Umzug der Steinböcke

Gestern früh sind die Steinböcke im Wildpark Peter und Paul auf den sanierten Kletterfelsen zurückgekehrt. Nach kurzem Beschnuppern haben sie ihn erobert. Einer allerdings war bockig.

Fredi Kurth
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Zuerst skeptisch, dann doch munter unterwegs: Die Steinböcke auf dem Weg in ihr neues Daheim. (Bilder: Urs Jaudas)

Zuerst skeptisch, dann doch munter unterwegs: Die Steinböcke auf dem Weg in ihr neues Daheim. (Bilder: Urs Jaudas)

Steinböcke sind Frühaufsteher. Zumindest sind sie alle schon auf den Beinen, als sich kurz nach sieben Uhr eine Schar merkwürdiger Gestalten ihrer bisherigen Behausung nähert. Medienschaffende und Mitglieder der Wildparkgesellschaft sind es. Aber nicht zu viele, damit Böcke und Geissen auf ihrem rund 150 Meter langen Umzug von den kleinen zum grossen Felsen ihre Ruhe haben.

Es ist kein gewöhnlicher Tag im Wildpark Peter und Paul. Das spürt man. Der Weg an den Gittern vorbei ist abgesperrt. Karl Müller, Präsident der Wildparkgesellschaft, und Parkwärter Walter Signer versuchen, sich die Rolle der nervösen Hauptfigur gegenseitig zuzuschieben. Und die Steinböcke, sind sie auch unruhig? «Sie sind nur neugierig», entgegnet Museumsdirektor Toni Bürgin.

Einer hat null Bock

Um 7.25 Uhr setzt sich die Umzugsgesellschaft in Bewegung, neun Steinböcke, unter ihnen drei Jungtiere, flankiert von Wärtern und Helfern. Wer geglaubt hat, das Rudel würde nun im schnellen Galopp dem neuen Daheim zustreben, sieht sich getäuscht. Die Kameraleute haben alle Zeit, ihre Objektive zu richten. Die Tiere bleiben stehen. Ein Jungtier hat sich gar abgesetzt und eilt später Richtung kleine Felsen zurück. Es hat null Bock auf den Umzug. Nun heisst es: Alle nochmals zurück, denn nur in der Gruppe kann der Einzug erfolgen.

Im zweiten Anlauf klappt es, und siehe da: Wer drängt nun zuvorderst auf den Eintritt? Das vorher widerspenstige Böcklein.

«Der Umzug verlief besser als erwartet», sagt Regula Signer, die Frau des Parkwärters, und deutet damit an, dass ein solches Manöver nicht immer einfach ist.

Für einige ein Wiedersehen

Mit sachtem Schritt noch bewegen sich die Tiere in ihrem neuen Daheim. Einige waren schon früher einmal da.

Aber mögen sie sich ein Jahr später daran erinnern? Der alte Geruch, jemand spricht von Gestank, ist durch die Sanierung gewichen. «Die Felsformationen erkennen sie noch», sagt Regula Signer. Der Fels ist nämlich in seinen Strukturen so erhalten geblieben, wie ihn der Zürcher Bildhauer Urs Eggenschwiler vor hundert Jahren erstellt hat. So natürlich er aussieht, das Konstrukt besteht weitgehend aus Beton, Mörtel, Stangenholz und Drahtgeflechten.

Kaum haben die Steinböcke die Anlage beschnuppert, werden sie zu Gipfelstürmern. Um 7.52 Uhr steht einer schon keck ganz oben. Magistral der Anblick, wenn die Tiere auf dem Felsen stehen, Kopf und Geweih in den Himmel ragen. Putzig die Kleinen, die so selbstverständlich hinauf- und herabspringen.

Nun liegt die erste Mahlzeit bereit, aus Getreideflocken, Mais, Rüebli, Kochsalz.

Und schon stehen die alten Felsen nur noch fahl im Hintergrund, auf denen die Steinböcke erst herumgeturnt sind. Aber das dürften sie eh schon vergessen haben.

Eintritt ins neue Gehege: Vorwitzig der Kleine, der zuerst bockig war.

Eintritt ins neue Gehege: Vorwitzig der Kleine, der zuerst bockig war.

Am neuen Felsen hiess es auch Mass nehmen.

Am neuen Felsen hiess es auch Mass nehmen.

Erst vom Menschen entdeckt: Der Innenraum des Felsens.

Erst vom Menschen entdeckt: Der Innenraum des Felsens.

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