UMZUG: Poststrasse bald ohne Poststelle

Die Postfiliale in Gossau zieht im Frühjahr 2018 ins Perron 3 beim Bahnhof. Grund ist die geplante Grossüberbauung am bisherigen Standort. Noch ist offen, ob die Post an die Poststrasse zurückkehrt.

Noemi Heule
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Im Perron 3 am Bahnhof zieht 2018 ein neuer Mieter ein. Noch ist nicht sicher, ob sich die Post dauerhaft niederlässt. (Bild: Ralph Ribi)

Im Perron 3 am Bahnhof zieht 2018 ein neuer Mieter ein. Noch ist nicht sicher, ob sich die Post dauerhaft niederlässt. (Bild: Ralph Ribi)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Die Poststrasse in Gossau könnte bald ihren Namensgeber verlieren. Zumindest vorübergehend, möglicherweise endgültig. Wie die Post gestern mitteilte, soll die Poststelle im Frühjahr 2018 ins Perron 3 gegenüber des Bahnhofs ziehen. Die Filiale müsse aufgrund der Bauarbeiten für die geplante Überbauung an der Poststrasse 6 umziehen, heisst es weiter. Die Post lässt derzeit offen, wann und vor allem ob sie nach Bauende wieder an ihren ursprünglichen Standort zurückkehrt.

«Wir kennen den genauen Zeitplan der Bauarbeiten an der Poststrasse nicht», wird René Wildhaber, Leiter des Post-Verkaufsgebiets St. Gallen-Appenzell zitiert. Dies, obwohl die Post, zusammen mit der St. Galler Modefirma Akris, selbst der Bauherrschaft angehört. 2013 stellten die beiden Initianten das gemeinsame Projekt vor. Geplant sind Gewerbeflächen sowie 50 Mietwohnungen, verteilt auf bis zu sechs Geschossen. Ein Bau in dieser Höhe setzt eine Umzonung der Parzelle sowie einen Überbauungs- und einen Gestaltungsplan voraus. Seither verzögerte sich der Baustart zusehends. Damals erhofften sich die beiden Eigentümer der Parzellen eine Baubewilligung per Herbst 2014. Sie wurde bis heute nicht erteilt.

Baustart Überbauung Poststrasse vertagt

Momentan ist ein Rekurs gegen das Vorhaben beim kantonalen Baudepartement hängig, wie Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Gossau, auf Anfrage sagt. Zwei Parteien hatten 2016 Einsprache eingereicht, beide zogen weiter an den Kanton. Wann ein Entscheid fällt, ist derzeit noch völlig offen. «Das Verfahren kann sich noch Monate hinziehen», sagt Salzmann.

Die Post wird deshalb ihre Filiale an der Poststrasse verlassen, lange bevor dort die Bagger auffahren. «Für uns hat sich die einmalige Möglichkeit ergeben, einen Standort beim Bahnhof zu eröffnen», sagt Markus Werner, Pressesprecher der Post. «Diese mussten wir ergreifen, unabhängig vom Zeitplan der Überbauung», ergänzt er. Poststellen direkt am Bahnhof hätten sich anderorts etabliert. «Die Kunden können ihre Postgeschäfte auf dem Arbeitsweg erledigen.» Der Entscheid über den definitiven Verbleib der Filiale will die Post allerdings erst fällen, wenn sie erste Erfahrungen am Bahnhof gesammelt hat und klar ist, ob sich der neue Standort auch wirtschaftlich bewährt. Klar ist: Die Überbauung an der Poststrasse wird losgelöst von einer möglichen Postfiliale vorangetrieben.

Die Post wird im Perron 3 das leerstehende Ladenlokal an der Stadtbühlstrasse beziehen. Dort, wo früher ein «Migrolino» untergebracht war. Hinzu kommen Postfächer im Innern des Gebäudes. Sie verfügt damit über eine Verkaufsfläche von rund 170 Quadratmetern, plus 60 Quadratmeter Fläche für das Back-Office.

Im Prestigebau des Perrons 3 steht seit Eröffnung 2009 Gewerbefläche frei. Momentan, vor Einzug der Postfiliale, sind laut René Vogel von der Immobilienfirma Wincasa noch immer bis zu 900 Quadratmeter ungenutzt. Jene Verkaufsflächen, die von aussen her einsehbar sind, seien einfach zu vermieten. Dagegen fänden Ladenlokale ohne Fensterfronten kaum Interessenten. Die geringe Nachfrage nach freistehenden Flächen an bester Lage war denn auch einer der Kritikpunkt gegen die Überbauung an der Poststrasse, wo wiederum Raum für das Gewerbe entstehen soll.