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UMZUG: Der Stadionvater zieht weiter

Hans Hurni hat seinen Wohnsitz vom Hotel Radisson Blu in eine Seniorenresidenz verlegt – unfreiwillig. Mit dem Tod beschäftigt sich der 90-jährige ehemalige Kantonalbankdirektor und FCSG-Präsident aber noch nicht.
David Gadze
Mit dem FC St.Gallen ist Hans Hurni bis heute eng verbunden. (Bild: Benjamin Manser)

Mit dem FC St.Gallen ist Hans Hurni bis heute eng verbunden. (Bild: Benjamin Manser)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Hans Hurni hat seinen Lebensmittelpunkt verlegt. Seit Ende Oktober wohnt der ehemalige Kantonalbankdirektor, Präsident des FC St. Gallen und «Vater» des St. Galler Fussballstadions in einer Zweieinhalb-Zimmer-Parterrewohnung im Alters- und Pflegeheim Vita Tertia in Gossau. Zuvor lebte er fast zehn Jahre lang in einer Suite des Hotels Radisson Blu in St. Gallen. Inzwischen hat er sich gut eingelebt in seinem neuen Zuhause, das er mit rund 130 Bewohnerinnen und Bewohnern sowie etwa 110 Mitarbeitern teilt. «Ich fühle mich wohl hier.»

Alte Freundschaften pflegt Hurni weiter und hat oft Besuch in seiner Wohnung, ein paar Bekannte wohnen ebenfalls in der Vita Tertia. «Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch, aber ich mag auch meine Ruhe.» Eine umso engere Beziehung pflegt Hans Hurni, der seinen Vater kurz nach der Geburt verlor, zu Sohn Roland, seinem einzigen Kind. Der frühe Tod von Ehefrau und Mutter schweisste sie eng zusammen. Sie telefonieren täglich, Roland besucht ihn oft. «Und er sorgt dafür, dass immer ein paar Bier in meinem Kühlschrank stehen.»

Immer noch weitgehend selbstständig

Freiwillig war Hurnis Umzug vom Radisson in die Vita Tertia allerdings nicht. Eines Morgens im vergangenen September konnte er seine Beine nicht mehr bewegen. «Ich musste notfallmässig ins Spital eingeliefert werden», erzählt der bald 91-Jährige. Die Ärzte diagnostizierten eine Fraktur im Bereich der Wirbelsäule. Nach der Operation stand fest, dass Hurni nicht länger im Radisson bleiben konnte. Die Dienste der Hotelangestellten reichten nicht mehr. «Ich konnte nicht gehen und war auf Pflege angewiesen.» Sein Sohn und die Schwiegertochter suchten für ihn einen Platz in einem Alterszentrum – und wurden in Gossau fündig, wo sie ihm «ein sehr schönes Zuhause» eingerichtet haben. Inzwischen geht es Hans Hurni besser, er kann wieder mit einem Stock gehen. Jeden Morgen kommt eine Pflegerin, die ihm bei der Körperhygiene hilft. Ansonsten ist er wieder selbstständig. «Die Freundlichkeit und Zuvorkommenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist dabei eine wichtige Voraussetzung.»

Im Alterszentrum ist unweigerlich auch der Tod unmittelbarer. «Für die meisten beginnt hier der letzte Abschnitt ihres Lebens. Auch meine Endstation wird hier sein», sagt Hurni. Seine Gedanken kreisen aber nicht um den Tod, auch Angst vor dem Sterben hat er nicht. «Die Endlichkeit bedrückt mich nicht. Ich bin vielmehr froh und dankbar, dass ich am Leben teilnehmen kann.» Das Stadtleben fehle ihm jedoch manchmal, die «Vielseitigkeit», wie er es ausdrückt, aber auch die Selbstständigkeit, die Freiheit, sich ins Auto zu setzen und ins Appenzellerland oder an den Bodensee zu fahren. So unternimmt er mit dem Rollator Spaziergänge im Quartier. Auch die Fussballspielbesuche im Stadion sind seltener geworden. Erst einmal war er im Kybunpark, seit er nach Gossau gezogen ist. «Aber das Heimspiel gegen Basel am nächsten Samstag lasse ich mir nicht entgehen», sagt Hurni, der in der Rheinstadt aufgewachsen ist, ehe er vor über 50 Jahren nach St. Gallen kam.

Fussballstadion ist kein Denkmal

Als sein «Denkmal» oder Vermächtnis will er das Stadion im Westen der Stadt aber nicht bezeichnen. «Ich habe auch bei der Kantonalbank viele Dinge angestossen, die heute selbstverständlich sind. Wir hatten beispielsweise einen der ersten Bankomaten der Schweiz.» Und wer weiss: Wäre es ihm und den anderen Verantwortlichen Anfang der 1990er-Jahre nicht gelungen, den FCSG vor dem Konkurs zu retten, hätte es womöglich auch kein neues Stadion gebraucht. Dennoch: Jedes Mal, wenn er an der Arena vorbeifährt, «dann kribbelt es». Über den Vorschlag, sie dereinst nach ihm zu benennen, lacht er aber nur: «So gut betucht bin ich auch wieder nicht, dass ich mir das Namensrecht leisten könnte.»

Vor der Eröffnung der AFG-Arena, wie der Kybunpark bis vergangenen Sommer hiess, stand allerdings zur Debatte, die Arenawege Ost und West – die beiden Passerellen über die Autobahn – nach Hans Hurni zu benennen. Bei lebenden Personen sei das nicht möglich, hielt die Namenskommission der Stadt damals fest. Eine posthume Ehrung würde ihn jedoch sehr freuen, sagt der Stadionvater. «Hans-Hurni-Weg – doch, das würde mir gefallen.»

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