Uni nimmt Schweiz unter die Lupe

Bankgeheimnis, Arbeitsmarkt und Wandel der Tourismusbranche: Das neue Programm der öffentlichen Vorlesungen an der Uni St. Gallen setzt den Themenschwerpunkt auf die Schweiz. Auch die Stadt St. Gallen kommt darin nicht zu kurz.

Christina Weder
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Das Frühjahrssemester steht vor der Tür: Die HSG öffnet die Hörsäle nicht nur für Studenten, auch die interessierte Öffentlichkeit hat Zugang. (Archivbild: Ralph Ribi)

Das Frühjahrssemester steht vor der Tür: Die HSG öffnet die Hörsäle nicht nur für Studenten, auch die interessierte Öffentlichkeit hat Zugang. (Archivbild: Ralph Ribi)

Noch nie hat die Universität St. Gallen bei den öffentlichen Vorlesungen so viele Besucherinnen und Besucher gezählt wie im vergangenen Herbstsemester. 38 Vorlesungen standen zur Auswahl. Sie wurden durchschnittlich von 69 Interessierten besucht. In den beiden Vorjahren waren es um die 50 Besucher pro Vorlesung.

Viele von ihnen sind Stammgäste. Caspar Hirschi, der Leiter des Vorlesungsprogramms, sagt: «Kontinuität ist bei uns wichtig.» Gerade Dozenten, die regelmässig vortragen, könnten auf ein treues Publikum zählen. Ein Zugpferd sei auch die Kinder-Uni. Sie wurde von bis zu 400 Kindern besucht.

Aktuelle Debatten aufgreifen

In zwei Wochen, am 16. Februar, startet das Frühjahrssemester an der HSG mit einem neuen Programm. Dieses umfasst 41 öffentliche Vorlesungen. Die Auswahl ist gewohnt vielfältig. Programmleiter Hirschi setzt den thematischen Schwerpunkt diesmal auf die Lage der Schweiz in einer zunehmend vernetzten Welt. «Wir versuchen, stärker auf die Aktualität einzugehen», sagt er.

Themen der Vorlesungen sind die Geschichte des Bankgeheimnisses und die Bedeutung des Völkerrechts für die Schweizer Verfassung und Rechtsprechung. Beleuchtet werden auch die aktuellen Herausforderungen für den Schweizer Arbeitsmarkt unter den Vorzeichen des Fachkräftemangels und der veränderten Einwanderungsbedingungen.

Schliesslich nimmt Michael Hermann, bekannt als Kommentator des politischen Geschehens, das Schweizer Politikmodell unter die Lupe. Er stellt die Frage, ob es eine Zukunft hat. Eine weitere Vorlesung behandelt den Wandel der Tourismus-Branche am Beispiel des Verbands St. Gallen-Bodensee-Tourismus, der dieses Jahr sein 125-Jahr-Jubiläum feiert.

Peter Stamm als Referent

Der Ostschweizer Schriftsteller Peter Stamm ist in der Poetik-Vorlesung zu Gast. Er sucht nach Antworten auf die Frage, weshalb er schreibt. Und er spürt den wiederkehrenden Themen seiner Erzählungen nach, die ihn in seine Kindheit im Thurgau zurückführen.

Städtische und regionale Aspekte kommen auch dieses Semester nicht zu kurz. Architekt Martin Schregenberger, der über 20 Jahre bei der städtischen Denkmalpflege arbeitete, nimmt sich der Architektur der Stickereizeit an und spricht über Business, Bauten, Baumeister und Bauherren.

Wanderungen an den Stadtrand

Wiederum werden Stadtwanderungen in St. Gallen angeboten. Drei von ihnen führen an die geographischen Randgebiete der Stadt im Riethüsli, in Rotmonten und im äussersten Osten. Eine vierte führt aufs viel diskutierte Areal des Güterbahnhofs und dessen Umgebung. Mit von der Partie sind Stadtbaumeister Erol Doguoglu, Dorothee Guggenheimer und Stefan Sonderegger vom Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St. Gallen und Marcel Mayer vom Stadtarchiv der Politischen Gemeinde St. Gallen.

Der Historiker Max Lemmenmeier schlägt ein Kapitel in der Regionalgeschichte auf und spricht über den Wandel von Kindheit und Jugend in den vergangenen 200 Jahren im Kanton St. Gallen. In einem kulturellen Teil gewährt schliesslich Tim Kramer, Schauspieldirektor am Stadttheater, Einblick in die Entstehung eines ungewöhnlichen Theaterabends, der Zirkus und Theater verbindet. Ende Mai wird das Theater St. Gallen das Seiltänzerstück «Katharina Knie» von Carl Zuckmayer aufführen.

Das vollständige Programmheft mit allen Daten kann unter www.unisg.ch eingesehen oder bei der Kommunikationsstelle der Uni unter 071 224 22 25 bestellt werden.

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