagt eine Frau. Die Themenvielfalt ­finde sie spannend.

Anwesend an der Einweihung waren auch Studierende verschiedener Studentenverbindungen. Sie sei völlig überrascht, wie schön das Gebäude, die Büros und Arbeitsplätze seien. Das habe sie nicht erwartet, sagte eine Studentin, die mit drei Kolleginnen gerade von der Dachterrasse schwärmte. Dieses ist denn auch das Highlight am sonnigen Tag der offenen Tür. Das wusste die HSG zu inszenieren: Bei Risotto, gebratenen Nudeln, Bier, Wein, Limonaden, kleinen Häppchen und Live-Musik konnten die Besucherinnen und Besucher ihren Blick über die umliegenden Hausdächer auf die Stadt schweifen lassen.

Auch Rektor Bieger war von der Stimmung und dem Besucherandrang angetan. Er sagte: «Ich bin zufrieden. Es sind sehr viele Freunde, öffentliche Vertreter, Besucher von ausserhalb von St.Gallen und vor allem viele St.Gallerinnen und St.Galler hier.»

Ehrentitel für Frauenrechtlerin und Staatsanwalt

Die Einweihung des neuen Lehr- und Forschungsgebäudes in der Stadt feierte die Universität St.Gallen (HSG) gleichzeitig mit ihrem höchsten Feiertag, dem Dies Academicus. Im Beisein von vielen Universitätsangehörigen und Gästen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Bevölkerung ehrte die HSG vier Persönlichkeiten mit der Ehrendoktorwürde. Robert A. Burgelman von der Graduate School of Business der Stanford University (USA) erhielt den Ehrendoktor der Wirtschaftswissenschaften (Dr. oec. h. c.) für seine «herausragenden wissenschaftlichen Leistungen im Bereich des strategischen Managements, insbesondere hinsichtlich der Gestaltung von Strategieprozessen und der strategischen Erneuerung von Unternehmen», wie es heisst. Monika Hauser von der Frauenrechts- und Hilfsorganisation «medica mondiale» wurde für «ihre herausragende Pionierarbeit zu Gunsten von Frauen, die von sexualisierten Formen der Gewalt betroffen sind» mit dem Ehrendoktor der Staatswissenschaften (Dr. rer. publ. h. c.) gewürdigt. Den Ehrendoktor der Rechtswissenschaft (Dr. iur. h.c.) verlieh die HSG dem Ersten Staatsanwalt des Kantons St.Gallen, Thomas Hansjakob – «für seine ausserordentlichen Verdienste um das Recht als Staatsanwalt, Forscher und Dozent, insbesondere in den Bereichen des Strafrechts und des Strafprozessrechts». Schliesslich wurde Yves Daccord vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geehrt: «Die Universität St.Gallen würdigt mit der Ehrendoktorwürde der Sozialwissenschaften (Dr. rer. soc. h. c.) eine bedeutende Persönlichkeit im Bereich des humanitären Einsatzes in Krisengebieten dieser Welt. Seine herausragenden Verdienste um die Geschicke des IKRK verdienen unseren höchsten Respekt.»

Den Preis der Fondation Latsis Internationale, Genf, zur Förderung junger Forscherinnen und Forscher erhielt Assistenzprofessor Thomas Epper. Der Lateinamerikapreis für Dissertationen an schweizerischen Universitäten, verliehen durch den Fonds zur Förderung der Lateinamerikaforschung der HSG, ging an Fabian François Müller. Die Studentenschaft der HSG verlieh zwei Preise: Der Preis für exzellente Lehre (Credit Suisse Award for Best Teaching) ging an Vito Roberto, Professor für Privat-, Handels- und Wirtschaftsrecht. Und den Mentorpreis erhielt Ulrike Landfester, Prorektorin Aussenbeziehungen und Professorin für Deutsche Sprache und Literatur.

Rektor Thomas Bieger pochte in seiner Festrede auf die Bedeutung der lokalen Verankerung im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung: «Von Kanton, Stadt und der Wirtschaft gegründet, bringt keine andere Universität den Gedanken einer regional eingebetteten Universität so gut zum Ausdruck. » (mel)

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