Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

UNENDLICHE GESCHICHTE: Jetzt kann man das Paradies mieten

Das Restaurant Paradiesli an der Mündung des Alten Rheins hat im Dezember 2009 seine Türen geschlossen. Nun dürften sie in absehbarer Zeit wieder aufgehen. Aber nicht, um Gäste des Ausflugsrestaurants zu bewirten.
Rudolf Hirtl
Tolle Aussicht, bescheidene Infrastruktur; die öffentlich zugängliche Terrasse auf dem Hafengebäude.

Tolle Aussicht, bescheidene Infrastruktur; die öffentlich zugängliche Terrasse auf dem Hafengebäude.

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Einfamilienhaus mit wunderschöner Aussicht direkt am Alten Rhein zu vermieten – das ist auf einer Webseite zu lesen, die auch in der Region Rorschach Immobilien vermittelt. Mit dem vielen Umschwung zum «Schnäppchenpreis» von 3000 Franken im Monat. Das wäre nicht weiter ungewöhnlich, würde es sich nicht um das Haus an der Rheinhof­strasse 38 in Altenrhein handeln. Besser bekannt als Restaurant Paradiesli. Dort ist nicht nur Model, Sängerin und Moderatorin «Paloma» Würth aufgewachsen, während Jahrzehnten war das Haus auch ein überaus beliebtes Ausflugsrestaurant. War, denn im Dezember 2009 gingen dort die Lichter aus.

Eine Zwangsschliessung des Betriebes war im Juni 2008 noch in letzter Sekunde abgewendet worden. Die Schliessung durch die Polizei drohte, weil bauliche Auflagen nicht erfüllt wurden. Die Beanstandungen betrafen allerdings Objekte, die zum Teil bereits vor 28 Jahren errichtet und von der Gemeinde geduldet wurden. Damit war Schluss, als eine Einsprecherin alle möglichen rechtlichen Hebel in Bewegung setzte und die Würth Immobilien AG, Besitzerin der Liegenschaft, mit Einsprachen zudeckte.

Lange geduldet, aber rechtlich nicht zulässig

«Es kann nur oder erst ein neues Patent ausgestellt werden, wenn baurechtlich geklärt ist, in welchem Umfang das ‹Paradiesli› betrieben werden kann», hiess es damals im Schreiben des Gemeinderates. Zu einer Wiedereröffnung kam es allerdings seither nicht mehr. In Frühling 2014 kam dann Bewegung in die Sache. Die Würth Immobilien AG legte ein Baugesuch für die Erweiterung des «Paradiesli» auf. Vorgesehen war ein Holzelementbau mit Verglasung, der Platz für 70 Gäste bietet. In der Gartenwirtschaft sollten 46 Personen bewirtet werden. Die widerrechtlich erstellten Bereiche Abwasch und Grill, die in der Vergangenheit zu Reklamationen und Diskussionen führten, sollten in das Gebäude integriert werden. Wenig überraschend haben sich auch gegen dieses Projekt fristgerecht zwei Einsprecher ausgesprochen. Auch nachträglich planerische Abpassungen durch Ruedi Gantenbein vom gleichnamigen Architekturbüro in Wienacht haben offensichtlich nicht gefruchtet, denn seit einigen Wochen wird das ehemalige Ausflugsrestaurant wie eingangs erwähnt zur Miete angeboten.

Sind die Pläne für ein Restaurant also vom Tisch? Sonia Würth will sich auf Anfrage nicht dazu äussern. Ärger und Enttäuschung ihrerseits sind aber nicht zu überhören. Architekt Ruedi Gantenbein macht hingegen keinen Hehl aus seinem Unmut. «Man kann hier Planverfahren mit fadenscheinigen Gründen so lang flachdrücken, bis sie im Sand verlaufen oder Investoren zu Plan B greifen.» Er zeigt sich überrascht, dass das Haus nun vermietet wird. «Vermutlich ist der Familie Würth die Sache verleidet.»

Der Gemeinderat könne das Baurecht nicht ignorieren, sagt Thals Gemeindepräsident Robert Raths, nach den Gründen gefragt, weshalb das Baugesuch abgelehnt wurde. Und wieso wurde der Betrieb des «Paradiesli» vor 2009 jahrzehntelang geduldet? «Wo kein Kläger, da kein Richter», sagt Raths und verweist dar­auf, dass das Restaurant dem Baurecht unter anderem wegen dem zu geringen Abstand zum Wasser nicht entspreche. Dies steht allerdings im Widerspruch zur Aussage des damaligen Thaler Bauamtschefs: «Das Grundstück befindet sich in der Intensiverholungszone Tourismus.» Fakt ist, dass der Gemeinderat das Baugesuch abgelehnt hat, gemäss dem heutigen Bauamtschef Herbert Perchtold, weil das aufgelegte Projekt baurechtlich nicht konform war. Einerseits wegen der Parkplatzsituation und andererseits wegen der Lärm- und Geruchsemissionen, die der Betrieb eines Restaurants mit sich bringe. Die Würth Immobilien AG habe das Erweiterungsprojekt nicht mehr neu aufgelegt.

Ausflugsziel mit Weitblick

Spaziergängern und Velofahrern steht mit dem im Mai 2009 im neuen Hafengebäude eröffneten «Rheinspitz» dennoch ein Restaurant an der Mündung des Alten Rheins zu Verfügung. Allerdings hat es für Radler in kurzen Hosen und verschwitzten Shirts einen zu edlen Touch. Diese dürften sich auf der über 350 Quadratmeter grossen Dachterrasse wohler fühlen, die durch einen eigenen Zugang erreichbar ist. Oben angekommen, zehn Meter über der Mündung des Alten Rhein, bietet sich eine fantastische Rundumsicht auf See, Fluss und Hinterland. Mit der Terrasse wurde der Bevölkerung sozusagen der Rheinspitz zurückgegeben, zumal der Verein Marina Rheinhof einen Teil der Halbinsel mit der Camping- und Hafenanlage belegt. Die Badewiese auf der Halbinsel ist während der Sommersaison gegen Eintritt zugänglich – ansonsten aber gilt; «geschlossene Gesellschaft».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.