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UMZUG: Seinem Dorf den Rücken gekehrt: «Die Gerüchte sind Unsinn»

Marius Geiger, jüngstes Mitglied des Gemeinderats Untereggen, sei heimlich nach St. Gallen gezogen. Das sagt man im Dorf. Der Betroffene dementiert. Vom Gemeindepräsidenten erhält er Rückendeckung.
Martin Rechsteiner
In Untereggen hält sich scheinbar hartnäckig das Gerücht, der Gemeinderat Marius Geiger sei weggezogen. (Bild: Michel Canonica)

In Untereggen hält sich scheinbar hartnäckig das Gerücht, der Gemeinderat Marius Geiger sei weggezogen. (Bild: Michel Canonica)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@tagblatt.ch

In jedem Dorf gibt es Dinge, die sich Nachbarn hinter vorgehaltener Hand über den Gartenzaun flüstern. Auch in Untereggen. Dort sagt man sich offenbar, dass Gemeinderat Marius Geiger seinem Dorf den Rücken gekehrt hat und schon länger in St. Gallen wohnt.

Marius Geiger ist erstaunt darüber und dementiert: «Ich habe meinen Wohnsitz nach wie vor in Untereggen. Und ein Wegzug ist noch nicht geplant.» Er sei aber schon ab und zu unterwegs, räumt der 28-Jährige ein. «In meinem Alter ist das halt so.» So sei er derzeit oft abwesend, weil er seit September und noch bis im Mai Zivildienst als Klassenhilfe an der Oberstufe in Bischofszell leiste. «Auch bin ich während der Wintersaison als Skilehrer tätig und deshalb in den Bergen unterwegs.» Hinzu kommt die Höhere Fachschule für Betriebswirtschaft in St. Gallen, die Geiger besucht. Und ebenfalls ab und zu von Untereggen fern hält den jungen Mann die Liebe: Seine Freundin wohnt in St. Gallen.

«Ich fühle mich aber nach wie vor mit meiner Gemeinde Untereggen verbunden und bin gerne im Rat», betont Marius Geiger. Dass er eine Schwäche fürs Reisen hat, zeigte der junge Gemeinderat bereits 2014, kurz nach seiner Wahl: Damals ging er für einige Monate ins Ausland.

«Das ist normal in jungen Jahren»

Der Unteregger Gemeindepräsident, Norbert Rüttimann, ist zufrieden mit seinem jungen Ratsmitglied. «Marius Geiger macht seine Arbeit im Gemeinderat sehr gut. Mit den Kommissionen, die er vertritt, ist alles in Ordnung.». Von Gerüchten im Dorf, Geiger habe seinen Wohnsitz verlegt, habe Rüttimann gehört. «Sie sind Unsinn», sagt er.

Auch der Gemeindepräsident weiss, dass Geiger an verschiedenen Orten engagiert ist. «Das ist doch normal in jungen Jahren; und solange sein Amtsgeschäft als Gemeinderat nicht darunter leidet, auch völlig in Ordnung.» Beim Festlegen von Terminen für die Ratssitzungen müsse man ohnehin Rücksicht aufeinander nehmen. «Wir alle haben ja zu tun nebst unseren Mandaten.» Marius Geiger fehle bei Gemeinderats-Treffen so gut wie nie.

Im Kanton St. Gallen gibt es Ausnahmen

«Wie oft ein Ratsmitglied in der Gemeinde präsent sein muss, ist nicht vorgeschrieben», sagt Alexander Gulde, Leiter des Amts für Gemeinden des Kantons St. Gallen. «Ein Gemeinderat muss die Erfüllung seiner Amtsgeschäfte gewährleisten. Wie oft er sich dafür in der Gemeinde zeigt, muss er selber entscheiden.» Ob er seine Geschäfte im Griff habe, werde sich bei den nächsten Wahlen weisen.

Ein Wegzug aus der Gemeinde sei für Ratsmitglieder grundsätzlich nicht möglich. «Ansonsten muss er zurücktreten und die Amtsgeschäfte niederlegen», sagt Gulde. Es gibt aber Ausnahmen. Der Kanton stellt zum Beispiel Sonderbewilligungen aus, wenn ein Gemeinderat sein Mandat zwar niederlegen und in eine nahe gelegene Gemeinde ziehen will, sein Sitz aber noch nicht besetzt werden konnte.

Und auch beim Zuzug von Neugewählten gibt es Sonderbewilligungen: So erhalten frischgebackene Ratsmitglieder in gewissen Fällen eine Frist, in der sie ihren Wohnsitz in die betreffende Gemeinde verlegen müssen. «Wenn wichtige Gründe vorliegen und die Erfüllung der Amtsgeschäfte gewährleistet ist, kann die gewählte Person bis zu einem Jahr nach Amtsantritt zuziehen», heisst es vom Amt für Gemeinden. Hauptgrund für einen späteren Zuzug sei vor allem die Wohnungssuche.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist Dominik Gemperli (CVP). Die Goldacher Bevölkerung wählte ihn im September 2016 zum Gemeindepräsidenten. Er verlegte seinen Wohnsitz aber erst vor kurzem von Andwil im Fürstenland an den See – rund ein Jahr nach seinem Amtsantritt.

Im Vergleich zu anderen Kantonen ist St. Gallen mit seiner Gesetzgebung zu den Wohnsitzpflichten, relativ liberal. Der Heidler Gemeindepräsident Gallus Pfister zum Beispiel musste 2015 zu einer Wahlwiederholung antraben, weil er zum Zeitpunkt seines ersten Wahlsiegs noch nicht in Heiden gewohnt hatte. Die Ausserrhoder Gesetzgebung war damals um einiges rigoroser. Eine Lockerung ist aktuell jedoch vorgesehen.

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