UMWELTVERSCHMUTZUNG: Verdrecktes Wasser kostet 100 Fische das Leben

In Abtwil ist am Montagabend Baustellenwasser in den Mülibach gelangt. Daraufhin sind um die 100 Fische verendet. Die Ursache ist gemäss Kantonspolizei noch unklar.

Perrine Woodtli
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Wie es zur Verschmutzung des Mülibachs kam ist noch nicht geklärt. (Bild: Kapo SG)

Wie es zur Verschmutzung des Mülibachs kam ist noch nicht geklärt. (Bild: Kapo SG)

In Abtwil entsteht derzeit im Gebiet Wiesental das Alters- und Pflegezentrum. Von der Baustelle ist am Montag verdrecktes Wasser in den Mülibach gelangt. Nebst der Kantonpolizei St.Gallen waren auch Vertreter des Amtes für Umweltschutz (AFU) sowie der Fischereiaufsicht vor Ort. Die Feuerwehr Gaiserwald rückte mit zehn Leuten aus und spülte den Mülibach. «Dazu wurde der Bach mit Trinkwasser aus einem Hydranten gespiesen», erklärt Feuerwehrkommandanpot Thomas Kündig. Das Ganze dauerte zwei Stunden. Komme bei der Nachkontrolle nichts Neues heraus, sei die Aufgabe der Feuerwehr damit abgeschlossen.

Wie es genau zu dem Vorfall kam, weiss die Kantonspolizei derzeit noch nicht, sagt Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. «Die Untersuchungen laufen.» Die Baustelle wird mit mehreren Tauchpumpen entwässert. Das Wasser wird in ein Absetzbecken geleitet. In diesem Becken beruhigt sich dann das Wasser. Unter den Einfluss der Schwerkraft setzt sich das Sediment am Grund des Beckens ab. Füllt sich dieses, fliesst das obere und saubere Wasser durch eine Röhre in den Mülibach ab. Warum am Montag trotzdem verschmutztes Wasser in den Bach gelangte, wird laut Rezzoli nun untersucht. Die Polizei müsse den Sachverhalt feststellen und herausfinden, ob das Absetzbecken korrekt installiert wurde. «Wir werden dazu die Verantwortlichen befragen», sagt Rezzoli. Laut Polizei entstand ein Sachschaden von mehreren tausend Franken.

Auswirkungen auf Tiere noch schwer abschätzbar
Als Folge des Vorfalls sind um die 100 Fische, vor allem Forellen, verendet. Diese mussten laut Marco Paganoni vom AFU in der Kadaververwertung entsorgt werden. Dass verdrecktes Wasser in einen Bach gelangt, passiere leider immer wieder. «Das kann nicht rückgängig gemacht werden», sagt Paganoni. Das Wichtigste sei, dass man die Ursache herausfinde. «Nur so können solche Vorfälle in Zukunft vermieden werden.» Das AFU und die Bauverwaltung Gaiserwald beurteilen nun die Situation, bevor das Baustellenabwasser wieder abgeleitet werden darf.

Gemäss Paganoni kann die natürliche Regeneration des Baches lange dauern. «Optisch hat man nach kurzer Zeit das Gefühl, dass nie etwas passiert ist», sagt er. «Aber es kann Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis sich der Bach regeneriert hat.» Bei der Regenerierung spielt auch die Witterung eine Rolle. Regnet es viel, wird der Bach laut Paganoni laufend mit frischem Wasser versorgt. Wie sich der Vorfall langfristig auf die Lebewesen auswirkt, ist noch unklar. Nicht nur die Fische könnten unter den Auswirkungen leiden. Nebst weiteren Wasserlebewesen dürfte auch die Steinkrebspopulation gefährdet sein. Dies alles sei aber noch schwer abschätzbar, sagt Paganoni. Tote Krebse seien bislang keine gefunden worden.