Unbeirrte Band, unterkühltes Festzelt

Sie lassen sich nicht beeindrucken. Auch wenn die Temperatur im Festzelt am Unteren Brühl etwa der Stimmung entspricht: eher kühl, wenn nicht gar unterkühlt. Aber die «Mürztaler» spielen, als wären da statt 30 Zuhörer deren 100.

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Leere Bänke, motivierte Band: Gestern im Festzelt. (Bild: Malolo Kessler)

Leere Bänke, motivierte Band: Gestern im Festzelt. (Bild: Malolo Kessler)

Sie lassen sich nicht beeindrucken. Auch wenn die Temperatur im Festzelt am Unteren Brühl etwa der Stimmung entspricht: eher kühl, wenn nicht gar unterkühlt. Aber die «Mürztaler» spielen, als wären da statt 30 Zuhörer deren 100. Der Sänger klatscht auf der Bühne in die Hände, ruft «Jawoll, shake your booty, baby» ins Mikrophon. Mit mässigem Erfolg: Zu mehr als einem Wippen mit dem Bein lassen sich die meisten nicht hinreissen. Aber es ist ja auch der erste Olma-Abend und kurz nach Feierabend.

An einem der Festbänke sitzen zwei Blondinen vor ihrem Bier. «Echt lässig» sei es hier, «so fätzigi Musig», sagt die eine. Der Sarkasmus ist nicht zu überhören. Die beiden St. Gallerinnen sind hierher gekommen, weil es in der Degustationshalle zu eng wurde.

Die Band macht eine kurze Pause. Schon seit Jahren treten die Österreicher während der Olma im Festzelt auf. «Am Freitag- und Samstagabend ist jeweils richtig viel los, das entschädigt für Abende wie heute», sagt einer von ihnen. Dann geht's zurück auf die Bühne. «Zünftige Blasmusik», «Marschmusik für Fortgeschrittene» und «Polka aus längst vergangener Zeit» geben sie zum Besten. Und letzterer reisst dann doch noch den einen oder anderen von der Festbank. Ein Paar wagt sich sogar vor die Bühne und tanzt: Er dauerlächelnd, sie ein bisschen steif. Im hinteren Teil des Zeltes dreht sich ein Behinderter selbstvergessen im Kreis. Was ein Teenager-Mädchen dazu veranlasst, ihn anzutanzen. Als ihre Freunde lachen und ihre Handys zücken, um die Szene zu filmen, hört das Mädchen damit auf.

Ein wenig später füllt sich das Zelt ein bisschen mehr. Ein älterer Mann kaut zufrieden seine Bratwurst, während die Band «Puppe, du bist das Salz in meiner Suppe» spielt. Er habe eigentlich den Jahrmarkt besuchen wollen. «Aber dann bin ich hier hängengeblieben. Und hier kann es ja nur noch besser werden», sagt er. Und ist mit dieser Hoffnung an diesem Abend vermutlich nicht ganz allein. (mke)

Während der Olma herrscht rund um das Messegelände viel Betrieb. Wir besuchen jeden Abend einen anderen Ort, wo gefeiert wird.