Uni-Bar darf weiter Alk servieren

ST.GALLEN. Wegen eines vertraglichen Alkoholverbots war die Studentenbar an der Universität kurzfristig in Erklärungsnot geraten. Nun sind Erben der Schenkerin aufgetaucht, welche die Auflage im Jahr 1930 ausgesprochen hatte. Sie zeigen sich gnädig.

Odilia Hiller
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Für Mojito, Latte und «Caipi»: Die Ad-hoc-Bar der HSG-Studentenschaft gestern abend. (Bild: Hanspeter Schiess)

Für Mojito, Latte und «Caipi»: Die Ad-hoc-Bar der HSG-Studentenschaft gestern abend. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Universität und die Studentenschaft können aufatmen: Der Status ihrer Campus-Bar, die auch harten Alkohol ausschenkt, ist nachträglich legalisiert. Die Nachfahren der Gönnerin, die im Jahr 1930 der Stadt das Gelände mit Auflagen geschenkt hatte, sind milde gestimmt: Sie bestehen nicht auf der Einhaltung der damals festgelegten Klausel, wonach auf dem Kirchhofergut – so der Name des Areals – keine «Wirtschaften und Vergnügungsstätten» betrieben werden dürfen.

«Eine relativ strenge Dame»

Zwar gehen die von der Stadt ausfindig gemachten Nachfahren der Kirchhofer-Nichte Lily Heer-Huber davon aus, dass es ihrer Ur- beziehungsweise Grossmutter mit dem Verbot alkoholischer Getränke ernst war (siehe Kasten). «Meine Urgrossmutter war in gewissen Fragen eine relativ strenge Dame», sagt Urenkel Martin Farner, ein Rechtsanwalt und ehemaliger Richter aus Zürich. Er und seine Schwester sowie zwei Enkel der Schenkerin seien sich aber bewusst, dass die Klausel in einer «ganz anderen Zeit» ausgesprochen wurde.

«Für uns hat sich die Frage gestellt, ob wir so lange Zeit danach der Universität noch derartige Vorschriften machen müssen», sagt Farner. Allerdings hoffen er und seine Verwandten auf einen verantwortungsvollen Umgang der Universität mit dem Thema Alkohol. «Die Klausel ist damit keineswegs aufgehoben. Wir würden es selbstverständlich bedauern, wenn die Bar ein Ort für Botellones oder ähnliches würde.»

Für die Stadt St.Gallen als Eigentümerin des Kirchhofergutes, das diese dem Kanton für den Bau der HSG im Baurecht überlassen hatte, ist die Sache damit gelöst und abgehakt. Allerdings möchte sie sich bei den in der ganzen Schweiz verstreuten Nachfahren von Lily Heer-Huber für das Entgegenkommen noch erkenntlich zeigen. «Wir haben die Erben nach St.Gallen eingeladen und würden ihnen gerne einmal das Gelände zeigen, das ihrer Vorfahrin gehörte», sagt Stadtschreiber Manfred Linke.

Universität ist froh und dankbar

Die Universität ist ebenfalls froh und dankbar, «dass die Erben diesen für alle Beteiligten vernünftigen Lösungsweg vorgeschlagen haben», schreibt HSG-Verwaltungsdirektor Markus Brönnimann. Auf die Frage nach der Umsetzung des von den Erben geforderten «verantwortungsvollen Umgangs» mit dem Thema Alkohol sagt er: «Bei über 7000 Studierenden und rund 2000 Mitarbeitenden ist es sicher sinnvoll, dass auch Angebote gastronomischer Art beziehungsweise Möglichkeiten für einen Feierabendkaffee angeboten werden.» Dies sei aber eine «sekundäre Aufgabe» der Universität. Ob bei einem späteren Ausbau weitere Gastroangebote realisiert würden, könne aus heutiger Sicht nicht beurteilt werden. Damit lässt die Universität offen, ob noch weitere Bars hinzukommen könnten. Der Verwaltungsdirektor bestätigt auch, dass mit dem Leiter der Stiftung Suchthilfe auf Initiative der Universität hin ein «konstruktives Gespräch» stattgefunden hat: «Es wurden verschiedene Möglichkeiten besprochen, wie das Themengebiet der Suchtprävention bei uns aufgegriffen werden könnte.»