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UMNUTZUNGEN: St.Leonhardskirche ist ein unrühmliches Beispiel

Vor bald zehn Jahren brannte in St.Gallen die Kirche St. Leonhard. Seither sind ihre Türen geschlossen. Ein Experte für Kirchenumnutzungen sagt, mit dem Verkauf des ehemaligen Gotteshauses sei einiges schiefgelaufen.
Christina Weder
Das Kultur- und Eventzentrum in der Kirche St.Leonhard lässt auf sich warten. (Bild: Benjamin Manser)

Das Kultur- und Eventzentrum in der Kirche St.Leonhard lässt auf sich warten. (Bild: Benjamin Manser)

Nächste Woche wird in der Kirche St.Leonhard Bier getrunken. Ausser dem Brausilvester, der am Donnerstag und Freitag zum dritten Mal gefeiert wird, finden in der Kirche keine anderen Anlässe statt. Seit dem Grossbrand, der sich im Dezember zum zehnten Mal jährt, ist sie für die Öffentlichkeit geschlossen. Dabei hat Eigentümer Giovanni Cerfeda längst ein Kultur- und Eventzentrum angekündigt. Bis jetzt ist nichts passiert.

Ein Fehlentscheid mangels Erfahrung

Kunsthistoriker Johannes Stückelberger hat vor kurzem an der Universität Bern den Zweiten Schweizer Kirchenbautag zum Thema Kirchenumnutzungen organisiert. Als prominentes
Beispiel wurde auch über die Leonhardskirche in St.Gallen diskutiert – eines der ersten Gotteshäuser, die an eine Privatperson verkauft wurden. Dabei sei einiges schief gelaufen, sagt Stückelberger. Er wählt deutliche Worte: «Es war ein Fehlentscheid, die Kirche St.Leonhard zu verkaufen.» Der Kunsthistoriker führt ihn auf die dazumal mangelnde Erfahrung mit dem Thema Kirchenumnutzung zurück und will deshalb auch niemandem einen Vorwurf machen. Dennoch ist für ihn klar: Mit dem Verkauf hat sich die Kirchenbehörde der Möglichkeit beraubt, Einfluss darauf zu nehmen, was in Zukunft mit dem Gebäude geschieht. Ihr sei ein Teil der Verantwortung zuzuschreiben, dass das ehemalige Gotteshaus heute ungenutzt sei. «Die Kirchgemeinde hat es versäumt, vom Käufer eine Machbarkeitsstudie und ein Nutzungskonzept zu verlangen.»
Zudem wäre es laut Stückelberger gut gewesen, wenn der neue Eigentümer Giovanni Cerfeda mit der Denkmalpflege Rücksprache gehalten hätte, bevor er sich an die Planung seines Kultur- und Eventzentrums machte. Cerfeda plante dafür eine Unterkellerung, eine Tiefgarage und eine Art Mauer inklusive Hof um die Kirche herum. Er hat sein Umbauprojekt 2013 mit der Baubewilligungsbehörde besprochen, die ihm mit Skepsis begegnete – zu Recht, wie Kunsthistoriker Stückelberger findet: «Das Projekt war nicht bewilligungsfähig.» Einer der Gründe sei die geplante Mauer, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der freistehenden Kirche zu stark beeinträchtige. Die städtische Behörde habe nicht anders geurteilt, als sie es in vergleichbaren Fällen tun würde. Nun müsse der Eigentümer sein Projekt anpassen, damit es bewilligungsfähig werde.

Eigentümer will neuen Anlauf nehmen

Bei Giovanni Cerfeda überwiegt noch immer die Enttäuschung, dass die Stadt seinen Plänen nicht mit Wohlwollen begegnet ist. «Wir hätten vorwärts gemacht», sagt er. Seine Umbaupläne hat er nicht begraben, sondern eine Weile auf die Seite gelegt. Er will weiterhin daran festhalten. Nachdem es beim Amt für Baubewilligungen einen personellen Wechsel gegeben hat, sei er wieder guten Mutes und wolle bald einen neuen Anlauf nehmen. Im Moment hat die Kirche erst einen provisorischen Boden. Sie ist nicht beheizt und verfügt über keine Toiletten. «Man muss noch etwas Geduld haben», sagt Cerfeda.

Kirchenumnutzungsexperte Johannes Stückelberger sieht zwei Möglichkeiten, damit wieder Leben in die Leonhardskirche einkehrt. Die eine wäre, die Kirche weiterzuverkaufen, was für Cerfeda aber nicht in Frage kommt. Die zweite Möglichkeit wäre, sie an eine Institution oder Trägerschaft zu vermieten, die eine langfristige öffentliche Nutzung garantieren könnte. Dann würde nicht die ganze Last der Unterhalts- und Betriebskosten auf den Schultern eines Einzelnen liegen. «Zudem könnte man dem Eigentümer zugutehalten, dass er eine Neunutzung möglich macht.»

Ein Ort, um über Gott und die Welt nachzudenken

Stückelberger kommt auf den Vorschlag von Andrea Weinhold, Pfarrerin in Bruggen, zu sprechen. Sie war im Frühling mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit gelangt, die Kirche St.Leonhard zu kaufen und als Beteiligungskirche wiederzubeleben. Ihr schweben Malprojekte, Schreibwerkstätten, Konzerte und ähnliche Anlässe vor. «Ein sehr schönes Projekt», findet Stückelberger. Er hofft, dass es zu einer Zusammenarbeit mit dem Eigentümer kommt.

Aus diesem Grund waren sowohl Giovanni Cerfeda als auch Andrea Weinhold zu einer Podiumsdiskussion am Kirchenbautag in Bern eingeladen, wo sie sich kennen gelernt haben. «Wir hoffen, dass das Gespräch eine Fortsetzung findet», sagt Stückelberger. Das sei auch in ihrem Sinne, sagt Pfarrerin Andrea Weinhold. Sie wisse nicht, wie es mit der Leonhardskirche weitergehe. Fast täglich fährt sie an ihr vorbei und mag den Standort und das Gebäude, weil es eine einladende Ausstrahlung habe. «Oft stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn es dort wieder einen Ort der Begegnung gäbe, wo man über Gott, die Welt und sich selber nachdenken kann.» Sie wisse, dass sie mit diesem Traum nicht alleine sei. Ob daraus allerdings mehr wird, als ein Traum, ist offen. Sie sei jedenfalls interessiert, die Idee weiterzuverfolgen.

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